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Das WIdO, das Wissenschaftliche Institut der AOKen, hat sich in seinem diesjährigen Krankenhausreport mit der Reformbedürftigkeit der Krankenhauslandschaft in Deutschland beschäftigt. Ohne Zweifel ist der Bedarf vorhanden, die DKG ist in diesem Prozess ein konstruktiver Partner, der auch schmerzhafte Einschnitte akzeptiert. Ein Aspekt dieser Reformen ist die Ambulantisierung. Zahlreiche heute noch stationär durchgeführte Operationen sollen künftig ambulant stattfinden. Das entlastet nicht nur die Krankenhäuser und schont die Finanzen der Krankenkassen, es ist meistens auch im Sinne der Patientinnen und Patienten, da sich niemand gern länger im Krankenhaus aufhalten möchte.
Nun kommt das WIdO aber mit einer Zahl potentieller ambulanter Behandlungen, die nicht mehr nachvollziehbar ist: Mehr als die Hälfte aller stationären Krankenhausfälle könne auch ambulant behandelt werden. Die Zahl ist erstaunlich, da unabhängige Studien im Vorfeld meistens Werte von weniger als einem Drittel ergaben. Problematisch an den AOK-Zahlen ist ihre Realitätsferne. Kurz: Die Untersuchung geht von einer idealen Welt aus. Ob eine OP ambulant durchgeführt werden kann, hängt nicht nur von medizinischen Parametern der Behandlung, sondern auch von ganz individuellen Kriterien des Patienten ab. Ein multimorbider älterer Mensch, der zuhause keine Angehörigen hat, wird für eine ambulante Operation weniger infrage kommen als ein junger gesunder, um den sich nach der Entlassung eine Familie kümmern kann. Die ideale Welt, die den AOK-Zahlen zugrunde liegt, setzt auch funktionierende sektorenübergreifende Behandlungsstrukturen voraus. Wenn Ambulantisierung funktionieren soll, muss für Anschlussversorgung und Weiterbetreuung außerhalb der Kliniken gesorgt sein. Dass es im niedergelassenen Bereich aber zunehmend eher mehr als weniger Versorgungslücken gibt, haben die meisten Menschen bereits selbst erfahren müssen.
Getrieben ist die intensive Öffentlichkeitsarbeit der AOK natürlich von monetären Gründen. Diese dürfen aber keinesfalls das Hauptmotiv in der Gesundheitsversorgung sein, ob stationär oder ambulant. Die DKG plädiert für eine Ambulantisierung, die die medizinische Qualität, Sicherheit und das Wohl der Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt stellt. Plakative Höchstwerte für Ambulantisierungspotentiale sind in diesem Zusammenhang nicht hilfreich.
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