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Der DKG-Vorstandsvorsitzende Dr. Gerald Gaß kommentiert den Vorschlag, Nina Warken zur Bundesgesundheitsministerin zu ernennen.
Zugegeben, die Personalie Nina Warken dürften im Gesundheitswesen bei der Besetzung des Bundesministeriums die wenigsten auf dem Zettel gehabt haben. Zu den Namen, die in unserem Verband kursierten, gehörte die Abgeordnete aus Baden-Württemberg zumindest nicht. Nun mag erste Kritik aufkommen, dass Frau Warken über nur sehr wenig gesundheitspolitische Erfahrung verfügt und außerdem keine Medizinerin ist. Die Vergangenheit hat allerdings gezeigt, dass ein Medizinstudium keineswegs zwingend zur Kompetenz für ein Ministeramt führt.
Anders als 2021 unter dem Eindruck der Corona-Pandemie wird das Gesundheitsressort diesmal nicht im Fokus der Politik stehen. Zu dominant sind die außen- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen. Trotzdem wird Nina Warken erhebliche Aufgaben auf der Agenda haben: Die Krankenhausreform ihres Vorgängers muss sie praxistauglich reformieren und zum Abschluss bringen, sie muss die flächendeckende stationäre und niedergelassene Versorgung auch in ländlichen Regionen sichern, sie muss die steigenden Krankenkassenbeiträge wieder unter Kontrolle bringen, die immense Bürokratie spürbar abbauen und vieles mehr. Von den zahlreichen Baustellen im Gesundheitswesen wurde in den vergangenen drei Jahren kaum eine beendet.
Fast noch wichtiger ist allerdings, dass Nina Warken wieder zum Gespräch mit den Akteuren der Gesundheitsversorgung zurückkehrt. Drei Jahre Konfrontation und Dialogverweigerung haben viel Schaden angerichtet und nicht nur die dringende Krankenhausreform verzögert. Nina Warken hat hier nicht nur einige Erfahrungen im Dialog zwischen Bund und Ländern, wir sind auch guter Dinge, dass sie die Selbstverwaltung wieder als Partner mit jeweils vorhandener Expertise akzeptiert. Frau Ministerin, bitte suchen Sie sobald wie möglich das Gespräch, nicht nur mit den Krankenhäusern, auch mit den Kassenärztinnen und -ärzten, den Apotheken und den Zahnarztpraxen. Die vergangenen drei Jahre haben gezeigt, dass man in Kooperation weitaus erfolgreicher gestalten kann als in Konfrontation. Unsere Tür steht Ihnen offen, und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit. Sie können auf unsere Kooperation genauso wie auf unsere konstruktive Kritik zählen.
Bildnachweis: Pressefoto-Nina-Warken-im-Wahlkreis-c-2024-Tobias-Koch
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