Brodalumab (Kyntheum®) ist angezeigt für die Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis bei erwachsenen Patienten, für die eine systemische Therapie in Frage kommt. Für Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die für eine systemische Therapie in Frage kommen („Erstlinie“) liegen keine geeigneten Daten vor. Ein adjustierter indirekter Vergleich mit einer Studie zu Fumarsäureeestern konnte wegen der zu kurzen Studiendauer nicht herangezogen werden. Ein Zusatznutzen ist daher nicht belegt. Für Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die auf andere systemische Therapien nur unzureichend angesprochen haben oder bei denen eine Kontraindikation oder Unverträglichkeit gegenüber solchen Therapien vorliegt („Zweitlinie“), liegt ein Hinweis auf einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen vor. In den Studien AMAGINE 2 und AMAGINE 3 wurde Brodalumab jeweils mit Ustekinumab verglichen. Hier zeigten sich bei der Morbidität, d. h. den PASI-Scores 75°%, 90°% und 100°% statistisch signifikante Vorteile zugunsten von Brodalumab gegenüber Ustekinumab. Auch bei der Lebensqualität war ein Vorteil zu erkennen. Bei den Nebenwirkungen ergaben sich weder Vor- noch Nachteile für Brodalumab. Limitierend für die Bewertung der Studien war, dass alle Patienten, die bis zu Woche 16 nicht angesprochen hatten, in beiden Armen vom pharmazeutischen Unternehmer (pU) als komplette Non-Responder gewertet wurden. Dies stand im Gegensatz zu der auf 52 Wochen angelegten Studiendauer und erschwerte die Auswertung, da nicht ganz klar war, wir viele Patienten hiervon betroffen waren. Sensitivitätsanalysen zeigten einen geringeren Nutzen als vom pU dargelegt. Daher konnte das Ausmaß des Zusatznutzens nicht weiter quantifiziert werden. Die Jahrestherapiekosten betragen ca. 22.800 Euro, die Patientenzahlen liegen für die Erstlinie bei etwa 19.800 – 137.300, für die Zweitlinie bei etwa 32.400 – 97.100.

Ribociclib (Kisqali®) wird in Kombination mit einem Aromatasehemmer zur Behandlung von postmenopausalen Frauen mit einem Hormonrezeptor(HR)-positiven, humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor-2(HER2)-negativen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom als initiale endokrin-basierte Therapie angewendet. Ein Zusatznutzen ist für das Arzneimittel nicht belegt. In der doppelblinden randomisierten kontrollierten Studie MONALEESA-2 wurde Ribociclib in Kombination mit Letrozol gegenüber Placebo in Kombination Letrozol verglichen. Für das Gesamtüberleben zeigte sich in der Studie kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen (HR: 0,75 [0,52; 1,08]; p = 0,118). Das mediane Überleben wurde aufgrund der relativ geringen Anzahl an Ereignissen (116 Todesfälle) noch nicht erreicht, die finale Analyse zum Endpunkt Gesamtüberleben steht aus. Für das progressionsfreie Überleben (PFS) zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil, (HR: 0,57 [0,46; 0,70]; p < 0,001). Das PFS war unter Ribociclib in Kombination mit Letrozol gegenüber der Monotherapie mit Letrozol um 9,3 Monate verlängert. Der Stellenwert des PFS wird im G-BA von den Bänken unterschiedlich bewertet. Vorteile bei der Krankheitssymptomatik und bei der Lebensqualität zeigten sich nicht. Bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUE) zeigte sich ein statistisch signifikanter Effekt zuungunsten von Ribociclib (HR: 1,65 [1,17; 2,34]; p = 0,004), ebenso bei den schweren UE vom CTCAE-Grad 3 oder 4. Diese traten unter Ribociclib deutlich früher und in höherer Zahl auf (86,2 % versus 37,3 %), als im Kontrollarm. Myelosuppression sowie Leberenzymerhöhungen waren dabei von besonderer Relevanz. Im Interventionsarm brachen 16,8 % der Patientinnen, im Kontrollarm 3,9 % der Patientinnen die komplette oder einen Teil der Studienmedikation aufgrund von unerwünschten Ereignissen ab. Zusammengefasst geht aus den vorliegenden Daten nicht hervor, dass die unter Ribociclib statistisch signifikant verlängerte Zeit des progressionsfreien Überlebens mit einer Verbesserung der Morbidität oder gesundheitsbezogenen Lebensqualität verbunden ist oder dass das verlängerte PFS mit einer Verlängerung des Überlebens verbunden ist. Die Patientenzahlen liegen bei ca. 7.180 – 34.790, die Jahrestherapiekosten bei ca. 66.000 Euro.

