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„WHO-empfohlene Desinfektionsmittel wirken gegen neues Coronavirus. Die Mischungen sind schnell und einfach von den Apotheken herzustellen und können der aktuellen Knappheit an Desinfektionsmitteln abhelfen.“ So lautete 2020 die Botschaft einer Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum. Dort hatten Forscher wissenschaftlich bestätigt, dass das von der WHO empfohlene einfach herzustellende Desinfektionsmittel, das die damalige weltweite Knappheit dieser Stoffe lindern sollte, auch wirklich funktioniert. Das Geheimnis der simplen Mischung: Sie bestand zu 80 Prozent aus Ethanol, ein selbst damals noch verfügbarer, günstiger und wirksamer Stoff. Wer heute ein Krankenhaus oder eine Arztpraxis betritt, wird ebenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Desinfektionsmittelspender mit dem Wirkstoff Ethanol treffen.
Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass derzeit in der EU die Debatte über ein faktisches Verbot von Ethanol als Inhaltsstoff von Desinfektionsmitteln läuft. In der kommenden Woche wird der Biozid-Ausschuss der europäischen Chemikalienagentur über die Einstufung von Ethanol als krebserregenden sogenannten CMR-Stoff debattieren. Die Folge einer solchen Einstufung wäre, dass Ethanol als Inhaltsstoff auch für Desinfektionsmittel ausfällt. Das Problem: Es gibt keine adäquaten Alternativen, und ohne ethanolbasierte Desinfektionsmittel hätten hoch ansteckende Erreger, z.B. Noroviren, freies Spiel. Es geht bei der Diskussion also um weitaus mehr als eine Fachdebatte unter Chemikern. Das faktische Ethanol-Verbot hätte schwere Folgen.
Dabei basiert die Debatte auf völlig irrigen Annahmen. Ethanol ist ein Alkohol und ohne jeden Zweifel giftig – allerdings nur, wenn man ihn trinkt. Wir benötigen Ethanol aber zur äußeren Anwendung als Hautdesinfektion. Das führt gelegentlich zu Hautreizungen, mehr aber auch nicht. Auf der anderen Seite steht der immense Nutzen bei der Eindämmung von Erregern. Dass man Ethanol nicht trinken sollte, müsste jedem halbwegs vernünftigen Menschen klar sein.
Angesichts der großen Bedeutung von Ethanol für Gesundheitswesen und Infektionsschutz besteht alles andere als Einigkeit in der Frage der CMR-Einstufung. Ob der Ausschuss in der kommenden Woche eine Entscheidung fällt und in welche Richtung diese geht, ist also offen. Wir appellieren an die Vernunft der Entscheidungsträger: Bitte lösen Sie keinen völlig vermeidbaren Mangel an Desinfektionsmitteln aus, der verheerende Folgen haben kann. Ethanol ist ein wirksamer, gut verfügbarer und sehr günstiger Inhaltsstoff, der uns verlässlich vor Infektionen schützt. Seien Sie sich Ihrer Verantwortung und der Folgen Ihrer Entscheidung bewusst.
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