Der Referentenentwurf ist gegliedert in

1.    die berufliche Pflegeausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann,
2.    die berufliche Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin oder zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger,
3.    die berufliche Ausbildung zur Altenpflegerin oder zum Altenpfleger und
4.    die hochschulische Pflegeausbildung.

Die im Referentenentwurf vorliegende Ausbildungs- und Prüfungsverordnung soll am 1.1.2020 in Kraft treten; entsprechend soll die derzeit gültige Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Berufe in der Krankenpflege ebenso wie die derzeitige Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für den Beruf der Altenpflegerin und des Altenpflegers am 31.12.2019 außer Kraft treten.

Die wesentlichen Inhalte des Referentenentwurfes lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1.    Berufliche Pflegeausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann

Inhalt und Gliederung der Ausbildung

Die zu erwerbenden Kompetenzen umfassen u. a.

•    Verantwortliche Planung, Organisation, Gestaltung, Durchführung, Steuerung und Evaluation der Pflegeprozesse und Pflegediagnostik für Menschen aller Altersstufen.
•    Der Umfang des theoretischen und praktischen Unterrichts umfasst mindestens 2.100 Stunden. Die Stundenverteilung im Rahmen des theoretischen und praktischen Unterrichts der beruflichen Pflegeausbildung ist wie folgt geregelt:

Bild1 

 •    Der Umfang der praktischen Ausbildung beträgt 2.500 Stunden. Die Stundenverteilung im Rahmen der praktischen Ausbildung der beruflichen Pflegeausbildung ist folgendermaßen aufgeteilt:

Bild2

  Bild3

•    Die Stundenverteilung gilt für die Ausbildungsgänge aller drei beruflichen Pflegeausbildungen.
•    Der Unterricht und die praktische Ausbildung erfolgen aufeinander abgestimmt auf der Grundlage von Kooperationsverträgen.
•    Zwischen der Pflegeschule, dem Träger der praktischen Ausbildung sowie weiteren an der Ausbildung beteiligten Einrichtungen sind Kooperationsverträge zu schließen.
•    Ab der zweiten Hälfte der Ausbildungszeit sollen die Auszubildenden mindestens 80, maximal 120 Stunden in Nachtdienst absolvieren.

Theoretischer und praktischer Unterricht

•    Die Auszubildenden werden befähigt die beruflichen Aufgaben zielorientiert, sachgerecht, methodengeleitet und selbständig zu lösen.
•    Die Pflegeschule erstellt ein schulinternes Curriculum, welches die Rahmenempfehlungen berücksichtigt.

Praktische Ausbildung

•    Die Praktische Ausbildung ist gegliedert in
     o    Orientierungseinsatz zu Beginn der Ausbildung
     o    Pflichteinsätze in allgemeinen Versorgungsbereichen der Pflege
       - in der allgemeinen Akutpflege in stationären Einrichtungen
       - in der allgemeinen Langzeitpflege in stationären Einrichtungen
       - in der allgemeinen Akut- und Langzeitpflege in stationären Einrichtungen
     o    Pflichteinsätze in speziellen Versorgungsbereichen der Pflege
       - Pädiatrische Versorgung
       - Allgemein-, geronto-, kinder- oder jugendpsychiatrische Versorgung
       - weitere Einsätze in „geeigneten Einrichtungen“
     o    Vertiefungseinsatz beim Träger der praktischen Ausbildung in einem der Bereiche, in denen bereits ein Pflichteinsatz stattgefunden hat
     o    weitere Einsätze
•    Mindestens 1.300 Stunden soll die praktische Ausbildung beim Träger umfassen
•    Der Orientierungseinsatz, ein Pflichteinsatz sowie der Vertiefungseinsatz müssen beim Träger der Praktischen Ausbildung durchgeführt werden.
•    Der Vertiefungseinsatz ist in dem für diesen Einsatz gewählten Versorgungsbereich durchzuführen.
•    Ausbildungsbeginn ist der Orientierungseinsatz beim Träger der Praktischen Ausbildung.
•    Die Pflichteinsätze in der allgemeinen Akutpflege in stationären Einrichtungen, in der allgemeinen Langzeitpflege in stationären Einrichtungen, in der allgemeinen Akut- und Langzeitpflege in stationären Einrichtungen sowie der Pflichteinsatz in der pädiatrischen Versorgung sind in den ersten beiden Ausbildungsjahren durchzuführen.

