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Mit der Diskussion um die Rückkehr zur Wehrpflicht rückt auch der Zivildienst wieder in den Fokus. Sollte aus dem derzeitigen freiwilligen Wehrdienst wieder eine echte Pflicht werden, müsste es ein Angebot für einen Ersatzdienst geben. Das Grundgesetz garantiert das unveräußerliche Recht auf Kriegsdienstverweigerung.
Für die Krankenhäuser ist das ein wichtiges Thema. Vor der Aussetzung der Wehrpflicht gehörte der Kliniksektor zu den größten Anbietern von Zivildienststellen. Zivildienstleistende waren und sind dabei keine billigen Arbeitskräfte, die reguläre Kräfte ersetzen und Personalkosten einsparen. Sie können und dürfen keine Arbeiten qualifizierter Kräfte, zum Beispiel in der Pflege, übernehmen. Junge Menschen, die zum ersten Mal nach vielen Jahren Schule das Arbeitsleben kennenlernen, benötigen sehr viel Anleitung, Begleitung und ausreichend Zeit für das Ankommen. Danach können Zivildienstleistende Fachkräfte entlasten, aber nicht ersetzen, und für zusätzliche Angebote sorgen.
Daher ist für uns die konkrete Ausgestaltung des Zivildienstes wichtig. Das beginnt bei der Finanzierung. In der Diskussion ist derzeit, dass die Kliniken rund zwei Drittel der Vergütung selbst tragen müssten. Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage der Kliniken ist das zu viel, nur wenige Krankenhäuser würden dann überhaupt Zivildienststellen anbieten. Drei Viertel der Kosten müsste der Bund tragen oder eine neue Möglichkeit schaffen, dies über die Krankenhausfinanzierung zu vergüten. Von Bedeutung ist auch die Länge des Zivildienstes. Aufgrund von Einarbeitung, Betreuung und Abwesenheit durch verpflichtende Zivildienst-Seminare sollte sich die Dauer an der Zeit vor 2011 orientieren. Wir schlagen neun bis zwölf Monate vor. Sind solche Rahmenbedingungen geklärt, sind die Krankenhäuser durchaus dem Zivildienst gegenüber aufgeschlossen. In einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts haben sich 93 Prozent der Kliniken bereiterklärt, Zivildienststellen anzubieten.
Dann könnte der Zivildienst nicht nur für die Krankenhäuser und die Zivildienstleistenden selbst, sondern für die gesamte Gesundheitsversorgung gewinnbringend sein. Die Chance des Zivildienstes liegt vor allem in der langfristigen Personalgewinnung. In der Vergangenheit haben sich viele junge Menschen erst nach dem Zivildienst für eine Ausbildung oder ein Studium im Gesundheitsbereich entschieden. Das ist noch einmal besonders interessant, da auf diesem Weg die Chance besteht, mehr Männer für die typischen „Frauenberufe“ im Krankenhaus zu begeistern.
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