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Stand: November 2021

Derzeitige Corona-Situation in den Krankenhäusern
Im Herbst sind die Krankenhauseinweisungen wieder rasant gestiegen. Von rund 1000 Covid-19-Patientinnen und -patienten auf Intensivstationen im September hat sich deren Zahl bis Ende November mehr als vervierfacht. Aufgrund der hohen Infektionszahlen rechnen wir sicher mit einer weiteren drastischen Erhöhung. Die Höhepunkte bei den intensivbehandelten Covid-Kranken der vergangenen Wellen lagen bei 2900 (Frühjahr 2020), 5800 (Anfang Januar 2021) und 5000 (Ende April 2021). Allerdings stellt sich die Situation heute anders dar, als 2020. Das Verhältnis von Infektionszahlen und Krankenhauseinweisungen ist aufgrund der Impfung ein weitaus Günstigeres. Insbesondere die hohe Impfquote in der älteren Bevölkerungen hat die Situation verringert. Allerdings ist auch die Zahl der betreibbaren Intensivbehandlungsplätze gesunken. Das hat mehrere Ursachen. Wir wissen, dass ein Teil der Pflegekräfte aufgrund der extremen Belastungen durch die Pandemie die Arbeitszeit verkürzt oder sogar gekündigt hat. Darüber hinaus sind immense Überstunden und Urlaubsansprüche angefallen. Außerdem verzeichnen wir extrem hohe Infektionsquoten bei Kindern, die dazu führen, dass auch viele Pflegekräfte - meistens weiblich - dem Arbeitsplatz fernbleiben müssen. Diese Reduktion von Behandlungsplätzen verschärft die Lage spürbar. 
Die extreme Belastung durch mehrheitlich ungeimpfte Covid-19-Patienten hat drastische Auswirkungen auf die Regelversorgung. Diese findet in den Krankenhäusern derzeit nur noch stark reduziert statt. Planbare Operationen müssen abgesagt werden, und Notfallpatienten müssen über häufig viel zu weite Strecken angefahren werden, da in vielen Krankenhäusern die Kapazitäten erschöpft sind. 

Pandemie der Ungeimpften
Die im Vergleich zu 2020 und den ersten Monaten 2021 gänzlich andere Situation ist eindeutig auf den Fortschritt der Impfung zurückzuführen. Im Laufe des Jahres 2021 hat sich der Anteil der Ungeimpften auf den Intensivstationen immer weiter verringert. Im September waren noch mehr als 90 Prozent der Covid-Intensivpatienten ungeimpft, bis Ende November ist der Anteil auf ca. 70 Prozent gesunken. Der Anteil der Ungeimpften ist damit noch immer überproportional, und es ist ganz eindeutig diese Gruppe, die das Gesundheitswesen unter Druck setzt. Allerdings registrieren die Krankenhäuser immer mehr Impfdurchbrüche bei älteren Menschen, bei denen das Immunsystem nicht mehr so leistungsfähig ist. Wir appellieren, unbedingt das Angebot der Auffrischungsimpfung wahrzunehmen. Die Daten zum Impfstatus veröffentlicht das Robert-Koch-Institut an jedem Donnerstagabend in seinem Wochenbericht.

Ein weiterer großer Unterschied zu 2020 ist die demografische Zusammensetzung der Intensivpatienten. Anfang 2021 lag das Medianalter noch bei fast 80 Jahren, es waren nur leicht mehr Männer als Frauen auf den Intensivstationen. Im September lag das Medianalter der Covid-Intensivpatienten bei unter 50 Jahren. Seitdem steigt es leicht an. Der durchschnittliche Covid-Intensivpatient ist derzeit ungeimpft, männlich und mittleren Alters. Impfdurchbrüche zeigen sich fast ausschließlich nur bei Älteren. Das Medianalter der ungeimpften Covid-19-Patienten wird nicht systematisch erfasst, Rückmeldungen aus Krankenhäusern lassen aber darauf schließen, dass es im Bereich zwischen 40 und 50 Jahren liegt. 

