Der heute veröffentlichte Jahresbericht des Medizinischen Dienstes (MD) zeigt, dass die Behandlungsqualität in den deutschen Krankenhäusern hoch ist und sich weiter verbessert hat. Mit 11.735 gemeldeten Verdachtsfällen im gesamten Gesundheitswesen hat sich deren Zahl 2025 im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um 569 Fälle verringert. Von diesen 11.735 hat sich bei näherer Betrachtung nur jeder vierte Fall als tatsächlicher Fehler bestätigt. Auch dieser Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr spürbar gesunken. Der Anteil der bestätigten Behandlungsfehler im stationären Sektor liegt mit rund 1900 ebenfalls niedriger als im Vorjahr. Dazu erklärt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft Dr. Gerald Gaß:
„Dass nicht nur die absolute Zahl der Verdachts- und bestätigen Fälle gesunken ist, sondern auch der Anteil der bestätigten Behandlungsfehler an den untersuchten Fällen, zeigt, dass die Krankenhäuser wie die ambulanten Leistungserbringer ihre Behandlungsqualität weiter ausgebaut haben und die Sicherheit für die Patientinnen und Patienten von einem ohnehin hohen Niveau weiter gestiegen ist. Trotzdem bleibt für uns das Bekenntnis, dass jeder Behandlungsfehler einer zu viel ist. Wir müssen weiterhin alles tun, um Fehler zu reduzieren, denn hinter jedem dieser Fälle steht ein Mensch. Trotzdem stehen den rund 1900 bestätigten Behandlungsfehlern im Krankenhaus schätzungsweise 18 Millionen Behandlungsfälle insgesamt gegenüber. Die bestätigte Fehlerquote bleibt damit im geringen Promille-Bereich. Für die Krankenhäuser und die Sicherheit bleibt eine transparente Fehlerkultur von Bedeutung. Wo Menschen arbeiten, geschehen Fehler. Die Fehler-Quote auf null zu drücken, wird in der Medizin nicht möglich sein. Mit transparenten Fehlermeldesystemen unternehmen wir aber alles, um uns dieser Marke so gut wie möglich zu nähern.
Unseriös bleiben leider die Schlussfolgerungen des MD zu vermeintlichen ökonomischen Schäden in Höhe von 16 Milliarden Euro durch Behandlungsfehler. Hier zieht der MD eine länderübergreifende OECD-Studie aus dem Jahr 2017 heran. Diese Studie beruht auf nationalen Einzelstudien mit ganz verschiedenen Voraussetzungen in der Struktur der Gesundheitsversorgung, Demografie, Lebensweise und vielem mehr. Vor allem: Die Studie hat Deutschland überhaupt nicht untersucht. Wenn die Studie von 15 Prozent Kosten für Schäden spricht, bezieht sie auch unvermeidbare Fälle mit ein. Dieselbe Studie nennt hingegen für vermeidbare Fälle ein deutlich niedrigeres Spektrum von 2 bis 10 Prozent der öffentlichen Ausgaben für Krankenhäuser. Behandlungsfehler eignen sich nicht dafür, Angstrechnungen aufzumachen und Alarmismus zu betreiben. Die Krankenhäuser werden weiter das Ziel verfolgen, die Fehlerquote so gut es geht zu senken.“