Atezolizumab (Tecentriq®) wird als Monotherapie angewendet bei erwachsenen Patienten zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) nach vorheriger Chemotherapie. Patienten mit aktivierenden EGFR-Mutationen oder ALK-positiven Tumormutationen sollten vor der Therapie mit Tecentriq bereits eine auf diese Mutationen zielgerichtete Therapie erhalten haben. Es besteht ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen für die Patientengruppe a), d. h. für Patienten für die eine Therapie mit Docetaxel, Pemetrexed, Nivolumab oder Pembrolizumab nach vorheriger Chemotherapie angezeigt ist. Für Atezolizumab zeigte sich in der OAK-Studie gegenüber einer Chemotherapie mit Docetaxel eine Überlebensvorteil von 3,5 Monaten (13,3 vs. 9,8 Monate) für die Gesamtpopulation. Bei der Betrachtung von Subgruppen, die nach dem Expressionsstatus des Tumormarkers PD-L1 aufgeteilt sind, zeigt sich, dass diejenigen Patienten, die eine hohe Expression in den Tumorzellen oder in den Immunzellen aufweise, stärker profitieren (Überlebensvorteil 10,8 Monate) als die Patienten mit einem niedrigen Expressionsstatus. Bei letzteren ist kein statistisch signifikanter Vorteil mehr zu sehen. Aus Sicht der GKV hätte deshalb eine getrennte Bewertung der Subgruppen erfolgen sollen. Die in der Studie gewählte Operationalisierung der Tumorexpression ist im deutschen Versorgungskontext jedoch nicht etabliert. Hier erfolgt bislang lediglich die Untersuchung der Tumorzellen und auch diese Ergebnisse sind in ihrem prädiktiven Wert noch in der Diskussion. Für Patientengruppe b) d. h. für Patienten für die eine Therapie mit den o. g. Wirkstoffen nach vorheriger Chemotherapie nicht angezeigt ist, ist der Zusatznutzen nicht belegt, da keine Daten vorliegen. Die Patientenzahlen liegen für Gruppe a) bei ca. 5.900 – 15.400, für Gruppe b) bei ca. 12.900 – 19.200, die Jahrestherapiekosten bei ca. 102.000 Euro.

Atezolizumab (Tecentriq®) wird als Monotherapie angewendet bei erwachsenen Patienten zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinoms (UC) nach vorheriger platinhaltiger Chemotherapie oder bei erwachsenen Patienten, die für eine Behandlung mit Cisplatin als ungeeignet angesehen werden. Für Patientengruppe a) d. h. Patienten in der Erstlinie, die nicht für eine Cisplatin-basierte Therapie geeignet sind, liegen keine Daten vor, die eine Bewertung des ist der Zusatznutzen ermöglichen. Dieser ist daher nicht belegt. Vorgelegt wurden Ergebnisse aus einarmigen Studien. Die nicht adjustierten Vergleiche mit einzelnen Armen aus anderen Studien stellen keinen adäquaten Vergleich dar. Auch von den Stellungnehmern wurde die Vorlage vergleichender randomisierter Studien in dieser Therapiesituation als notwendig und realisierbar eingeschätzt.

