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Kommentar von Dr. Gerald Gaß
Nachdem das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz alle Hürden genommen hat, verändert sich nun offenbar seine grundlegende Stoßrichtung. Die „Entökonomisierung“ der Krankenhausversorgung sei das Hauptziel der Reform. Minister Lauterbach wurde nicht müde, dieses Ziel immer wieder öffentlichkeitswirksam zu nennen. Doch dieses scheint nun Geschichte zu sein.
Das Bundesministerium hat die Entökonomisierung aus der Aufzählung der Reformziele auf seiner Website entfernt, wie das Reimbursement Institute zuerst berichtete.
Minister Lauterbach hat mit diesem Schlagwort viel öffentliche Zustimmung für seine Reform generiert. Dass das Versprechen der „Entökonomisierung“ von Anfang an Unsinn war, hat er hingegen verschwiegen. Dass es nun als Hauptziel still und heimlich von der Website gelöscht wird, ist da nur konsequent.
Ganz grundsätzlich muss auch ein Krankenhaus immer ökonomisch vorgehen, egal in welchem Finanzierungssystem und unter welcher grundsätzlichen Organisation es arbeitet. Auch eine mit Personal, Technik und Geld bestens ausgestattete Klinik muss diese immer begrenzten Ressourcen plan- und sinnvoll einsetzen, also ökonomisch handeln.
Lauterbachs Entökonomisierungs-Versprechen basierte aber vor allem auf den Plänen einer Vorhaltefinanzierung. Diese sind komplett gescheitert, wie nicht nur jüngst eine Studie von Vebeto zeigte.
Statt die Krankenhäuser aus dem Hamsterrad immer weiter steigender Fallzahlen zu befreien, damit sie ihre laufenden Kosten unabhängig von den Behandlungen tragen können, schafft das Lauterbach-Modell das Gegenteil. Kaum etwas wird sich für die Kliniken ändern, und keinesfalls werden Lauterbachs Vorhaltepauschalen wie versprochen vor allem kleine Kliniken mit geringen Fallzahlen wirtschaftlich sichern. Die DKG fordert seit vielen Jahren eine funktionierende Vorhaltefinanzierung. Das Lauterbach-Modell gehört nicht dazu. Wir halten daher bereits bestehende Instrumente, z.B. Sicherstellungszuschläge, für wirksamer als Lauterbachs Vorhaltepauschalen.
Auch der Bundesminister hat es offenbar eingesehen, wahrscheinlich wusste er es schon vorher. Ein zentrales Versprechen aber klammheimlich von der Website zu entfernen, ist kein guter Stil.
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