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Viele Ärztinnen und Ärzte aus Nicht-EU-Ländern möchten gern in Deutschland arbeiten. Wir benötigen sie dringend. Eigentlich eine Win-Win-Situation? Weit gefehlt! Noch immer sind ausländische Fachkräfte mit teils jahrelangen völlig undurchschaubaren bürokratischen Prozessen konfrontiert. Wir haben einmal versucht, den Weg bis zum ersten Arbeitstag zu rekonstruieren. Los geht’s mit dem Antrag auf Approbation. Dafür müssen sich Ärzt:innen tausende Kilometer entfernt bereits bewusst sein, in welchem Bundesland sie arbeiten wollen. Anträge sind Ländersache, jedes Bundesland hat eigene Regeln. Immer dabei: mehrseitige Formulare, alles auf Deutsch ausgefüllt, genauso wie Lebenslauf und zahlreiche Erklärungen. Passkopie und Zeugnisse müssen ins Deutsche beglaubigt übersetzt werden. Absurderweise müssen die Ärzt:innen nachweisen, dass sie den Antrag nicht nur aus Spaß stellen, sondern wirklich in Deutschland arbeiten wollen. Das alles läuft natürlich nicht digital. Den Papierberg müssen die Mediziner:innen per Post nach Deutschland schicken. Das macht den Antrag gerade in Entwicklungsländern zur Glückssache. Die zweite Herausforderung ist das Visum. Auch hier warten mehrseitige Formulare. Bewerber:innen müssen sich vom Arbeitgeber die Anstellung bestätigen lassen. Kliniken müssen sich also bereits festlegen, obwohl sie nicht einschätzen können, wann und ob der Arzt überhaupt anfangen kann. Ohne Arbeitsvertrag kein Visum, aber ohne Visum keine Arbeitserlaubnis. In einem Formular muss genau vermerkt sein, was der Arzt verdient und wie viele Urlaubstage er hat. Hinzu kommen zahllose weitere Dokumente und Nachweise, die für die Arbeitsaufnahme kaum entscheidend sind. Auch das geht natürlich nicht digital. Die Ärzt:innen müssen in der deutschen Botschaft einen persönlichen Termin vereinbaren. Allein diese Wartezeit kann über ein Jahr betragen. Es folgen irrwitzige Bürokratiewege: Ausländerbehörde, Arbeitsagentur, Botschaft usw. Alle müssen den Antrag prüfen. Dabei haben es die Fachkräfte mit Behörden zu tun, die nicht miteinander kommunizieren, mit unüberschaubaren Anforderungen, einer völlig analogen Bürokratie, in der das Faxgerät das modernste Kommunikationsmittel ist. Mit Bürokraten, die keine Fremdsprachen sprechen und mit vielen anderen Hürden. In den Herkunftsländern helfen auf Deutschland spezialisierte Agenturen dabei, den Weg durch das Bürokratielabyrinth zu finden. Die Kosten übernehmen oft die Kliniken. Wir können uns diese lähmende Bürokratie nicht leisten. Im Wettbewerb um Fachkräfte liegen wir zunehmend hinten. Während anderswo Prozesse digitalisiert und neue Fachkräfte willkommen sind, landen Bewerber:innen in Deutschland noch immer in verstaubten Amtsstuben. Wir fordern klare Zuständigkeiten der Behörden, Digitalisierung der Prozesse, schnellere und unkomplizierte Visavergaben, Planungssicherheit für Bewerber:innen und für Krankenhäuser.
So haben wir das bildlich für Social Media aufbereitet. Um die komplette Fotoreihe zu sehen, einfach auf das Foto klicken (Diashow öffnet sich).
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