Für Patientengruppe b) d. h. Patienten mit vorheriger Platin-basierter Therapie liegt ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen vor. Hier liegen Daten aus der IMVigor-Studie im Vergleich zu einer Chemotherapie mit Vinflunin vor. Ein statistisch signifikanter Vorteil beim Gesamtüberleben zeigte sich nicht, es gab jedoch insgesamt einen Vorteil bei den Nebenwirkungen, der in der Vermeidung klassisch mit einer Chemotherapie-assoziierter zytotoxischer Nebenwirkungen zu sehen ist. Patientenzahlen, Gruppe a) ca. 800 bis 1.400, Gruppe b) ca. 1.500 bis 1.900, Jahrestherapiekosten: ca. 102.000 Euro.

Pembrolizumab (Keytruda®) ist als Monotherapie zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierenden Urothelkarzinoms bei Erwachsenen, die nicht für eine Cisplatin-basierte Therapie geeignet sind, angezeigt (Patientengruppe a). Pembrolizumab (Keytruda®) ist als Monotherapie zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierenden Urothelkarzinoms nach vorheriger Platin-basierter Therapie bei Erwachsenen angezeigt. (Patientengruppe b).

Für Patientengruppe a) ist der Zusatznutzen nicht belegt, für Patientengruppe b) besteht ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen. Für Patientengruppe a) liegt lediglich eine einarmige unkontrollierte Studie vor, die keine Bewertung gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie ermöglicht. Für Patientengruppe b) liegen Daten aus der Studie KEYNOTE 045 vor. Die mediane Überlebenszeit in der Pembrolizumab-Gruppe betrug 10,8 Monate gegenüber 7,4 Monaten in der Vinflunin-Gruppe (Hazard-Ratio 0,60 [0,41; 0,87], p = 0,008). Auch bei der krankheitsbedingten Symptomatik und bei den Nebenwirkungen zeigten sich Vorteile für Pembrolizumab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Vinflunin. Die Patientenzahlen liegen für die Gruppe a) bei ca. 800 bis 1.400, für die Gruppe b) bei ca. 1.500 bis 1.900, die Jahrestherapiekosten betragen ca. 105.000 Euro.

Avelumab (Bavencio®) wird als Monotherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit metastasiertem Merkelzellkarzinom (MCC) angewendet. Es liegt für die beiden betrachteten Patientengruppen ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen vor. Bei Avelumab handelt es sich um eine Orphan Drug-Zulassung, der Zusatznutzen ist gesetzlich fixiert, der G-BA legt nur dessen Ausmaß fest. Aufgrund des einarmigen Studiendesigns sowie der nicht geeigneten historischen Kontrolle war eine vergleichende Bewertung der Studienergebnisse nicht möglich. Es wurden Vergleiche mit historischen Daten aus einem deutschen und einem US-amerikanischen Register vorgelegt, die sich jedoch selbst schon sehr stark unterschieden. In den Zulassungsstudien JAVELIN, Teil A (Patienten nach mindestens einer Chemotherapie) und B (ohne Vorbehandlung mit Chemotherapie) zeigte sich bei bis zu 50 % der Patienten ein objektives Tumoransprechen. Die vorgelegten Daten zur Symptomatik und zur Lebensqualität waren nicht geeignet, um Aussagen daraus abzuleiten. Auch wurden vom pharmazeutischen Unternehmer keine Angaben bezüglich der Charakteristika der zu Studienbeginn vorliegenden Hautläsionen (z. B. Lokalisation, Ausmaß der Läsion, Ulzerationsgrad) und zu deren Veränderungen unter der Therapie mit Avelumab gemacht, die möglicherweise für eine Quantifizierung des Zusatznutzens geeignet gewesen wären. Die Patientenzahlen liegen insgesamt bei ca. 160 – 430, die Jahrestherapiekosten: ca. 114.000 Euro.

Elosulfase alfa (Vimizim®) ist zur Behandlung der Mucopolysaccharidose vom Typ IVA (Morquio A Syndrom, MPS IVA) bei Patienten aller Altersklassen indiziert. Es liegt ein geringer Zusatznutzen vor. Es handelt sich um die erneute Bewertung eines Beschlusses zu einem Orphan Drug. Vom pharmazeutischen Unternehmer wurden neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus einer unkontrollierten Verlängerungsstudie über bis zu 240 Wochen eingereicht. Wesentliche neue Schlüsse gegenüber der Erstbewertung konnten daraus nicht abgeleitet werden, da die Qualität der Daten dies nicht zuließ. Die Bewertung beruht im Wesentlichen auf der doppelblinden Studienphase über 24 Wochen und kommt demnach zum gleichen Ergebnis wie der Erstbeschluss. Patientenzahlen: ca. 20 bis 100, Jahrestherapiekosten: ca. 498.000 Euro.

