von Prof. Dr. Henriette Neumeyer, stellv. Vorstandsvorsitzende der DKG
Viele Patientinnen und Patienten werden in den kommenden Tagen und Wochen wieder buchstäblich hautnah erfahren, welche Folgen die chronische Unterfinanzierung der Krankenhäuser hat. Mit den steigenden Temperaturen wird es auch in den Krankenzimmern zunehmend heiß, Klimaanlagen oder gar moderne klimagerechte Kühltechnik sind in Deutschland die Ausnahme.
Das liegt manchmal an der für Nachrüstung ungeeigneten Bausubstanz der Krankenhäuser, die in Deutschland häufig aus dem 19. Jahrhundert oder der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Krieg stammt. Im Regelfall liegt es aber an der ausbleibenden Investitionskostenfinanzierung der Länder. In einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts zum Thema Kühlung von Krankenzimmern haben das zumindest fast alle befragten Kliniken so angegeben. Die Lücke zwischen Investitionsbedarf und tatsächlich bezahlten Investitionsmitteln liegt jährlich bei rund drei Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund investieren die Krankenhäuser natürlich eher in Geräte oder Bauarbeiten, die für die direkte Patientenversorgung unverzichtbar sind.
Dabei deuten Studien darauf hin, dass die Raumtemperatur eines Krankenzimmers Einfluss auf die Genesung hat, dass also Hitzeschutz weit mehr ist als nur eine Frage des Komforts. Und es geht nicht nur um geschwächte Patientinnen und Patienten, die auf extreme Temperaturen noch einmal stärker reagieren als gesunde Menschen. Mit der Hitze in Krankenhausgebäuden müssen sich auch die Beschäftigten der Kliniken arrangieren. Sie können nicht ins Hitzefrei gehen oder ihre Arbeitszeit in kühlere Stunden verlagern. Die in Krankenhäusern üblichen Mittel wie Verschattung oder Ventilatoren helfen dann nur begrenzt.
Die DKG hat bereits im vergangenen Jahr ein Klima-Investitionsprogramm vorgeschlagen. Dessen Höhe von 31 Milliarden Euro basiert auf einer wissenschaftlichen Studie zum Finanzierungsbedarf. Angesichts der derzeitigen Kürzungsvorschläge wirken solche Ideen aber völlig illusorisch. Zu erwarten ist, dass immer mehr Krankenhäuser noch tiefer in die roten Zahlen rutschen. Krankenzimmer mit Kühltechnik, am besten klimagerechter, werden dann eine ferne Utopie sein. Wie die Patientenversorgung an den immer häufigeren Hitzetagen verlässlich aufrechtzuerhalten sein soll, ist nur eine von vielen offenen Fragen der derzeitigen auf Kürzung basierenden Gesundheitspolitik.