Das IQWiG hat am 08.11.2016 den oben genannten Vorbericht veröffentlicht. Bis zum 06.12.2016, 12:00 Uhr können Interessierte hierzu beim IQWiG Stellung nehmen.

Die Bewertung der Tonsillotomie bei chronischer Tonsillitis und Hyperplasie der Tonsillen basiert auf einem Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom 27.11.2015. Inhalt dieses Auftrages an das IQWiG ist die indikationsbezogene Recherche, Darstellung und Bewertung des aktuellen medizinischen Wissenstandes zum Verfahren der Tonsillotomie bei chronischer Tonsillitis und Hyperplasie der Tonsillen.

Mit dem vorliegenden Bericht legt das IQWiG seine (vorläufige) Bewertung dar. Der spätere Abschlussbericht des IQWiG wird eine wichtige Grundlage für das Bewertungsverfahren des G-BA nach § 135 und 137c SGB V (Bewertung von Untersuchungs- und Behandlungsmethoden im ambulanten Bereich sowie im Krankenhaus) darstellen.

In seinem Vorbericht kommt das IQWiG zu folgendem Fazit:

Bei der Beantwortung der Frage nach dem Nutzen der Tonsillotomie im Vergleich zur konservativen Behandlung („z.B. watchful waiting“) ließen sich “zum Vergleich Tonsillotomie versus konservative Behandlung weder relevante noch laufende Studien identifizieren.“

Bei der Nutzenbewertung der Tonsillotomie im Vergleich zur Tonsillektomie „ergab sich für kurzfristige Effekte innerhalb von 2 Wochen nach der Intervention hinsichtlich Schmerz ein Anhaltspunkt und hinsichtlich Schluck- und Schlafstörungen ein Hin-weis auf einen geringeren Schaden der Tonsillotomie. Dagegen zeigte sich für den weiteren Verlauf kein Anhaltspunkt für einen höheren oder geringeren Nutzen oder Schaden der Tonsillotomie im Vergleich zur Tonsillektomie.“

„Für den Endpunkt rezidivierende Tonsillitis und HNO-Infektionen fand sich ein Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen der Tonsillotomie im Vergleich zur Tonsillektomie. Allerdings bleibt aufgrund insgesamt unzureichender Langzeitdaten unklar, ob dies nur in der Indikation Tonsillenhyperplasie (erfasst nach 6 Jahren) oder auch in der Indikation rezidivierende akute Tonsillitis gilt (erfasst nach 12 bis 24 Monaten). Die Datenlage zur erneuten Tonsillenoperation war in beiden Indikationen unzureichend, sodass sich hier kein Anhaltspunkt für einen Nutzen oder Schaden ergab.“

„In der Abwägung zwischen Nutzen und Schaden der Tonsillotomie im Vergleich zur Tonsillektomie stehen sich kurzfristig eine Verringerung der prozeduralen Nebenwir-kungen und langfristig ein möglicherweise geringerer Nutzen gegenüber.“

Insbesondere vor dem Hintergrund des Bewertungsverfahrens nach § 137c SGB V ist die Thematik für Krankenhäuser von Relevanz. Wir möchten Sie daher bitten, die Ihnen angeschlossenen Krankenhäuser kurzfristig über diesen Vorbericht und das damit verbundene Stellungnahmeverfahren zu informieren, damit auf diesem Gebiet klinisch tätige Experten den Bericht bewerten und eine fachlich dezidierte Stellungnahme abgeben können. Für die Überlassung von Kopien solcher Stellungnahmen wären wir Ihnen sehr dankbar.

Bei der Abgabe von Stellungnahmen bestehen formale Anforderungen seitens des IQWiG. Hier sind der „Leitfaden zum Stellungnahmeverfahren zu Vorberichten des Institutes“, das „Formblatt zur schriftlichen Stellungnahme zum Vorbericht“ und das „Formblatt Interessenkonflikte“ zu berücksichtigen. Der Vorbericht und die genannten Formulare sind unter

https://www.iqwig.de/de/projekte-ergebnisse/projekte/nichtmedikamentoese-verfahren/n15-11-tonsillotomie-bei-rezidivierender-akuter-tonsillitis-und-bei-hyperplasie-der-tonsillen.7133.html

im Internet abrufbar.