Darunavir/Cobicistat/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid (Symtuza®) ist zur Therapie einer Infektion mit dem humanen Immundefizienzvirus Typ 1 (HIV-1) bei Erwachsenen und Jugendlichen (ab 12 Jahren und mit einem Körpergewicht von mindestens 40 kg) zugelassen. Ein Zusatznutzen ist für keine der betrachteten Patientengruppen belegt. Die Patientengruppen werden nach Alter und Vortherapie in vier Gruppen unterteilt, Daten lagen nur für Gruppe c) d. h. therapieerfahrene Erwachsene vor. Hier zeigten sich in der Studie gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie weder relevante Vor- noch Nachteile.

Patientenzahlen: Therapienaive Erwachsene ca. 11.700; b) Therapienaive Jugendliche ab 12 Jahren ca. 20; c) Therapieerfahrene Erwachsene ca. 50.200; d) Therapieerfahrene Jugendliche ab 12 Jahren ca. 130, Jahrestherapiekosten: ca. 15.400 Euro.

Dimethylfumarat (Skilarence®) wird angewendet zur Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis vulgaris, die eine systemische Arzneimitteltherapie benötigen. Ein Zusatznutzen ist nicht belegt, es wurden keine relevanten Daten vorgelegt. Patientenzahlen insgesamt: ca. 53.000 bis 234.000 Jahrestherapiekosten: ca. 980 bis 5.870 Euro.

Obinutuzumab (Gazyvaro®) in Kombination mit Chemotherapie, gefolgt von einer Erhaltungstherapie mit Obinutuzumab bei Patienten mit einem Therapieansprechen wird angewendet bei Patienten mit nicht vorbehandeltem fortgeschrittenem follikulärem Lymphom. Es liegt ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen vor. Obinutuzumab ist als Orphan Drug zugelassen, ein Zusatznutzen ist daher gesetzlich fixiert. Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigen die Ergebnisse keine statistisch signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens in der Interventionsgruppe. Bezüglich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigen sich keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen der Interventionsgruppe und der Kontrollgruppe. Die Gesamtbetrachtung der Nebenwirkungen (UE) zeigt einen Nachteil für Obinutuzumab. Die Nachteile zuungunsten der Intervention überwiegen bei den schweren UE des NCI-CTCAE-Grades ≥ 3, den SUE und den UE von besonderem Interesse. Die Patientenzahlen liegen bei ca. 1.300 bis 1.500, die Jahrestherapiekosten abhängig vom Behandlungszyklus bis ca. 49.000 Euro.

Cabozantinib (Cabometyx®) ist indiziert für die Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms bei Erwachsenen nach vorangegangener zielgerichteter Therapie gegen VEGF (vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor). Es liegt ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen vor. Für die erneute Nutzenbewertung aufgrund eines befristeten Beschlusses zu Cabozantinib liegen aus der Studie METEOR Ergebnisse gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Everolimus vor. Die Ergebnisse zum Gesamtüberleben zeigen, dass durch eine Behandlung mit Cabozantinib im Vergleich zu Everolimus eine Verlängerung des Gesamtüberlebens erzielt wird, die als eine Verbesserung mit einem beträchtlichen Ausmaß bewertet wird. Zudem zeigen sich für die Behandlung mit Cabozantinib positive Effekte auf die krankheitsspezifische Symptomatik. Zur Bewertung der Lebensqualität liegen keine validen Daten vor. In Bezug auf Nebenwirkungen zeigt Cabozantinib Nachteile im Vergleich zu Everolimus, insbesondere durch eine Zunahme von schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad 3 - 4). Die Daten zu spezifischen Nebenwirkungen weisen sowohl Vor- als auch Nachteile auf. In der Gesamtbetrachtung stehen positive Effekte beim Gesamtüberleben und der Symptomatik überwiegend negativen Effekten bei den Nebenwirkungen gegenüber. Bei der Einstufung des Ausmaßes des Zusatznutzens als gering handelte es sich daher um eine Abwägungsentscheidung. Die Patientenzahlen liegen bei ca. 1.200 bis 3.300, die Jahrestherapiekosten betragen bis ca. 71.000 Euro.

