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Stand: März 2022

Derzeitige Corona-Situation in den Krankenhäusern
Mit knapp 26.000 Corona-positiven Patientinnen und Patienten haben die Krankenhäuser Ende März einen Belegungsrekord in der gesamten Pandemie verzeichnet. Diese Zahlen sind aber gänzlich anders einzuordnen, als noch 2020 und 2021. So stehen die Intensivstationen nicht mehr im Mittelpunkt von Überlastungssorgen, die Corona-positiven Patientinnen und Patienten konzentrieren sich vielmehr auf die Normalstationen. Das größte Problem bei der Versorgung stellen gerade Personalausfälle durch Quarantäne und Krankheit dar. Von den extrem hohen Infektionsraten sind natürlich auch Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern betroffen. Die Krankenhäuser melden weit höhere Ausfallquoten als in Vorjahreszeiträumen. Gleichzeitig sorgt der hohe Anteil infizierter Patientinnen und Patienten für deutlich mehr Arbeitsaufwand. Das führt nun wieder zunehmend dazu, dass Krankenhäuser Behandlungen verschieben müssen. 

Mit oder wegen Corona? 
Hier zeigt sich allerdings ein Problem der Datenerfassung. Als stationäre Covid-19-Patienten zählen all jene, deren positives Testergebnis im Zusammenhang mit der zu behandelnden Krankheit stehen könnte. Das bedeutet, dass zwar Knochenbrüche, Unfälle usw. mit gleichzeitigen positiven Corona-Befunden nicht eingerechnet werden. Wohl aber viele andere Krankheiten, bei denen möglicherweise die Infektion nicht ursächlich für die Krankheit ist. Grund dafür ist, dass es bei Aufnahme eines Patienten nicht möglich ist, die Ursache Corona-Infektion medizinisch auszuschließen. Wenn etwa ein Patient mit akutem Schwächegefühl und Kreislaufschwierigkeiten in die Klinik kommt und gleichzeitig positiv getestet wird, ist nicht sofort erkennbar, ob die Infektion für die Krankheit ursächlich ist. Aufgrund der identischen gesteigerten Anforderungen an Hygiene und Isolationen ist es aus Krankenhaussicht allerdings unerheblich, ob ein Patient "mit" oder "wegen" Corona behandelt wird. 

Warum sind 5000 Corona-Intensivpatienten eine so große Herausforderung?
Auf Intensivstationen finden die kompliziertesten Behandlungen unter Beteiligung von hochqualifizierten Pflegekräften und Ärzten statt. Ein Intensivpfleger oder eine Intensivpflegerin benötigen fünf bis sechs Jahre, bis sie vollständig in der Intensivpflege eingesetzt werden. Auf Intensivbehandlungsplätzen wird in Extremsituationen um das Leben von Patienten gekämpft. Trotz dieser Komplexität verfügt kein anderes Land der Welt gemessen an der Einwohnerzahl über so viele Intensivkapazitäten wie Deutschland. Mit der Corona-Pandemie ist aber selbst diese hohe Zahl so belastet worden, wie noch nie zuvor. Das Virus ist höchst ansteckend und kann sehr schwere Verläufe zur Folge haben. Zudem liegen gerade in der aktuellen Welle Covid-Patienten weitaus länger auf der Intensivstation als durchschnittliche Patienten. Ein großes Problem ist der Mangel an Pflegekräften, vor allem Intensivpflegekräften. Während der Herbst- und Winterwelle 2021 hat sich ihre Zahl aus verschiedenen Gründen noch einmal verringert: Arbeitszeitverkürzung, vereinzelte Kündigungen, Pflegekräfte wechseln aufgrund der extremen Belastungen auf Normalstationen, Kinder müssen in Quarantäne, Reha aufgrund von Long Covid und vieles mehr. Die Pandemie belastet die Beschäftigten so stark, dass sich dadurch die Intensivkapazitäten noch einmal reduzieren. Trotzdem bleibt die Intensivbettendichte in Deutschland noch immer extrem hoch. Das ist auch der Grund, warum wir bislang alle Covid-Kranken behandeln konnten. 

Was hat es mit der Notfallreserve auf sich?
Das Divi-Intensivregister weist eine Intensivbettennotfallreserve aus. Betten darauf müssen (Stand Dezember 2021) bereits aktiviert werden. Wird sie vollständig aktiviert, heißt das, dass sämtliche planbare OPs verschoben müssen, um Personal für die Notfallreserve einsetzen zu können. Technisch betrachtet werden Normalstationen mit Beatmungsgeräten und Überwachungsstationen zu Intensivstationen umgerüstet. Bei der Notfallreserve handelt es sich vielfach um eine absolute Notfallversorgung, die große Einschränkungen und Anstrengungen mit sich bringt. 

Pandemie der Ungeimpften?
Die einst extreme Belastung auf den Intensivstationen lässt sich eindeutig auf die zu geringe Impfquote zurückführen. Die Mehrheit der ITS-Patienten ist ungeimpft, obwohl sie in der Gesamtbevölkerung nur eine Minderheit ausmachen. Überlastete Krankenhäuser und Verlegungen in andere Bundesländer und teilweise ins Ausland treten dort auf, wo die Impfquote besonders niedrig ist. Im September waren noch mehr als 90 Prozent der Covid-Intensivpatienten ungeimpft. Bis zum Ende des Jahres ist ihr Anteil auf etwa zwei Drittel gesunken. Die Krankenhäuser registrieren Impfdurchbrüche vor allem bei älteren Menschen, bei denen das Immunsystem nicht mehr so leistungsfähig ist. Trotzdem ist das Medianalter der Intensivpatienten von knapp 80 Jahren im Januar 2021 auf zeitweise Mitte 40 im Spätsommer 2021 gesunken. Das liegt an der hohen Impfquote in der älteren Bevölkerungsgruppe. Wir appellieren, unbedingt das Angebot der Auffrischungsimpfung wahrzunehmen. Die Daten zum Impfstatus veröffentlicht das Robert-Koch-Institut an jedem Donnerstagabend in seinem Wochenbericht.

Wir appellieren daher eindringlich: Lassen Sie sich impfen. Die  Überlastung der Krankenhäuser wäre mit einer annähernd vollständigen Impfquote eindeutig vermeidbar gewesen. Unter den Ungeimpften leiden nicht nur Covid-19-Patienten, sondern alle Menschen, die in diesen Monaten Hilfe im Krankenhaus benötigen. Die Impfstoffe sind sicher und milliardenfach verimpft. Wirkung und Nebenwirkung wird überwacht wie noch nie zuvor. Die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 schwer zu erkranken oder zu sterben, ist weitaus höher als Tod oder bleibende Schäden aus einer Impfung mitzunehmen.

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