Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, hob vor den Besuchern des Forums hervor, dass für ihn die Qualität der medizinischen Versorgung der Patientinnen und Patienten im Fokus stehe. „Um das hohe Niveau der heutigen stationären Versorgung zu erhalten und möglichst zu verbessern, muss sich die Krankenhaustruktur in NRW ändern. Die Mittel der neu eingeführten Einzelförderung sowie des künftigen Bundesstrukturfonds sollen genutzt werden, um strukturverändernde Maßnahmen einzuleiten und umzusetzen. Großer Handlungsbedarf besteht auch bei der sektorenübergreifenden Versorgung und der Digitalisierung. Hier gilt es, gute Lösungen im Interesse der Patienten zu finden. Sie vertrauen zu Recht auf eine qualitativ hochwertige, gut erreichbare und ausreichende Versorgung.“

Für den Tagungsvorsitzenden Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), ist die Frage der aktiven Gestaltung von Versorgungsstrukturen die Zukunftsaufgabe der Kliniken, aber auch der Länder. „Die Krankenhausträger wollen sich aktiv einbringen. Was wir aber auf jeden Fall brauchen, ist eine Planung, die über die einzelnen Sektoren hinausgeht und die Strukturveränderungen mit den dafür notwendigen Investitionen begleitet. Alleine der Fachkräftemangel macht es notwendig, vernetzte Strukturen anzugehen. Und womit wir endlich aufhören müssen, ist beispielsweise Maßnahmen der Qualitätssicherung zu missbrauchen, um Strukturen zu verändern. Das ist keine nachhaltige Planung“, erklärte der DKG-Präsident vor den Besuchern.

Auch für Dr. Josef Düllings, Kongresspräsident des 41. Deutschen Krankenhaustages, sei in der Praxis mittlerweile ein massives Legitimationsdefizit des aktuellen Vergütungssystems wie auch des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zu erkennen. „Es verstärkt sich der Trend, über Vorgaben zur Strukturqualität eine Strukturbereinigung zu erreichen“, erklärte Düllings, zugleich Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). In den Kliniken manifestiere sich der Eindruck, dass die um sich greifende Checklistenmedizin nicht das Ziel habe, die Qualität zu verbessern. „Qualität am Patienten entsteht nicht dadurch, dass Ärzte und Pflegende sich primär mit der Patientenakte beschäftigen, sondern dadurch, dass sie sich primär um den Patienten kümmern“, so der Kongresspräsident.

Wilfried Jacobs, Geschäftsführender Gesellschafter des Gemeinnützigen Instituts für patientenorientierte Versorgungsablaufforschung (IPOV), machte deutlich, dass der heutige Medizinbetrieb überideologisiert, überbürokratisch und überökonomisiert sei. Es sei Zeit für einen Boxenstopp. „Steht der Patient noch im Fokus der Anbieterstrukturen im Krankenhaus oder sind es vorrangig betriebswirtschaftliche Abläufe zwecks Erreichung von Erlösüberschüssen?“, fragte Jacobs. Die gegenwärtigen Strukturen im Krankenhaus stünden auf dem Prüfstand. „Kosmetik allein reicht nicht mehr. Der Spagat zwischen Ökonomie, medizinischem Fortschritt und Patientenzuwendung braucht ein neue Denke“, so Jacobs.

Der 41. Deutsche Krankenhaustag bietet noch bis zum 15. November 2018 Experten und Praktikern im Krankenhauswesen eine interdisziplinäre Plattform, Konzepte und Visionen für das deutsche Krankenhauswesen zu diskutieren.

Das ausführliche Kongress-Programm steht unter www.deutscher-krankenhaustag.de  als PDF-Datei zum Herunterladen bereit.

Der Deutsche Krankenhaustag ist die wichtigste Plattform für die deutschen Krankenhäuser und findet jährlich im Rahmen der MEDICA statt. Die Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag mbH (GDK) hat die Aufgabe, den Deutschen Krankenhaustag auszurichten sowie Ausstellungen, Kongresse, Tagungen und Symposien durchzuführen, zu fördern und zu unterstützen. Gesellschafter der GDK sind die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Verband der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK) und der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). Der Pflegebereich ist durch die Arbeitsgemeinschaft christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen (ADS) und den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBFK) in die Arbeit der GDK eingebunden.