Angesichts dieser guten Ergebnisse appellieren die Krankenhäuser aber auch dringend an die Bundesregierung mehr Vertrauen in die Arbeit der Kliniken zu haben und Überregulierungen abzubauen. „Wir könnten kurzfristig mehr Personal für unsere Patienten bereitstellen, wenn die Dokumentationsanforderungen und das Prüfunwesen des MDK und der Krankenkassen reduziert würden“, so Gaß weiter.

Seit dem 1. Januar 2017 können insgesamt 11 der 242 Qualitätsindikatoren für planungsrelevante Zwecke der Landeskrankenhausplanung herangezogen werden. Alle methodisch für den Krankenhausvergleich geeigneten Qualitätsindikatoren werden zudem krankenhausbezogen veröffentlicht.

Die Kliniken stellen sich der Qualitätstransparenz und ihrer Verantwortung, allerdings gibt es im Verfahren selbst methodischen Nachbesserungsbedarf: Für einen fairen Vergleich der Ergebnisse ist die Berücksichtigung des unterschiedlichen Risikoprofils der Patienten eines Krankenhauses unerlässlich. Auch das Vorgehen des strukturierten Dialogs soll verbessert werden. „Der Strukturierte Dialog, der von den hiermit beauftragten Stellen auf der Landes- und Bundesebene sehr sorgfältig durchgeführt wird und für alle Beteiligten enorm aufwändig ist, soll zukünftig spezifischer und somit treffsicherer gestaltet werden, ohne dass qualitative Auffälligkeiten unentdeckt bleiben“, so Gaß. Einen entsprechenden Weiterentwicklungsauftrag ans IQTIG hat der G-BA auf Bestreben der DKG bereits erteilt.

„Leider zeigt der Qualitätsreport auch, dass die sektorenübergreifende Qualitätssicherung unter Einbindung des vertragsärztlichen Versorgungsgeschehens nicht wirklich vorankommt“, erklärte Gaß. Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte am 19. Juli 2018 die neue Richtlinie zur datengestützte einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung beschlossen, die die Qualitätssicherung des stationären und vertragsärztlichen Bereichs unter einem Dach zusammenführen und unter gleichen Bedingungen stattfinden lassen soll. Die Entwicklung einer tatsächlich sektorenübergreifenden Qualitätssicherung wird jedoch durch unterschiedliche gesetzliche Regelungen für die jeweiligen Sektoren behindert: Während die Beschlüsse der Landesarbeitsgemeinschaften (für die sektorenübergreifenden Qualitätssicherung auf Landesebene verantwortliche Stellen) zur Umsetzung von qualitätsverbessernden Maßnahmen direkt für die Kliniken verbindlich sind, werde sie von den kassenärztlichen Vereinigungen nur als Empfehlung für die Vertragsärzte und ohne Durchgriffsrechte der Landesarbeitsgemeinschaften mit Verweis auf gesetzliche „Schutzvorschriften“ für das KV-System akzeptiert. Dies kann zu unterschiedlicher Qualität der gleichen Patientenbehandlung mit mangelhafter Qualität im niedergelassenen Bereich führen, ohne dass darüber Transparenz hergestellt wird. Wenn die Politik sektorenübergreifende Qualitätssicherung will, muss die Sonderrolle des KV-Systems beendet werden.

 

 Zur statistischen Grundlage und zum Verfahren

1.516 Kliniken lieferten 2,5 Millionen Datensätze zur externen stationäre Qualitätssicherung für das Erfassungsjahr 2017. Daraus werden die Ergebnisse zu 242 Qualitätsindikatoren berechnet. Abgebildet werden Eingriffe an der Halsschlagader, die Geburtshilfe sowie Früh- und Neugeborenenversorgung, Gynäkologische Operationen, Herzschrittmacher- und Defibrillatorversorgung, Implantation und Wechsel von künstlichen Gelenken an Hüfte und Knie, herzchirurgische Operationen und Transplantationen. Aber auch die Vermeidung eines Dekubitus in der Pflege und die korrekte Versorgung von Patienten mit einer ambulant erworbenen Lungenentzündung stehen im Fokus dieses aufwändigen Verfahrens. Die Qualitätsindikatoren zielen dabei auf diagnostische und therapeutische Maßnahmen ebenso wie auf die Überprüfung der korrekten Indikationsstellung und der Sterblichkeit im Krankenhaus. Sie werden statistisch ausgewertet und bei rechnerischen Auffälligkeiten im Rahmen des sogenannten strukturierten Dialogs durch Gespräche, Begehungen und Zielvereinbarungen mit den Krankenhäusern genauestens überprüft. Hierbei wird einerseits abgeklärt, ob der rechnerischen Auffälligkeit überhaupt ein echtes Qualitätsproblem zugrunde liegt, das behoben werden muss, und zum anderen, wie die Krankenhäuser bei den hierzu notwendigen Verbesserungsmaßnahmen unterstützt werden können. Der Strukturierte Dialog für die im Qualitätsreport 2017 dargestellten rechnerischen Ergebnisse aus dem Erfassungsjahr 2017 findet derzeit noch statt. Daher ist im Qualitätsreport 2017 bisher nur der Strukturierte Dialog für das Erfassungsjahr 2016 enthalten.