Praxisanleitung

•    Der Umfang der Praxisanleitung beträgt mindestens 10 % der während des Einsatzes zu leistenden praktischen Ausbildungszeit.
•    Für den Orientierungseinsatz, die Pflichteinsätze und den Vertiefungseinsatz müssen die Praxisanleiter:
     o    mindestens zwei Jahre Berufserfahrung als Pflegefachfrau- oder Pflegefachmann oder
     o    mindestens zwei Jahre Berufserfahrung als Gesundheits- und KinderkrankenpflegerIn oder AltenpflegerIn oder
     o    mindestens fünf Jahre Berufserfahrung mit einem Berufsabschluss als Gesundheits- und KrankenpflegerIn, Gesundheits- und KinderkrankepflegerIn oder Altenpflegerin vor dem 01.01.2020
     nachweisen.
     Für alle weiteren Praxiseinsätze sind entsprechend qualifizierte Fachkräfte einzusetzen.
•    Praxisanleiter müssen eine berufspädagogische Zusatzqualifikation von mindestens 300 Stunden erworben haben.
•    Darüber hinaus müssen von Praxisanleitern 24 Stunden jährliche Fortbildung mit berufspädagogischem Schwerpunkt absolviert werden.
•    Alle Praxisanleiter, die am 31.12.2019 bereits eine Qualifikation zur Praxisanleitung nach § 2 Abs. 2 der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung in der Altenpflege und nach § 2 Abs. 2 Ausbildungs- und Prüfungsverordnung in der Krankenpflege erworben haben, werden mit dieser Qualifikation gleichgestellt.

Praxisbegleitung

•    Die Pflegeschule stellt durch ihre Lehrkräfte für die praktische Ausbildung die Praxisbegleitung in angemessenem Umfang sicher.
•    Erforderlich ist eine regelmäßige persönliche Anwesenheit.
•    Es soll mindestens ein Besuch je Orientierungseinsatz, Vertiefungseinsatz und Pflichteinsatz stattfinden.

Jahreszeugnisse

•    Am Ende eines Ausbildungsjahres ist durch die Pflegeschule für jeden Auszubildenden ein Zeugnis auszustellen. Das Zeugnis muss jeweils eine Note über die theoretische und die praktische Ausbildung ausweisen. Fehlzeiten sind auszuweisen.

•    Die Note für die praktische Ausbildung wird im Benehmen mit dem Träger der praktischen Ausbildung unter besonderer Berücksichtigung der Leistungseinschätzungen des betreffenden Jahres festgelegt. Alle Einrichtungen, die an der Ausbildung beteiligt sind, erstellen eine Leistungseinschätzung über den praktischen Einsatz des Auszubildenden. Fehlzeiten müssen ausgewiesen werden.

Zwischenprüfung

•    Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres erfolgt eine schriftlich, praktisch und mündlich durchgeführte Zwischenprüfung, mit der der Ausbildungsstand ermittelt werden soll.
•    Unabhängig vom Ergebnis der Prüfung kann die Ausbildung fortgesetzt werden.
•    Ist das Ausbildungsziel gefährdet verständigen sich Träger der Ausbildung, Pflegeschule und Auszubildender auf Maßnahmen zur Erreichung des Ausbildungsziels.

Kooperationsverträge

•    Zur Gewährleistung einer engen Zusammenarbeit sind schriftliche Kooperationsverträge zwischen den Leistungserbringern und der Pflegeschule zu schließen.

