Im Rahmen des vom Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS), dem Ärztlichen Zent-rum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), dem Deutschen Pflegerat (DPR) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft etablierten bundesweiten Fehlermeldesystems „Krankenhaus-CIRS-Netz Deutschland“ (www.kh-cirs.de) können Berichte über sicherheitsrelevante Ereignisse im Krankenhaus eingegeben werden, die dem überregionalen, interprofessionellen und interdisziplinären Lernen dienen. Die Berichte werden nach Eingabe zunächst anonymisiert, klassifiziert und erhalten bei überregionaler Relevanz einen Fachkommentar. Hierfür steht ein Fachbeirat aus Vertretern von Fachgesellschaften, Berufsverbänden und weiteren Institutionen zur Verfügung. Diesen Monat veröffentlicht das Krankenhaus-CIRS-Netz Deutschland die 1.000ste CIRS-Meldung in ihrer online-Datenbank, der auch Fall-des-Monats Oktober 2018 wird.

Im „Fall des Monats Oktober 2018“ geht es darum, dass ein Patient zu seiner geplanten Operation in den OP-Trakt eingeschleust wurde. Es gab keine Seitenmarkierung beim Patienten, die auf die zu operierenden Seite hinweisen könnte. Zudem fiel auf, dass die präoperative Checkliste auf Station nicht ausgefüllt wurde. Zunächst wurde die Blutsperre erst an der falschen Seite angelegt, aber zum Glück fiel dies dem OP-Personal umgehend auf, da diese Information nach dem Einschleusen mündlich weitergegeben wurde. Nur dadurch konnte eine Seitenverwechslung beim Patienten verhindert werden.

Die 1.000ste CIRS-Meldung aus dem Krankenhaus-CIRS-Netz Deutschland 2.0 ist ein klassischer CIRS-Fall aus der Chirurgie. Der / die Meldende beschreibt gleich zwei Probleme im perioperativen Umfeld: Erstens wurde die präoperative Checkliste auf der Station nicht ausgefüllt und zweitens gab es keine Seitenmarkierung am Patienten als Hinweis auf die zu operierende Seite. Offensichtlich besteht trotz zunehmender Akzeptanz beim Einsatz von OP-Checklisten in Krankenhäusern doch noch das Risiko einer Seitenverwechslung als vermeidbares kritisches Ereignis. Daher sei noch einmal auf die drei wesentlichen Prozessschritte hingewiesen, die der Vermeidung von Operationen an der falschen Körperstelle, der Durchführung falscher Eingriffe oder Operationen an der falschen Person dienen: Der präoperative Verifikationsprozess, die Markierung des Eingriffsortes und das „Team-time-out“ unmittelbar vor Beginn des Eingriffs. Die Nutzung von OP-Checklisten soll in das Gesamtkonzept des einrichtungsinternen Qualitätsmanagements eingebunden werden, was auch wiederholte Schulungen zum Thema beinhaltet. Gemäß der neuen sektorenübergreifenden QM-RL gehören Checklisten zu den wichtigsten Instrumenten im klinischen Risikomanagement. Als ein „Handwerkszeug“ im praktischen Arbeitsalltag hilft es, Prozesse zu strukturieren und komplexe Arbeitsabläufe zu standardisieren. In diesem Zusammenhang bitten wir um Berücksichtigung des dem CIRS-Fall angefügten, sehr detaillierten Fachkommentars aus der DGCH (Deutsche Gesellschaft für Chirurgie), in dem die Problematik analysiert und Lösungswege für Krankenhäuser aufzeigt werden, die ganz leicht umzusetzen sind.

Der beschriebene Fall ist unter http://www.kh-cirs.de/faelle/index.html abrufbar (Anlage 1).

Zwei Veranstaltungshinweise

1)    Erstens möchten wir auf drei Förderbekanntmachungen aufmerksam machen, die das BMG aktuell zum Thema „Gesundheitskompetenz“ ausgeschrieben hat und die sich direkt auf die drei Schwerpunkte der Gemeinsamen Erklärung der „Allianz für Gesundheitskompetenz“ beziehen.

a)    "Stärkung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung"

Das Ziel dieser Bekanntmachung ist es, Maßnahmen zu fördern, die die Gesundheitskompetenz als personelle Kompetenz in der Bevölkerung stärken. Dabei sollen vorrangig Bevölkerungsgruppen mit geringer Gesundheitskompetenz erreicht werden, um diese besser in die Lage zu versetzen, adäquate gesundheitsrelevante Entscheidungen zu treffen. Zudem sollen Organisationen für die Bedeutung der Förderung von Gesundheitskompetenz sensibilisiert werden. Insgesamt kann so effektiv eine höhere Gesundheitskompetenz erreicht werden.

