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Die alljährliche Präsentation des vom Wissenschaftlichen Institut der Ortskrankenkassen (Wido) herausgegebenen Krankenhaus-Reports nutzen die Damen und Herren aus AOK-Wissenschaft und -Vorstand gerne, um möglichst reißerisch über die Arbeit der Krankenhäuser in Deutschland zu berichten.
So erfahren wir in diesem Jahr, dass es eine „eklatante Fehlentwicklung“ sei, dass nur über knapp 95 Prozent aller akuten Herzinfarkte in Deutschland in dafür speziell geeigneten Krankenhäusern mit Herzkatheter-Labor behandelt würden. Eigentlich müssten es 100 Prozent sein, so suggeriert es die skandalisierende Meldung der AOK in dieser Woche. „Tausende Patienten erhielten keine optimale Versorgung, da sie in Kliniken ohne Katheter-Labor eingeliefert werden“, schreibt dann auch gleich die BILD-Zeitung. Für uns als DKG sind diese Daten eine gute Botschaft für die Patientinnen und Patienten, denn wir dürfen gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen im Rettungsdienst stolz darauf sein, dass es nicht nur mit einem Wert von über 95 Prozent gelingt, diese Patientinnen und Patienten im akuten Notfall treffsicher zu diagnostizieren, sondern sie dann auch unmittelbar in einem speziell dafür geeigneten Krankenhaus aufzunehmen.
9.400 Patientinnen und Patienten von 191.000, so die AOK, würden nicht optimal behandelt. Ja, das ist so, und das ist der Unterschied zwischen Realität und Theorie. Denn nicht immer erkennt selbst der beste Rettungsdienst sofort einen Herzinfarkt als solchen, um dann ein Krankenhaus mit Katheterlabor anzusteuern. Gerne laden wir die Damen und Herren einmal ein, zusammen mit den BILD-Journalisten eine Woche lang im Rettungswagen unterwegs zu sein und die Trefferquote dann auf 100 Prozent zu erhöhen. Wir werden dann gerne über diese Erfolgsstory berichten.
Auf einem ähnlichen Niveau bewegt sich die zweite benannte „eklatante Fehlentwicklung“, die die AOK-Wissenschaftler bei Brustkrebsoperationen identifizieren. Es gäbe immer noch zu viele Patientinnen, die in Krankenhäusern mit vergleichsweise niedrigen Fallzahlen (unter 25) und damit einer fehlenden Erfahrung operiert würden. Wenn die Entwicklung so weiter ginge, wie in den vergangenen Jahren, würde man noch 20 Jahre brauchen, bis alle Patientinnen in Krankenhäusern mit höheren Fallzahlen operiert werden. Auch hier schlägt die Realität die Theorie der AOK, denn schon in diesem Jahr wirkt die vom GB-A beschlossene Mindestmenge von 50 Brustkrebsoperationen. Im kommenden Jahr wird diese Mindestmenge noch auf 100 steigen. Die AOK skandalisiert auch hier ein Problem, das es schon nicht mehr gibt und liefert damit der BILD-Zeitung Futter und reißerische Zitate aus der Vorstandsebene.
Seriöse Wissenschaft geht anders, liebe Kolleginnen und Kollegen aus der grünen Krankenkasse.
Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG
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