Im Rahmen seiner indikationsbezogenen Bewertung der Stammzelltransplantation nach § 137 c SGB V  (Bewertung von Untersuchungs- und Behandlungsmethoden im Krankenhaus) hatte der Gemeinsame Bundesausschuss seinerzeit beschlossen, dass IQWiG mit der Identifizierung und methodischen Bewertung der relevanten Literatur im Hinblick auf Nutzen und Risiken der Stammzelltransplantation bei den im Antrag vom 29.04.2004 genannten Indikationen zu beauftragen. Der vorliegende Bericht ist der erste (indikationsbezogene) Abschlussbericht zu diesem Auftrag und betrifft die allogene Stammzelltransplantation mit nicht-verwandtem Spender (Fremdspenderstammzelltransplantation).

Im Fazit des oben genannten Berichtes wird u.a. festgestellt,

- dass gegenwärtig keine Daten aus mit hinreichender Sicherheit interpretierbaren Studien zum Nutzen der allogenen Fremdspenderstammzelltransplantation im direkten Vergleich zur immunsupressiven Therapie bei Patienten mit erworbenen schweren aplastischen Anämie vorliegen und die generalisierte Anwendung der allogenen Fremdspenderstammzelltransplantation bei den betroffenen Patienten außerhalb von kontrollierten klinischen Studien deshalb derzeit nicht vertretbar erscheint,

- es dennoch gerechtfertigt erscheint, Patienten, für die keine immunsuppressive Therapie mehr in Frage kommt, also keine adäquate Therapiealternative besteht, die Fremdspenderstammzelltransplantation anzubieten, wobei  die im Bericht betrachteten Studien keinen eindeutigen Schluss dahingehend zulassen, wann von einer solchen refraktären Situation auszugehen ist.

Mit dem IQWiG-Bericht befasst sich nun die Themengruppe des Gemeinsamen Bundesausschuss, die für die sektorübergreifende Bewertung des Nutzens und der medizinischen Notwendigkeit im Rahmen des Bewertungsverfahrens des G-BA zuständig ist. Aus Sicht der DKG wird es dabei beispielsweise um die Frage gehen, inwieweit die Herangehensweise des IQWiG an diese Thematik vor dem Hintergrund der Seltenheit der Erkrankung (ca. 2 Neuerkrankungen pro 1 Mio. Menschen pro Jahr) und der Seltenheit der Anwendung der bewerteten Methode (ca. 80 Fälle in 6 Jahren in Deutschland) der Sache gerecht wurde. Eine Rolle bei der Einschätzung des Stellenwertes der Methode werden sicher auch noch die seitens der Fachöffentlichkeit damals zum Vorbericht eingebrachten und nunmehr im Anhang des Abschlussberichtes enthaltenen Stellungnahmen spielen.

Auf Basis der abschließenden Einschätzung der Themengruppe wird der Unterausschuss Methodenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschuss dann unter Berücksichtigung der außerdem noch durchzuführenden sektorbezogenen Bewertung von Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit einen Beschlussvorschlag für den Gemeinsamen Bundesausschuss in der Besetzung nach § 91 Abs. 7 SGB V vorbereiten.

Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass für Krankenhäuser und Krankenkassen leistungsrechtlich verbindlich erst der nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft getretene Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss sein wird.