Wir appellieren daher eindringlich: Lassen Sie sich impfen. Die derzeitige Überlastung der Krankenhäuser wäre mit einer annähernd vollständigen Impfquote eindeutig vermeidbar. Unter den Ungeimpften leiden nicht nur Covid-19-Patienten, sondern alle Menschen, die in diesen Monaten Hilfe im Krankenhaus benötigen. Die Impfstoffe sind sicher, milliardenfach verimpft. Wirkung und Nebenwirkung wird überwacht wie noch nie zuvor. Die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 schwer zu erkranken oder zu sterben, ist weitaus höher als Tod oder bleibende Schäden aus einer Impfung mitzunehmen. 

Hintergründe
Die Krankenhäuser melden seit dem Frühjahr 2020 täglich ihre Belegungszahlen an die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Im DIVI-Intensivregister findet sich täglich ein frei zugänglicher Bericht  über die aktuellen Kapazitäten in den Krankenhäusern.

Im November 2020 verzeichneten die Krankenhäuser regionale Engpässe im Intensivbereich. In der Folge mussten Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden. Um mehr Kapazitäten freihalten zu können, haben die Krankenhäuser die Regelversorgung nach Bedarf heruntergefahren. Das betraf ausschließlich planbare Behandlungen, bei deren Verschiebung keinerlei gesundheitliche Schäden oder gar Lebensgefahr drohen. Damit sollten Kapazitäten vor allem beim Personal geschaffen werden. Die DKG hat dazu ein Konzept zur Balance zwischen Covid-19-Bereitschaftsdienst und Regelversorgung vorgelegt. 

Ganz wichtig ist aber vor allen Dingen, dass Menschen nicht aus Angst vor Corona die Notaufnahmen meiden. Dazu gibt es keinen Grund. Der Infektionsschutz in den Krankenhäusern ist gewährleistet, und jeder, der ein Problem hat, sollte unbedingt auch ein Krankenhaus aufsuchen. 

Kapazitäten 
Vor der Corona-Krise gab es in Deutschland bundesweit rund 28.000 Intensivbetten, davon 22.000 mit Beatmungsmöglichkeit. Diese waren durchschnittlich zu 70 bis 80 Prozent belegt. Bundesweit wurden in einer gemeinsamen Kraftanstrengung die Kapazitäten ausgebaut. Zusätzlich haben alle Krankenhäuser, unterstützt durch zentrale Maßnahmen des Bundesministeriums für Gesundheit,  weitere Beatmungsplätze geschaffen. Die Zahl der betreibbaren für Covid-19-Patienten geeigneten Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit konnte so auf mehr als 28.000 gesteigert werden. Zusätzlich steht eine Reserve bereit, die innerhalb einer Woche aktiviert werden kann. Diese Reserve schwankt je nach Personalsituation zwischen 10.000 und 12.000 Betten. Sie wird erst durch weiteres Rückfahren der Regelversorgung und weitere Maßnahmen verfügbar. 

Warum schwankt die Gesamtkapazität der Intensivbetten? 
Die Zahl der zur Verfügung stehenden Intensivbetten ist vor allem von den Personalkapazitäten abhängig. Mit der Wiedereinführung der Pflegepersonaluntergrenzen und deren Verschärfung im Sommer 2020 bzw. zum Jahreswechsel ist die Gesamtzahl der Intensivbetten spürbar gesunken. Hinzu kommt der weitaus größere Pflegebedarf von Covid-Erkrankten, der zusätzlich Personal bindet und viele Krankenhäuser dazu zwingt, Intensivkapazitäten abzumelden. Dass die Gesamtzahl zwischen den Wellen nicht wesentlich steigt, liegt z.B. daran, dass Krankenhäuser verschobene OPs nachholen, dass Beschäftigte lang aufgeschobenen Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen.

