Der Arbeitsausschuss DMP des vormaligen Koordinierungsausschusses hat die Aktualisierung der Anforderungen an Disease-Mangement-Programme für Patientinnen mit Brustkrebs bereits im Mai 2003 eingeleitet. Eine mit Vertretern des G-BA und medizinisch-wissenschaftlichen Fachexperten besetzte Arbeitsgruppe hat die Programminhalte überarbeitet, wobei die Überprüfung der medizinischen Anforderungen des bestehenden DMP Brustkrebs im Hinblick auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Änderungen der medizinischen Praxis im Vordergrund stand. Die Inhalte wurden mit den Empfehlungen und Aussagen von aktuellen internationalen evidenz-basierten Leitlinien und der im Juni 2004 veröffentlichten nationalen S3-Leitlinie (Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms der Frau; AWMF-Register Nr. 032/045) abgeglichen und angepasst. Bei der Beratung wurden die Stellungnahmen aus der Anhörung gemäß § 137 f Abs. 2 SGB V ebenso berücksichtigt wie die Stellungnahmen von Bundesärztekammer und Bundespsychotherapeutenkammer gemäß § 91 Abs. 8a SGB V. Neben den eigentlichen medizinischen Programminhalten wurden ergänzend acht krankheitsspezifische Qualitätsziele und -indikatoren definiert sowie eine Anpassung der Dokumentation, mit Blick auf die Qualitätssicherung im Rahmen der BQS vorgenommen.
Die Empfehlungen sind wie folgt untergliedert: Anforderungen an Disease-Mangement-Programme für Brustkrebs, Begründung einschließlich Qualitätsziele, Dokumentation.

Die inhaltlichen Änderungen der vorgelegten Empfehlungen im Vergleich zum derzeit gültigen DMP Brustkrebs beziehen sich beispielsweise auf die
- Konkretisierung der für die individuelle Therapieplanung erforderlichen Befundinhalte,
- Konkretisierung des operativen Vorgehens auf der Grundlage der Leitlinienempfehlungen
- Präzisierung von Zielen und Inhalten der Nachsorge
- Betonung und Präzisierung der stadiengerechten Tumorschmerztherapie

Der langwierige Beratungsprozess verdeutlicht die Schwierigkeiten, konsentierte Empfehlungen nach dem aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnisse für eine onkologische Erkrankung im Rahmen der DMP-Systematik zu definieren. So wurden beispielsweise die Beratungen zur Sentinel-Node-Biopsie und zum Stellenwert des HER2/neu-Rezeptorstatus, letztere auch unter dem Aspekt aktueller Erkenntnisse vom Kongress der American Society of Clinical Oncology 2005 (ASCO), äußerst kontrovers geführt. Aus Krankenhaussicht entspricht insbesondere die Aufnahme der Möglichkeit einer Sentinel-Node-Biopsie der Anpassung an die medizinische Praxis. Vergleichbares gilt für die Bestimmung des HER2/neu-Rezeptorstatus.

Die Tatsache, dass die Programmaktualisierung einvernehmlich beschlossen wurde, schließt nicht aus, dass seitens der DKG-Geschäftsstelle Teilbereiche der Empfehlungen weiterhin eher kritisch beurteilt werden. Dieses gilt beispielsweise für die Anforderungen an die Dokumentation.

Die vom G-BA erarbeiteten Empfehlungen an die Anforderungen an ein DMP Brustkrebs wurden an das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung zur Erstellung einer neuen Rechtsverordnung weitergeleitet. Im Vorwege der Rechtsverordnung wird durch das Ministerium ein weiteres Stellungnahmeverfahren durchgeführt.