Obwohl seitens des Gemeinsamen Bundesausschuss also keine konkrete Beauftragung zu diesem Thema zugrunde lag, ist davon auszugehen, dass der Bericht des   IQWiG in Beratungen des Gemeinsamen Bundesausschuss (zum Beispiel zu DMP KHK) einfließen wird. Gleichzeitig ist dieser Bericht das erste praktische Beispiel, wie eine Nutzenbewertung durch das IQWiG zukünftig aussehen wird. In seinem Bericht kommt das Institut zu den Schlussfolgerungen, dass bei Patienten mit stabiler koronarer Herzerkrankung nur für Simvastatin und Pravastatin ein lebensverlängernder Effekt nachgewiesen sei. Bei Patienten mit akutem Koronalsyndrom bestehe ein patientenrelevanter Nutzen für die Wirkstoffe Atorvastatin, Pravastatin und Simvastatin. Darüber hinaus stellt das Institut fest, dass das Ausmaß der LDL-Cholesterin-Senkung nicht geeignet sei, dem Nutzen einer Statintherapie generell zu belegen. Wie diese Ergebnisse von der medizinischen Fachöffentlichkeit bewertet werden, bleibt abzuwarten.

Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang sicherlich, dass auf internationaler Ebene kürzlich zwei hochwertige Analysen zu diesem Themenkomplex veröffentlicht wurden, die auf Basis der praktisch gleichen wissenschaftlichen Primärliteratur zu abweichenden Schlussfolgerungen kommen. Es handelt sich hierbei einerseits um eine im Auftrag des National Instituts of clinical excellence (NICE) in England durchgeführte Untersuchung  und eine in der Zeitschrift Lancet publizierte Metaanalyse.

NICE folgert in seiner Untersuchung, dass durch eine Statintherapie die Gesamtmortalität in der Sekundärprävention der KHK gesenkt werde und kein klinischer Effektivitätsunterschied zwischen Atorvastatin, Pravastatin, Fluvastatin und Simvastatin bestehe.

In der Analyse im Lancet wird ein direkter Zusammenhang zwischen der Reduktion des LDL-Cholesterins und patientenrelevanten Endpunkten aufgezeigt.

Die hier dargestellte Situation zeigt, dass Berichte des IQWiG sicherlich jeweils einer genaueren fachlichen Bewertung und Einordnung in das Versorgungsgeschehen bedürfen.