von Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG
Wenn wir heute ins Wochenende gehen, liegt eine Wahl vor uns, die weit über Sachsen-Anhalt hinaus Aufmerksamkeit findet. Viele Kommentatorinnen und Kommentatoren schreiben, dass ihr Ausgang die politische Stimmung im Land prägen, vielleicht sogar Weichen für den kommenden Herbst und die Zeit danach stellen wird.
In den vergangenen Tagen haben deshalb viele Menschen öffentlich Haltung gezeigt. Unternehmerinnen und Unternehmer sind in Magdeburg auf die Straße gegangen und haben sichtbar gemacht, wie ein weltoffenes Magdeburg aussieht. Sie haben zugleich deutlich gemacht, was sie befürchten, wenn sich gesellschaftliche Grenzen verschieben und Offenheit und Zusammenhalt unter Druck geraten. Ein neues Bündnis aus rund 2.500 Unternehmen wirbt ebenfalls für ein weltoffenes Deutschland.
Ich halte dieses Engagement für wichtig. Und ich möchte ausdrücklich sagen: Weltoffenheit ist für uns als Krankenhäuser kein abstrakter gesellschaftlicher Wert. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass wir unsere Aufgabe erfüllen können.
Wer in unsere Krankenhäuser schaut, sieht die Vielfalt unserer Gesellschaft unmittelbar. Menschen unterschiedlichster Herkunft arbeiten bei uns, mit unterschiedlichen Religionen, sexuellen Orientierungen und Identitäten, mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Erfahrungen. Sie alle bilden gemeinsam eine Belegschaft, die Tag für Tag, rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr für unsere Patientinnen und Patienten da ist.
Wir brauchen jeden Einzelnen.
Ja, die Integration von Beschäftigten aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen mit unterschiedlichen Muttersprachen ist auch eine Herausforderung, nicht nur für uns, sondern auch für die, die zu uns kommen. Aber diese Anstrengung lohnt sich, am Ende steht ein starkes, vielfältiges Team, das gemeinsam Verantwortung für die Patientenversorgung übernimmt.
Und deshalb sind wir dankbar für all jene Menschen, die zu uns nach Deutschland kommen, um hier zu arbeiten und unser Gesundheitswesen mitzutragen. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen haben ihre Heimat verlassen, um bei uns eine neue berufliche und persönliche Heimat zu finden. Sie versorgen Patientinnen und Patienten, sie übernehmen Verantwortung, sie arbeiten mit uns – und sie halten damit ganz wesentlich unsere Gesellschaft und unsere Gesundheitsversorgung am Laufen.
Ohne diese Menschen wären wir alle ärmer. Und unsere Gesundheitsversorgung wäre weniger leistungsfähig und vielerorts schlicht nicht aufrechtzuerhalten.
Deshalb wünsche ich mir an diesem Wahlwochenende nicht nur eine demokratische Entscheidung, sondern vor allem ein klares gesellschaftliches Signal – unabhängig davon, wie die Wahl ausgeht:
Ihr seid willkommen.
Nicht nur, solange wir euch brauchen. Nicht nur, solange ihr in unseren Kliniken arbeitet. Nicht nur für eine bestimmte Zeit. Sondern als Menschen, die zu unserer Gesellschaft gehören. Als Kolleginnen und Kollegen. Als Nachbarinnen und Nachbarn. Als Freundinnen und Freunde. Als Teil unseres gemeinsamen Lebens.
Denn eine Gesellschaft ist dann stark, wenn sie Unterschiede nicht als Bedrohung begreift, sondern als Teil ihrer Stärke. Genau das erleben wir jeden Tag in unseren Krankenhäusern.
Wir brauchen jeden. Und jeder von uns macht unser gemeinsames Ganzes ein Stück stärker.