Midostaurin (Rydapt®) wird angewendet bei Erwachsenen mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie (AML), die eine FLT3-Mutation aufweisen, in Kombination mit einer Standard-Chemotherapie mit Daunorubicin und Cytarabin zur Induktion und mit einer Hochdosis-Chemotherapie mit Cytarabin zur Konsolidierung und anschließend als Monotherapie zur Erhaltungstherapie bei Patienten in kompletter Remission. Es liegt ein beträchtlicher Zusatznutzen vor. Midostaurin ist als Orphan Drug zugelassen. Für die Nutzenbewertung liegen Ergebnisse aus der RATIFY-Studie vor. Die zusätzliche Behandlung mit Midostaurin führte im Vergleich zur alleinigen Hochdosischemotherapie zu einem statistisch signifikanten Vorteil im Gesamtüberleben und der 5-Jahres-Überlebensrate, was als eine moderate Verlängerung der Lebensdauer gewertet wird. Bezüglich des krankheitsfreien Überlebens (DFS) zeigt sich ein Vorteil von Midostaurin im Vergleich zu Placebo. Daten zur Bewertung des Einflusses von Midostaurin auf die krankheitsspezifische Symptomatik und die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurden nicht erhoben. Bezüglich der Nebenwirkungen zeigte sich unter der Behandlung mit Midostaurin bei einzelnen schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad 3 - 4) ein erhöhtes Auftreten. Die erhöht auftretenden unerwünschten Ereignisse vom CTCAE-Grad 3 - 4 und einer Häufigkeit von > 10 % sind für die Patienten bedeutend, wurden aber als kontrollierbar und behandelbar eingestuft. Die Patientenzahlen liegen bei etwa 380 bis 510, die Jahrestherapiekosten abhängig vom Behandlungszyklus bis ca. 215.000 Euro.

Midostaurin (Rydapt®) wird angewendet als Monotherapie zur Behandlung erwachsener Patienten mit aggressiver systemischer Mastozytose (ASM), systemischer Mastozytose mit assoziierter hämatologischer Neoplasie (SM-AHN) oder Mastzellleukämie (MCL). Es liegt ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen vor. Auch bei dieser Indikation handelt es sich um eine Orphan Drug-Zulassung. Für die Bewertung des Zusatznutzens von Midostaurin liegen Ergebnisse aus den einarmigen Zulassungsstudien zur Mortalität, Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen vor. Aufgrund des einarmigen Studiendesigns sind keine vergleichenden Aussagen zu den Therapieeffekten von Midostaurin möglich. Die klinische Relevanz der Ergebnisse bleibt unter Berücksichtigung der potentiellen Verzerrung der Ergebnisse, der fehlenden Daten für einen großen Teil der Patienten und des Anstiegs der Häufigkeit für zahlreiche Symptome zu Zyklus 24 unklar. Auch für die Auswertung der Fragebögen zur Symptomatik und gesundheitsbezogenen Lebensqualität im Vergleich zur Baseline können aufgrund der nur geringen Veränderungen und fehlender klinischer Relevanzschwellen keine validen Aussagen getroffen werden. Auf Basis dieser wenig aussagekräftigen Evidenzgrundlage sind eine valide Bewertung der Ergebnisse und damit eine Quantifizierung des Zusatznutzens nicht möglich. Die Patientenzahlen liegen ca. 20 bis 200, die Jahrestherapiekosten betragen bis ca. 530.000 Euro.