Intensivregister 
Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), das Robert Koch-Institut (RKI) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) haben gemeinsam das DIVI-Intensivregister aufgebaut. Eine Website, über die freie Beatmungsplätze in allen Kliniken Deutschlands registriert und abgefragt werden können. Über die Online-Plattform können Intensivmediziner aller Kliniken in Deutschland unkompliziert Kapazitäten abfragen. Das Register setzt darauf, dass alle Krankenhäuser tagesaktuell ihre Daten in einem geschlossenen Bereich der Datenbank selbstständig einpflegen, um auf dieser Basis eine regionale Koordination der intensivstationären Betten und damit eine optimale Versorgung der Covid-19-Patienten sicherzustellen. So können im Extremfall Patienten einer Beatmung zugeführt werden, unabhängig von der Kapazität im direkten Umfeld. Das Register finden Sie hier.

Kapazitätsangaben von DIVI und DKG ergänzen sich: Die Angaben der DKG, wonach die ehemals 28.000 Intensivbehandlungsbetten auf zwischenzeitlich rund 40.000 erweitert und die ehemals 20.000 Beatmungsplätze auf 30.000 gesteigert wurden, bezieht eine Vielzahl an Rückmeldungen ein, die über die Meldungen des DIVI-Registers hinausgehen. Das Register orientiert sich schwerpunktmäßig auf die Krankenhäuser, die bereits vor der Coronakrise über etablierte und im den Krankenhausplänen der Länder definierte Intensivstationen verfügt haben. Das Register erfasst deshalb die neu aufgebauten „Reservekapazitäten“ nicht. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um in Covid-19-Stationen umgewandelte Aufwachräume, die zusätzlich mit Beatmungsgeräten ausgestattet wurden. Auch hier werden Covid-19-Patienten intensivmedizinisch versorgt und beatmet. 

Finanzierung 
Für die erste Phase der Pandemie bis Ende September 2020 hat der Gesetzgeber einen finanziellen Rettungsschirm als Instrument zur wirtschaftlichen Stabilität der Krankenhäuser implementiert. Dieser soll durch einen Beirat aus Kassen und Krankenhausvertretern fortlaufend überprüft werden. 

Am 18. November 2020 haben Bundestag und Bundesrat mit dem Bevölkerungsschutzgesetz für einen "Rettungsschirm 2.0" gesorgt. Dieser sieht nun wieder gestaffelte Freihaltepauschalen vor, die den Krankenhäusern eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit gewähren, wenn sie nicht akut notwendige Operationen verschieben, um Kapazitäten für COVID-19-Patientinnen und -Patienten freizuhalten. Weiterhin ist ein Ganzjahresausgleich vorgesehen, der Krankenhäusern Mindererlöse erstattet - auf Basis der Vorjahreseinnahmen. Die DKG begrüßt diese Regelungen zum Teil, hat aber auch einige Kritikpunkte an der Ausgestaltung geäußert.

Aus Sicht der DKG ist es wichtig, dass die Finanzierung der Krankenhäuser mittelfristig auf die abgestimmte Balance zwischen Bereitschaft und Versorgung angepasst wird. Das bisherige Finanzierungssystem muss überprüft werden. Die Krankenpflege ist bereits aus gutem Grund nicht mehr den üblichen Fallpauschalen unterworfen. Nun stellt sich die Frage, ob man nicht generell zu einem Jahresbudget unabhängig von der Zahl der Patienten und Behandlungen zurückkehren sollte - zumindest bei den Häusern der Grundversorgung. Es gibt in den Kliniken viele Bereiche mit hohen Vorhaltekosten, die sich nicht dauerhaft über das DRG-System finanzieren lassen. 

Für die DKG steht fest, dass Krankenhäuser auch zukünftig Reserven benötigen und auf höchste Belastungen vorbereitet sein müssen. 

Pressemitteilungen der DKG finden Sie hier
 

 

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