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Stand: September 2021

Derzeitige Corona-Situation in den Krankenhäusern
Der Wiederanstieg der Infektionszahlen und der Aufschwung zur vierten Welle haben sich auch in den Krankenhäusern bemerkbar gemacht. Ende August ist die Zahl der Covid-Kranken auf den Intensivstationen erstmalig wieder auf mehr als 1000 gestiegen. Sie steigt weiterhin kontinuierlich an. Allerdings stehen Inzidenz und Hospitalisierungszahlen mittlerweile in einem ganz anderen Verhältnis als während der vorangegangenen Wellen.  Die Höhepunkte bei den intensivbehandelten Covid-Kranken der vergangenen Wellen lagen bei 2900 (Frühjahr 2020), 5800 (Anfang Januar 2021) und 5000 (Ende April 2021). Seit etwa Mitte September zeigt sich bei den Belegungszahlen der Intensivstationen wieder ein diffuses Bild. Sie stagnieren bzw. sinken leicht. 

Pandemie der Ungeimpften
Die gänzlich andere Situation ist eindeutig auf den Fortschritt der Impfung zurückzuführen. Rund 90 Prozent der Covid-Intensivpatientinnen und -patienten sind ungeimpft. Das Medianalter pendelt um 50 Jahre. Anfang 2021 lag es noch bei knapp 80 Jahren. In dieser mittleren Altersgruppe ist die Impfquote relativ niedrig. In der Gruppe der bislang besonders betroffenen Älteren ist die Quote hingegen sehr hoch. Entsprechend machen sie bei den Schwerstkranken nur noch einen kleinen Bruchteil aus. Wie sich die Lage in den Intensivstationen weiterhin entwickelt, hängt also maßgeblich vom Fortschritt der Impfkampagne ab.  

Hintergründe
Die Krankenhäuser melden seit dem Frühjahr 2020 täglich ihre Belegungszahlen an die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Die DIVI führt das sogenannte Intensivregister und veröffentlicht täglich einen frei zugänglichen Bericht  über die aktuellen Kapazitäten in den Krankenhäusern.

Im November 2020 verzeichneten die Krankenhäuser regionale Engpässe im Intensivbereich. In der Folge mussten Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden. Um mehr Kapazitäten freihalten zu können, haben die Krankenhäuser die Regelversorgung nach Bedarf heruntergefahren. Das betraf ausschließlich planbare Behandlungen, bei deren Verschiebung keinerlei gesundheitliche Schäden oder gar Lebensgefahr drohen. Damit sollten Kapazitäten vor allem beim Personal geschaffen werden. Die DKG hat dazu ein Konzept zur Balance zwischen Covid-19-Bereitschaftsdienst und Regelversorgung vorgelegt. 

Ganz wichtig ist aber vor allen Dingen, dass Menschen nicht aus Angst vor Corona die Notaufnahmen meiden. Dazu gibt es keinen Grund. Der Infektionsschutz in den Krankenhäusern ist gewährleistet, und jeder, der ein Problem hat, sollte unbedingt auch ein Krankenhaus aufsuchen. 

Kapazitäten 
Vor der Corona-Krise gab es in Deutschland bundesweit rund 28.000 Intensivbetten, davon 22.000 mit Beatmungsmöglichkeit. Diese waren durchschnittlich zu 70 bis 80 Prozent belegt. Bundesweit wurden in einer gemeinsamen Kraftanstrengung die Kapazitäten ausgebaut. Zusätzlich haben alle Krankenhäuser, unterstützt durch zentrale Maßnahmen des Bundesministeriums für Gesundheit,  weitere Beatmungsplätze geschaffen. Die Zahl der betreibbaren für Covid-19-Patienten geeigneten Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit konnte so auf mehr als 28.000 gesteigert werden. Zusätzlich steht eine Reserve bereit, die innerhalb einer Woche aktiviert werden kann. Diese Reserve schwankt je nach Personalsituation zwischen 10.000 und 12.000 Betten. Sie wird erst durch weiteres Rückfahren der Regelversorgung und weitere Maßnahmen verfügbar. 