Telotristatethyl (Xermelo®) ist indiziert zur Behandlung der Karzinoid-Syndrom-bedingten Diarrhö in Kombination mit einer Somatostatin-Analogon (SSA)-Therapie bei Erwachsenen mit unzureichender Kontrolle unter SSA-Therapie. Es liegt ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen vor. Telotristatethyl ist als Orphan Drug zugelassen. Für die Nutzenbewertung von Telotristatethyl liegen Ergebnisse aus der Studie TELESTAR vor. Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Daten zeigen in der Endpunktkategorie Morbidität in Bezug auf die Veränderung der Stuhlfrequenz einen statistisch signifikanten Vorteil für Telotristatethyl sowie eine Verbesserung in der Domäne „Diarrhö“. In der Endpunktkategorie Morbidität steht dem eine Verschlechterung in der Domäne „Schlaflosigkeit“ gegenüber. Auch in der Endpunktkategorie Lebensqualität zeigt sich in der Domäne „Krankheitsbedingte Sorgen“ ein Nachteil für Telotristatethyl. Insgesamt ermöglichen die vorliegenden Ergebnisse aufgrund der unklaren klinischen Relevanz der Ergebnisse und der nicht möglichen Abwägung von positiven und negativen Effekten von Telotristatethyl keine Quantifizierung des Zusatznutzens. Die Patientenzahlen liegen bei etwa 300 bis 1.000, die Jahrestherapiekosten bei bis zu ca. 61.000 Euro.

Sofosbuvir (Sovaldi) wird in Kombination mit anderen Arzneimitteln zur Behandlung der chronischen Hepatitis C (CHC) bei Erwachsenen und bei Jugendlichen im Alter von 12 bis < 18 Jahren angewendet. Es liegt ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen vor. Die Beschlussfassung setzt eine Erweiterung des Anwendungsgebietes von Sofosbuvir (Sovaldi®) in Kombination mit anderen Arzneimitteln zur Behandlung der chronischen Hepatitis C (CHC) bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis < 18 Jahren um. Der G-BA betrachtet therapienaive Patienten mit Genotyp 2 oder 3 (Patientengruppe a) und therapieerfahrene Patienten mit Genotyp 2 oder 3 (Patientengruppe b). Für beide Patientengruppen liegen Ergebnisse aus offenen, einarmigen Studien vor. Die Ergebnisse der Studie mit therapienaiven Patienten zeigten keine relevanten Vorteile hinsichtlich des dauerhaften virologischen Ansprechens (SVR12), jedoch ergaben sich Vorteile für den Endpunkt unerwünschte Ereignisse, der auf Vermeidung von Nebenwirkungen der zweckmäßigen Vergleichstherapie (Ribavirin plus Peginterferon alfa) beruht. Für die Gruppe der therapieerfahrenen Patienten B ließen sich aus den Ergebnissen der einarmigen Studie Vorteile gegenüber der zVT Best Supportive Care hinsichtlich des dauerhaften virologischen Ansprechens (SVR12) ableiten. Eine Quantifizierung des Ausmaßes des Zusatznutzens ist bei beiden Gruppen aufgrund des einarmigen Studiendesigns nicht möglich. Die Patientenzahlen liegen bei ca. 1.000 (Patientengruppe A); bzw. bei ca. 25 (Patientengruppe B), die Jahrestherapiekosten in Abhängigkeit abhängig vom Behandlungszyklus bei bis zu ca. 98.000 Euro.

