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Leichter Anstieg der Fallzahlen um zwei Prozent auf rund 17,5 Millionen, ebenfalls leicht auf 72 Prozent gestiegene Bettenauslastung und vor allem erstmals mehr als eine Million auf Vollzeit umgerechnete Beschäftigte in den deutschen Krankenhäusern – das ist die Essenz der in dieser Woche veröffentlichten Krankenhauszahlen für 2024 aus dem Statistischen Bundesamt.
Die Zahlen untermauern die schlichte Erkenntnis, dass Krankenhäuser weiter und sogar verstärkt gebraucht werden. Medizinischer Fortschritt und mehr Effizienz in den Kliniken haben zwar dazu geführt, dass die durchschnittliche Verweildauer nach dem Corona-bedingten Plateau der vergangenen Jahre weiter auf 7,1 Tage gesunken ist. Der demografische Wandel wird aber dafür sorgen, dass der Bedarf nach medizinischer Versorgung weiter steigt. In diesem Zusammenhang ist die Nachricht vom Personalaufbau in den Krankenhäusern eine gute. Erstmals eine Million auf Vollzeit umgerechnete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigen nicht nur, dass die Krankenhäuser gefragte Arbeitgeber sind und sich wieder mehr Menschen für soziale Berufe interessieren. Es zeigt auch, dass es möglich ist, den Fachkräftemangel zu lösen. Dafür bedarf es aber weiterer politischer Anstrengungen, denn eine Kennzahl aus dem Krankenhaus bleibt erschreckend: Die Produktivität in der Krankenpflege ist von 2019 auf 2024 um 36 Prozent gesunken, im ärztlichen Bereich waren es 21. Diese betriebswirtschaftliche Rechnung bedeutet in der Praxis nichts anderes, als dass immer weniger Arbeitskraft der pflegerischen und ärztlichen Beschäftigten bei den Patientinnen und Patienten ankommt. Das liegt weder an den Beschäftigten noch an den Krankenhäusern. Es liegt vor allem an der rasant wachsenden Bürokratie. Das bedeutet, dass Kliniken schon deshalb Personal aufbauen müssen, um die Versorgungsqualität überhaupt auf gleichbleibendem Niveau zu halten, da immer mehr Arbeitszeit für Bürokratie verwendet wird. Drei Stunden täglich sind es mittlerweile in der Pflege. Wenn diese Last nicht konsequent abgebaut wird, kann sich am Fachkräftemangel trotz allen Personalaufbaus nichts ändern.
Und noch eine Zahl des Statistischen Bundesamts lässt aufhorchen: Die Zahl der Krankenhäuser ist von 1874 im Jahr 2023 auf 1841 im vergangenen Jahr gesunken. Ein Teil dieser Schrumpfung lässt sich mit durchaus sinnvollen Fusionen erklären. Ein anderer ist jedoch direkte Folge der wirtschaftlichen Schieflage, in der ein Großteil der Krankenhäuser steckt. Die Häuser, die den Spagat zwischen Einnahmen und Ausgaben vor allem infolge der sprunghaften Inflation ab 2022 nicht mehr ausgehalten haben, fehlen heute in der Versorgung. Ein Blick in die Insolvenzstatistik zeigt, dass die Dynamik des kalten Strukturwandels keineswegs gebremst ist. Noch immer geraten viel zu viele Kliniken in bedrohliche Schieflagen. Das passiert leider vor allem dort, wo die medizinische Versorgung ohnehin schon ausgedünnt ist und Krankenhäuser und ihre Notaufnahmen häufig die überlasteten oder gar nicht mehr vorhandenen Arztpraxen ersetzen müssen. Insolvente Krankenhäuser liegen zum weit überwiegenden Teil in Orten mit weniger als 100.000 Einwohnern.
Der Gesundheitspolitik der Bundesregierung bleiben also viele wichtige Aufgaben, um die Gesundheitsversorgung in Deutschland für die Zukunft zu sichern. Die bisherige Bilanz des Bundesgesundheitsministeriums ist allerdings ernüchternd.
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