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Der Vorstandsvorsitzende der DKG, Dr. Gerald Gaß, kommentiert die aktuellen Nutzerzahlen der ePA und erklärt, warum und wie die elektronische Akte zum Erfolg werden muss und kann.
Die elektronische Patientenakte ist da. Endlich! Nach Jahrzehnten der Diskussionen und Planungen hat nun auch Deutschland den Anschluss an den digitalen Standard im Umgang mit Behandlungsdaten geschafft. Die Liste der Vorteile ist lang: Patientenakten müssen nicht mehr kompliziert und mit Verzögerung von einem Arzt zum anderen getragen werden, in der Notaufnahme reicht ein Blick in die ePA um die Krankengeschichte des bewusstlosen Patienten zu eruieren, vorbei die Zeiten unleserlicher Zettel und rätselhafter Medikationsangaben durch den Patienten selbst. Doch ob die ePA tatsächlich eine Erfolgsgeschichte wird, hängt ganz wesentlich von den Patientinnen und Patienten selbst ab. Nur ein Bruchteil nutzt bislang die ePA selbst, wie aktuelle Zahlen nun zeigen. Dabei vereinfacht die digitalisierte Akte nicht nur die Behandlung und den Informationsaustausch, sie bietet den Nutzerinnen und Nutzern auch einen riesigen Zuwachs an Transparenz. Unkompliziert können sie sich heute ihre Diagnosen, ihre Medikation und die Behandlungsgeschichte anschauen. Doch leider nutzt weiterhin nur ein Bruchteil der Versicherten die ePA für sich selbst.
Das liegt ganz wesentlich auch am oft komplizierten Procedere zur Einrichtung und Freischaltung der ePA und mangelhafter Information durch viele Kassen. Ja, dass es leider in Deutschland noch nicht ohne Briefe, Freischaltungscodes und andere komplizierte analoge Krücken geht, ist Fakt – vielfach aber auch Zeichen des strengen Datenschutzes. Ich bitte Sie, verzweifeln Sie nicht daran. Wenn Ihnen der Prozess der Freischaltung nicht klar ist oder Sie Probleme mit Apps, PIN und Co. haben, wenden Sie sich aktiv an Ihre Krankenkasse. Dort wird Ihnen immer geholfen. Unterstützen Sie auch Ihre Eltern und Großeltern bei der Einrichtung der ePA. Sie werden von der digitalen Akte profitieren, mit besserer Behandlungsqualität durch verlustfreie Informationsübertragung, durch schnellere Prozesse und am Ende durch Kosteneinsparungen, weil viele Doppelbehandlungen z.B. bei bildgebenden Verfahren endlich vermeidbar werden. Ihre Daten bleiben dabei nachweislich nach höchsten Standards geschützt, auch wenn immer wieder Gegenteiliges verbreitet wird.
Die ePA benötigt jetzt vor allem breite Akzeptanz. Das ist trotz aller bürokratischer Hürden möglich. In den meisten Ländern Europas ist die digitale Verwaltung von Patientendaten seit vielen Jahren Realität. Dass Deutschland nun den Anschluss geschafft hat, ist ein gutes Zeichen. Jetzt müssen wir daraus etwas machen.
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