Tivizanib (Fotivda®) dient als Erstlinientherapie bei erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom (NZK) sowie als Therapie bei erwachsenen Patienten, die noch nicht mit VEGFR- und mTOR-Signalweginhibitoren behandelt wurden und bei denen es nach einer vorherigen Cytokin-Therapie für fortgeschrittene NZK zur Krankheitsprogression kam. Ein Zusatznutzen wurde für keine der betrachteten Patientengruppen belegt. Die Aufteilung der Patientengruppen und die Festlegung der jeweiligen zweckmäßigen Vergleichstherapie (zVT) erfolgte gemäß einer ggf. stattgefundenen Vortherapie, bzw. der Einschätzung der Prognose. Für die Patientengruppe a) (Patienten, mit günstiger oder intermediärer Prognose) lagen keine direkt vergleichenden Studien zur zVT (Pazopanib oder Sunitinib) vor. Ein vorgelegter indirekter Vergleich war aus methodischen Gründen nicht geeignet um Aussagen zu Zusatznutzen zu treffen. Für Patientengruppe b) (Patienten, mit ungünstiger Prognose) lagen keine Daten vor. Für die Patientengruppe c) (Patienten nach einer vorherigen Zytokin-Therapie, die noch nicht mit VEGFR- oder mTOR-Signalweginhibitoren behandelt wurden) lagen Daten aus einer Teilpopulation der TIVO-1 Studie vor. Hier zeigten sich bei den Daten zur Gesamtmortalität, zur Symptomatik, zum Gesundheitszustand, zur Lebensqualität und zu den Nebenwirkungen weder vorteilhafte noch nachteilige Effekte für Tivozanib gegenüber Sorafenib. Die Patientenzahlen liegen in der Patientengruppe a) bei ca. 2.650 – 5.690, in der Patientengruppe b) bei ca. 300 – 1.430 und in der Patientengruppe c) bei ca. 3 - 6. Die Jahrestherapiekosten betragen etwa 55.600 Euro.

Nonacog beta pegol (Refixia®) ist indiziert zur Behandlung und Prophylaxe von Blutungen bei Patienten im Alter von 12 Jahren und älter mit Hämophilie B (angeborener Faktor-IX-Mangel). Ein Zusatznutzen ist nicht belegt. Es handelt sich um ein Präparat zur Behandlung von Faktor IX-Mangel, das aufgrund der Pegylierung, eine verlängerte Wirkdauer hat. Potenzielle Vorteile die sich hieraus ergeben könnten, wurden mangels geeigneter Daten nicht nachgewiesen. Bei den im Dossier dargestellten Zulassungsstudien handelt es sich um offene, multizentrische, unkontrollierte Studien zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Nonacog beta pegol bei vorbehandelten männlichen Patienten im Alter von 13 bis 70 Jahren. Die Patienten wurden entweder mit einer prophylaktischen oder einer Bedarfsbehandlung, jeweils mit Nonacog beta pegol, zugeordnet. Da in beiden Studien alle Patienten mit Nonacog beta pegol behandelt wurden und ein Kontrollarm fehlt, sind vergleichende Daten für die Nutzenbewertung nicht verfügbar. Die Patientenzahlen liegen bei etwa 500 – 570, die Jahrestherapiekosten bei 425.425 Euro bis 595.595 Euro.

Weiterhin wurde vom G-BA ein Beschluss zur Änderung der Anlage VI der Arzneimittel-Richtlinie (Off-Label-Use) zur Anwendung von Docetaxel bei hormon-sensitivem Prostatakarzinom mit Fernmetastasen (M1) getroffen, eine Aufnahme in Teil A (verordnungsfähige OLU-Arzneimittel) soll erfolgen. Der Auftrag zur Bewertung von Docetaxel wurde im letzten Jahr vom G-BA Auftrag an die Expertengruppe des BfArM erteilt. Die Bewertung ergab, dass die Gabe einer frühen Chemotherapie mit Docetaxel zusammen mit der Androgendeprivationstherapie einen Überlebensvorteil beim metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom (M1) zeigt. Der vorliegende Beschlussentwurf stellt die Umsetzung dieser positiven Bewertung durch den G-BA dar. Nach erfolgter Nichtbeanstandung durch das BMG und Veröffentlichung im Bundesanzeiger kann das Arzneimittel in dieser Indikation zu Lasten der gesetzlichen Krankenkasse verordnet werden.

Weitere Informationen, auch zu den Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung, sind den beigefügten Beschlüssen zu entnehmen. Zusätzliche Dokumente, insbesondere die Tragenden Gründe und die vorausgegangenen IQWiG-Berichte, können auf der Internetseite des G-BA (https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/) abgerufen werden.