Gefördert werden Modellvorhaben, die darauf abzielen, die Gesundheitskompetenz als personelle Kompetenz zu stärken und die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung auch durch entsprechende Rahmenbedingungen seitens Organisationen oder Institutionen zu unterstützen. Dabei sollen vorrangig Bevölkerungsgruppen mit geringer Gesundheitskompetenz erreicht werden. Es sollen die Motivation und die Voraussetzungen für eine Auseinandersetzung mit Gesundheitsthemen in der Zielgruppe gestärkt werden. Deshalb werden vorrangig Modellvorhaben mit Konzepten gefördert, in denen proaktiv auf Menschen in bestimmten Settings zugegangen wird. Dies können beispielsweise Kindergärten, Schulen oder Betriebe sein.

bund.de: http://www.service.bund.de/IMPORTE/Ausschreibungen/editor/Bundesministerium-fuer-Gesundheit/2018/09/2562401.html

Website: https://www.forschung-bundesgesundheitsministerium.de/foerderung/bekanntmachungen/staerkung-der-gesundheitskompetenz-in-der-bevoelkerung

Einreichung unter: https://www.vdivde-it.de/submission/bekanntmachungen/1818

b)    "Stärkung der Gesundheitskompetenz durch effektive, zielgruppengerechte Informationskonzepte"

Das Ziel aller evidenzbasierter Informations-, Aufklärungs- und Beratungsangebote im Bereich Gesundheit ist es, die Bevölkerung zu informierten Entscheidungen zu befähigen. Die Gesundheitsinformationen sollen als Basis dienen, um Entscheidungen über eine gesunde Lebensweise zu treffen, Gesundheitsrisiken zu vermeiden und effektiv zu einer erfolgreichen Behandlung im Krankheitsfall beizutragen. Die Informationen über gesundheitsförderndes Verhalten sind zwar häufig vorhanden, werden bei Gesundheitsentscheidungen aber oftmals nicht berücksichtigt.

Gegenstand der Förderung sind interdisziplinäre Modellvorhaben, die effektive Wege zur Verbreitung von zielgruppengerecht gestalteten Gesundheitsinformationen unter Berücksichtigung von Konzepten des strategischen Marketings entwickeln, implementieren und evaluieren. Dabei sollen Strategien zur Nutzung der positiven Faktoren gesundheitsbezogener Selbststeuerung und Umgehung der hemmenden Faktoren entwickelt werden.

bund.de: http://www.service.bund.de/IMPORTE/Ausschreibungen/editor/Bundesministerium-fuer-Gesundheit/2018/09/2562493.html

Website: https://www.forschung-bundesgesundheitsministerium.de/foerderung/bekanntmachungen/staerkung-der-gesundheitskompetenz-durch-effektive-zielgruppengerechte-informationskonzepte

Einreichung unter: https://www.vdivde-it.de/submission/bekanntmachungen/1819

c)    "Stärkung der Gesundheitskompetenz durch höhere Kommunikationskompetenz der im Gesundheitswesen Tätigen"

Das Ziel dieser Bekanntmachung ist es, Maßnahmen zur Stärkung der Kommunikationskompetenz der im Gesundheitswesen Tätigen und zur besseren Verankerung von Kommunikation im Versorgungsalltag zu fördern. Dadurch sollen die im Gesundheitswesen Tätigen befähigt werden, angemessen auf die Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten einzugehen und adäquate gesundheitsrelevante Entscheidungen zu ermöglichen. So wird die Kommunikationskompetenz bei den im Gesundheitswesen Tätigen direkt gestärkt und dadurch mittelbar die Gesundheitskompetenz bei den Patientinnen und Patienten gefördert. Insgesamt kann so eine höhere Gesundheitskompetenz erreicht werden.

Gefördert werden Modellvorhaben, die die im Gesundheitswesen Tätigen und deren Arbeitsumfeld in den Fokus nehmen. Es sollen effektive Wege zur Implementierung von effektiven Kommunikationskonzepten in den Arbeitsalltag von im Gesundheitswesen Tätigen entwickelt und evaluiert werden. Dabei sollen Barrieren in den Organisationen identifiziert, diese abgebaut und im Rahmen von Organisationsentwicklung bessere Rahmenbedingungen für Kommunikation in den Einrichtungen der gesundheitlichen Versorgung geschaffen werden.

bund.de: http://www.service.bund.de/IMPORTE/Ausschreibungen/editor/Bundesministerium-fuer-Gesundheit/2018/09/2562525.html

Website: https://www.forschung-bundesgesundheitsministerium.de/foerderung/bekanntmachungen/staerkung-der-gesundheitskompetenz-durch-hoehere-kommunikationskompetenz-der-im-gesundheitswesen-taetigen

Einreichung unter: https://www.vdivde-it.de/submission/bekanntmachungen/1820

2)    APS- Jahrestagung 2019 – Call for abstracts

Für die APS-Jahrestagung am 9. und 10. Mai 2019, die diesmal unter dem Motto „Sicherheitskultur auf allen Ebenen“ steht, läuft jetzt wieder der „Call for abstracts“ an. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit fordert zum aktiven Mitwirken auf und sucht konkrete Ansätze für die konkrete Umsetzung der Sicherheitskultur in Einrichtungen. Die Beiträge können wie immer in Form eines Kurzvortrags, einer Poster-Präsentation oder einer Projekt-Präsentation eingereicht werden. Die Themenschwerpunkte der Beiträge und weitere Informationen zur Jahrestagung finden sich in dem beigefügten Flyer (Anlage 2). Die Beitragsbewerbung ist bis zum

15. November 2018

online unter folgender Adresse eingereicht werden:

www.orphea-gmbh.de/abstracteinreichung-01.php.