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Der DKG-Vorstandvorsitzende Dr. Gerald Gaß schreibt über unbefriedigendes Krankenhausessen, den Umgang mit mangelernährten Patientinnen und Patienten in der Klinik, und warum beides nichts miteinander zu tun hat.
Es gibt ein Thema, das uns in der Öffentlichkeitsarbeit der DKG besonders häufig beschäftigt: Krankenhausessen. Dabei geraten zwei Aspekte immer wieder durcheinander: Umgang mit mangelernährten Patientinnen und Patienten und Kritik an Geschmack und Vielfalt der Mahlzeiten. Manchmal passiert das, weil hier komplizierteste bürokratische Prozesse aus der Selbstverwaltung, die für Außenstehende kaum zu durchschauen sind, mit einem Thema kollidieren, mit dem fast alle eigene Erfahrungen haben. Und manchmal dient die Vermischung der Aspekte der heute üblichen Reichweitenjagd in der Medienwelt. Jüngst verfälschte die Online-Redaktion der „Welt“ einen Beitrag über Mangelernährung so stark, dass am Ende die absurde Behauptung, Patienten würden im Krankenhaus am schlechten Essen verhungern, in der Überschrift stand.
Je nach Studienlage kommen rund 30 Prozent der Patientinnen und Patienten mangelernährt ins Krankenhaus. Die Problematik ist bekannt, ist doch Mangelernährung ein Risikofaktor für Behandlung und Genesung. Wir haben uns in der Selbstverwaltung intensiv für die Erprobung von Qualitätsverträgen zum Umgang mit Mangelernährung eingesetzt. Krankenhäuser können heute spezielle Ernährungsteams einsetzen, Patientinnen und Patienten bei der Aufnahme screenen, Mangelernährung medizinisch begegnen und bekommen die Mehrkosten dafür vor allem endlich bezahlt. Wir sind stolz, an dieser Verbesserung mitzuwirken und hoffen, dass Ernährungsteams und Management von Mangelernährung bald zu den Standards in Krankenhäusern gehören. Klar ist aber auch, dass Krankenhäuser oft über Jahre angewachsene Mangelernährungszustände nicht während eines üblichen stationären Aufenthalts innerhalb weniger Tage beseitigen können. Das übersteigt ihre Möglichkeiten und ist auch nicht ihre Aufgabe. Um das Problem der Mangelernährung nachhaltig angehen zu können, müssen Pflegeheime, Pflegedienste, Angehörige und niedergelassene Ärzte zusammenarbeiten. Denn meistens sind multimorbide ältere Menschen betroffen. Die Krankenhäuser wirken in dieser Kette gern mit, so gut sie es können.
Beim täglichen Krankenhausessen sieht die Lage anders aus. Der immense Spardruck hat die Verpflegung nicht attraktiver gemacht, Fotos von traurigen Brotscheiben und Tellern mit undefinierbaren Gerichten gehen durch die sozialen Medien. Hier muss sich tatsächlich etwas tun. Das beste Mittel für bessere Mahlzeiten im Krankenhaus ist angemessene Vergütung, mit der die Kliniken wirtschaften können. Dann müssen die Klinikküchen auch nicht mehr jeden Cent umdrehen und noch das letzte Sparpotential auf dem Teller ausnutzen. Mit dem Management von Mangelernährung hat das allerdings nichts zu tun. Denn so schlecht kann ein Krankenhausessen gar nicht sein, dass Menschen gesund ernährt auf die Station kommen und nach ihrer OP mangelernährt wieder entlassen werden.
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