Staatliche Prüfung

•    Der schriftliche und mündliche Teil der Prüfung wird bei der Pflegeschule abgelegt; der praktische Teil der Prüfung wird in dort durchgeführt, wo auch der Vertiefungseinsatz stattgefunden hat.
•    Der Prüfungsausschussvorsitzende legt eine Vornote für den schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil der Prüfung fest. Die Noten resultieren aus den Jahreszeugnissen zu Ende jedes Ausbildungsjahres. Die Vornoten werden jeweils mit einem Anteil von 25 von Hundert berücksichtigt.

2.    Berufliche Ausbildung zur Gesundheits - und Kinderkrankenpflegerin oder zum Gesundheits - und Kinderkrankenpfleger

•    Die Praktische Ausbildung im dritten Ausbildungsjahr ist gemäß der oben aufgeführten Stundenverteilung in der Versorgung von Kinder- und Jugendlichen durchzuführen.
•    Der Pflichteinsatz nach § 7 Absatz 2 zweite Alternative des Pflegeberufegesetzes erfolgt in der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung.

3.    Berufliche Ausbildung zur Altenpflegerin oder zum Altenpfleger

•    Die Praktische Ausbildung im dritten Ausbildungsjahr ist gemäß der oben aufgeführten Stundenverteilung in der Versorgung von alten Menschen durchzuführen.
•    Der Pflichteinsatz nach § 7 Absatz 2 zweite Alternative des Pflegeberufegesetzes erfolgt in der gerontopsychiatrischen Versorgung.

4.     Hochschulische Pflegeausbildung

Inhalt und Gliederung der hochschulischen Pflegeausbildung

•    Die hochschulische Pflegeausbildung erfüllt die Vorgaben der Richtlinie 2005/36/ EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen (ABl. L 255 vom 30.9.2005, S. 22, L 271 vom 16.10.2007, S. 18). Sie umfasst einen Arbeitsaufwand der Studierenden von jeweils insgesamt mindestens 4.600 Stunden:
     o    2.100 Stunden Lehrveranstaltungen
     o    mindestens 2.300 Stunden Praxiseinsätze in Einrichtungen nach § 7 des Pflegeberufegesetzes.
•    Mindestens jeweils 400 der auf die Praxiseinsätze entfallenden Stunden sind in der allgemeinen Akutpflege in stationären Einrichtungen, der allgemeinen Langzeitpflege in stationären Einrichtungen und der allgemeinen ambulanten Akut und Langzeit- pflege nach § 7 Absatz 1 des Pflegeberufegesetzes zu absolvieren.
•    Lehrveranstaltungen und Praxiseinsätze finden im Wechsel statt. Die Koordination liegt bei der Hochschule.

Durchführung der hochschulischen Ausbildung

•    Die Kooperation mit allen an der Ausbildung beteiligten Einrichtungen wird durch Kooperationsverträge sichergestellt.
•    Praxisanleitung sollte durch hochschulisch qualifiziertes Personal sichergestellt werden.
•    Die Länder haben die Möglichkeit weitergehende Regelungen zu treffen.
•    Bis zum 31.12.2027 können die Länder abweichende Anforderungen an die Praxisanleiter zulassen.
•    Die Hochschule stellt die Praxisbegleitung in angemessenem Umfang sicher.

Staatliche Prüfung zur Erlangung der Berufszulassung

•    Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen, einem mündliche und einem praktischen Teil. Der praktische Teil der Prüfung wird in der Regel in der Einrichtung abgelegt, in der der Vertiefungseinsatz durchgeführt wurde.

Erfolgreicher Abschluss der hochschulischen Pflegeausbildung, Zeugnis

•    Die hochschulische Pflegeausbildung ist bestanden, wenn der staatliche sowie der hochschulische Teil bestanden sind.
•    Ist die Prüfung nicht vollständig bestanden, ist eine Erlaubniserteilung nach § 1 Abs. 1 des Pflegeberufegesetzes ausgeschlossen.

Prüfung bei Modellvorhaben nach § 14 des Pflegeberufegesetzes

•    Prüfungen nach § 14 Pflegeberufegesetz, die im Rahmen der hochschulischen Ausbildung stattfinden, müssen an einer Hochschule abgelegt werden.