Psychische Erkrankungen durch Social-Media-Konsum nehmen seit einigen Jahren unter Kindern und Jugendlichen stark zu. Das hat zuletzt das Psychiatrie-Barometer des DKI gezeigt. Dr. Jakob Florack ist Chefarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Berliner St.-Joseph-Krankenhauses und ausgewiesener Experte in der Behandlung von Social-Media-Sucht. Wir haben ihm drei Fragen zur Thematik gestellt.
Warum machen soziale Medien krank?
Soziale Medien machen vor allem dann krank, wenn Sie nicht zielgerichtet verwendet werden, um zum Beispiel mit anderen in Kontakt zu bleiben oder sich zu informieren. Bei vielen Menschen dient die Nutzung auch dazu, sich von Problemen und den assoziierten Gefühlen abzulenken. Daraus kann ein Sog entstehen, der psychische Erkrankungen begünstigt.
Woran erkennen Betroffene, dass sie süchtig geworden sind? Welche Therapieansätze haben sich bewährt?
Viele Menschen nutzen digitale Medien halbautomatisch ohne dass sie sich dem bewusst sind. Um zu beurteilen, ob die Medien schon in abhängiger Weise genutzt werden, muss man Nutzungsdauer und –frequenz, aber auch die Funktion der Mediennutzung beobachten. Oft fällt es nicht leicht, das allein zu beurteilen. Dann können (Sucht-)Beratungsstellen aufgesucht werden. Dort gibt es auch die Möglichkeit, sucht- und ggf. psychotherapeutisch zu behandeln. Bei einigen Betroffenen reichen diese ambulanten Angebote nicht aus, und es können stationäre Rehabilitationsmaßnahmen eingeleitet werden. Medikamente zur Behandlung einer Medienabhängigkeit gibt es nicht.
Was hilft, um problematischem Social-Media-Konsum vorzubeugen und was nicht?
Es hilft das Bewusstsein, dass der Umgang mit digitalen und insbesondere sozialen Medien eine Kompetenz ist. Das bedeutet auch, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene den Umgang damit nur lernen können, wenn sie sich angeleitet und unterstützt darin bewegen. Dazu kann und sollte bei Kindern auch eine Regelsetzung gehören. Man darf aber nicht davon ausgehen, dass eine strikte Regulation allein dazu führt, dass kein problematischer Social-Media-Konsum entsteht. Letztlich gehört zu einer gelingenden Prävention auch, dass alternative Angebote zur Social-Media-Nutzung wie Sport, soziale Aktivitäten und Familienzeit zur Verfügung stehen.