Warum schwankt die Gesamtkapazität der Intensivbetten? 
Die Zahl der zur Verfügung stehenden Intensivbetten ist vor allem von den Personalkapazitäten abhängig. Mit der Wiedereinführung der Pflegepersonaluntergrenzen und deren Verschärfung im Sommer 2020 bzw. zum Jahreswechsel ist die Gesamtzahl der Intensivbetten spürbar gesunken. Hinzu kommt der weitaus größere Pflegebedarf von Covid-Erkrankten, der zusätzlich Personal bindet und viele Krankenhäuser dazu zwingt, Intensivkapazitäten abzumelden. Dass die Gesamtzahl zwischen den Wellen nicht wesentlich steigt, liegt z.B. daran, dass Krankenhäuser verschobene OPs nachholen, dass Beschäftigte lang aufgeschobenen Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen.

Intensivregister 
Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), das Robert Koch-Institut (RKI) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) haben gemeinsam das DIVI-Intensivregister aufgebaut. Eine Website, über die freie Beatmungsplätze in allen Kliniken Deutschlands registriert und abgefragt werden können. Über die Online-Plattform können Intensivmediziner aller Kliniken in Deutschland unkompliziert Kapazitäten abfragen. Das Register setzt darauf, dass alle Krankenhäuser tagesaktuell ihre Daten in einem geschlossenen Bereich der Datenbank selbstständig einpflegen, um auf dieser Basis eine regionale Koordination der intensivstationären Betten und damit eine optimale Versorgung der Covid-19-Patienten sicherzustellen. So können im Extremfall Patienten einer Beatmung zugeführt werden, unabhängig von der Kapazität im direkten Umfeld. Das Register finden Sie hier.

Kapazitätsangaben von DIVI und DKG ergänzen sich: Die Angaben der DKG, wonach die ehemals 28.000 Intensivbehandlungsbetten auf zwischenzeitlich rund 40.000 erweitert und die ehemals 20.000 Beatmungsplätze auf 30.000 gesteigert wurden, bezieht eine Vielzahl an Rückmeldungen ein, die über die Meldungen des DIVI-Registers hinausgehen. Das Register orientiert sich schwerpunktmäßig auf die Krankenhäuser, die bereits vor der Coronakrise über etablierte und im den Krankenhausplänen der Länder definierte Intensivstationen verfügt haben. Das Register erfasst deshalb die neu aufgebauten „Reservekapazitäten“ nicht. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um in Covid-19-Stationen umgewandelte Aufwachräume, die zusätzlich mit Beatmungsgeräten ausgestattet wurden. Auch hier werden Covid-19-Patienten intensivmedizinisch versorgt und beatmet. 

Finanzierung 
Für die erste Phase der Pandemie bis Ende September 2020 hat der Gesetzgeber einen finanziellen Rettungsschirm als Instrument zur wirtschaftlichen Stabilität der Krankenhäuser implementiert. Dieser soll durch einen Beirat aus Kassen und Krankenhausvertretern fortlaufend überprüft werden. 

Am 18. November 2020 haben Bundestag und Bundesrat mit dem Bevölkerungsschutzgesetz für einen "Rettungsschirm 2.0" gesorgt. Dieser sieht nun wieder gestaffelte Freihaltepauschalen vor, die den Krankenhäusern eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit gewähren, wenn sie nicht akut notwendige Operationen verschieben, um Kapazitäten für COVID-19-Patientinnen und -Patienten freizuhalten. Weiterhin ist ein Ganzjahresausgleich vorgesehen, der Krankenhäusern Mindererlöse erstattet - auf Basis der Vorjahreseinnahmen. Die DKG begrüßt diese Regelungen zum Teil, hat aber auch einige Kritikpunkte an der Ausgestaltung geäußert.

Aus Sicht der DKG ist es wichtig, dass die Finanzierung der Krankenhäuser mittelfristig auf die abgestimmte Balance zwischen Bereitschaft und Versorgung angepasst wird. Das bisherige Finanzierungssystem muss überprüft werden. Die Krankenpflege ist bereits aus gutem Grund nicht mehr den üblichen Fallpauschalen unterworfen. Nun stellt sich die Frage, ob man nicht generell zu einem Jahresbudget unabhängig von der Zahl der Patienten und Behandlungen zurückkehren sollte - zumindest bei den Häusern der Grundversorgung. Es gibt in den Kliniken viele Bereiche mit hohen Vorhaltekosten, die sich nicht dauerhaft über das DRG-System finanzieren lassen. 

Für die DKG steht fest, dass Krankenhäuser auch zukünftig Reserven benötigen und auf höchste Belastungen vorbereitet sein müssen. 

Pressemitteilungen der DKG finden Sie hier
 

 

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