Die DKG hegt Zweifel an der Validität des Pflegepersonalquotienten als Instrument zur Beurteilung einer bezüglich des Pflegeaufwandes angemessenen Personalausstattung im Pflegedienst. Dies bezieht sich insbesondere auf die Messung des Pflegeaufwandes ausgehend von den in der DRG-Kalkulation verrechneten Personalkosten des Pflegedienstes, wie in dem vom InEK veröffentlichten Pflegelast-Katalog realisiert, der vom BMG in der Gesetzesbegründung als Ausgangsbasis für einen weiterzuent-wickelnden bundeseinheitlichen Pflegeaufwandkatalog gesehen wird. Die DKG hat Roeder & Partner mit der Erstellung eines Gutachtens zur Methodik des Pflegepersonalquotienten beauftragt.

Wesentliche Kritikpunkte der Gutachter an dem Pflegepersonalquotienten und der ihm zugrundeliegenden Kalkulation des Pflegeaufwands sind:

•  Die in der Kalkulation erfolgende Zuweisung von Pflegekosten auf die Fälle hat keinen direkten Bezug zu ihrem Pflegebedarf, da neben den dafür verwendeten Aufwandsäquivalenten die Gesamtkosten des Pflegedienstes und die Auslastung der Stationen die Höhe der Kalkulationsdatensätze bestimmen.

• Die Organisationsstrukturen in den Krankenhäusern sind sehr unterschiedlich. Dies betrifft insbesondere den Einsatz pflegeentlastender Berufsgruppen.

• Die Zuordnung der Kosten auf die einzelnen Felder der Kalkulationsmatrix ist fehleranfällig, welches bei der bisherigen Betrachtung der Gesamtfallkosten nicht im Fokus der Plausibilisierung stand.

• Unter der Kostenstelle Intensivstation, für die im Pflegelast-Katalog ein eigenes tagesbezogenes Relativgewicht ermittelt wird, werden unterschiedliche Leistungseinheiten mit heterogenen Pflegeintensitäten subsumiert, deren Mischung in der Kalkulation nicht mit der Situation im einzelnen Krankenhaus übereinstimmen muss.

• Im Zähler des Pflegepersonalquotienten werden die Anzahl der Pflegevollkräfte ohne Bezug zu Qualifikationsniveau, Qualifikationsmix oder Aufgabenzuordnung aufgeführt. Eine eindeutige Abgrenzung gemäß der Definition „Pflege in der Patientenversorgung“, wie sie in der Gesetzesbegründung verwendet wird, fehlt dabei.

• Die Entwicklung des Pflegeaufwandes im Nenner ist je nach Normierung von verschiedensten Einflussfaktoren wie Katalogeffekten und Tarifentwicklungen abhängig. Aus steigenden oder fallenden Quotienten kann nicht unmittelbar auf Entwicklungen der Versorgungsqualität geschlossen werden.

• Der Pflegepersonalquotient als einfache Verhältniszahl unterstellt einen linearen Zusammenhang zwischen Pflegelast/-aufwand und Bedarf an Pflegekräften, der in der Realität nicht gegeben ist.

• Soweit durch die Einführung des Pflegepersonalquotienten Anreize zur Einstellung von Pflegepersonal geschaffen werden sollen, werden diese bereits durch die anderen Regelungen des PpSG gesetzt. Eine Limitierung zur Einstellung von zusätzlichen Pflegekräften entsteht dann nur noch durch die Lage am Arbeitsmarkt.

• Der Pflegepersonalquotient dient dann weniger der Patientensicherheit als der Leistungssteuerung, indem Krankenhäuser zur Reduzierung ihrer Leistungen genötigt werden sollen.

Das Gutachten steht auf der Homepage der DKG (https://www.dkgev.de/media/file/97801.Gutachten_Pflegeaufwand_Pflegepersonalquotient.pdf) zum Herunterladen zur Verfügung.