Die Bewertung der Verfahren zur Lungenvolumenreduktion (LVR) beim schweren Lungenemphysem basiert auf einem Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom 18.12.2014. Inhalt dieses Auftrages an das IQWiG ist die indikationsbezogene Recherche, Darstellung und Bewertung des aktuellen medizinischen Wissenstandes zu den Verfahren der LVR bei oben genannter Indikation.

Mit dem vorliegenden Bericht legt das IQWiG seine (vorläufige) Bewertung dar. Der spätere Abschlussbericht des IQWiG wird eine wichtige Grundlage für den G-BA im Rahmen seines Bewertungsverfahren nach § 137c SGB V (Bewertung von Untersuchungs- und Behandlungsmethoden im Krankenhaus) darstellen.

In seinem Vorbericht kommt das IQWiG zu folgendem Fazit:

Chirurgische LVR: „Für die chirurgische LVR im Vergleich zu keiner zusätzlichen Therapie ergab sich mittelfristig (5-Jahresverlauf) ein Hinweis auf Nutzen durch eine verringerte Gesamtmortalität bei einem Beleg für einen Schaden im Hinblick auf eine kurzfristig (bis 1 Jahr nach Operation) erhöhte Gesamtmortalität. In Hinblick auf weitere Endpunkte wurden Anhaltspunkte für Nutzen bezüglich der Atemnot (als einziges berichtetes COPD-Symptom) und Exazerbationen festgestellt sowie Hinweise auf Nutzen durch verbesserte körperliche Belastbarkeit und gesundheitsbezogene Lebensqualität. Auch im Vergleich zur pneumologischen Rehabilitation fand sich für die chirurgische LVR ein Anhaltspunkt für einen Nutzen hinsichtlich Atemnot und körperlicher Belastbarkeit, dagegen kein Anhaltspunkt für einen Nutzen oder Schaden bezüglich gesundheitsbezogener Lebensqualität. Bezüglich Gesamtmortalität und Exazerbationen oder unerwünschten Ereignissen ergaben sich keine Anhaltspunkte für Nutzen oder Schaden, allerdings bei unzureichender Datenlage. Die Ergebnisse zu unerwünschten Ereignissen waren generell unzureichend berichtet.“

Bronchoskopische Verfahren: „Die Datenlage hinsichtlich der 5 als zusätzliche Therapie untersuchten bronchoskopischen Verfahren ist insgesamt wenig aussagekräftig. Es lagen ausschließlich kurzfristige Ergebnisse (3 Monate bis 1 Jahr) aus teilweise nur singulären Studien (mit teils nur geringen Patientenzahlen) für die einzelnen Interventionsarten vor. Für keines der Verfahren ergab sich ein Anhaltspunkt für einen Nutzen oder Schaden hinsichtlich der Mortalität; bezüglich der Endpunkte Symptomatik (Atemnot), Exazerbationen, körperlicher Belastbarkeit, gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie unerwünschte Ereignisse variierten sie. So ergab sich für die zusätzliche bronchoskopische LVR mit unilateralem Einsatz von endobronchialen Ventilen (EBV) mit dem Ziel vollständiger Okklusion aus 3 Studien ein Hinweis auf Nutzen hinsichtlich gesundheitsbezogener Lebensqualität, dem Anhaltspunkte für Schaden in Hinblick auf vermehrte Exazerbationen sowie unerwünschte Ereignisse entgegenstehen (kein Anhaltspunkt für einen Nutzen oder Schaden bezüglich der anderen Endpunkte). Für die LVR mit bilateralem Einsatz intrabronchialer Ventile (IBV) mit dem Ziel unvollständiger Okklusion (2 Studien) beziehungsweise mittels Polymerschaum (1 Studie) ergaben sich jeweils allein ein Anhaltspunkt für Schaden in Hinblick auf unerwünschte Ereignisse (kein weiterer Anhaltspunkt für Nutzen oder Schaden für alle anderen Endpunkte). Für die bronchoskopische LVR mit Spiralen (1 Studie) ergab sich wiederum allein ein Anhaltspunkt für Nutzen hinsichtlich der körperlichen Belastbarkeit (kein weiterer Anhaltspunkt für einen Nutzen oder Schaden in Bezug auf die anderen Endpunkte). Für die LVR mittels Airway-Bypass-Stents schließlich ergab sich für gar keinen Endpunkt ein Anhaltspunkt für Nutzen oder Schaden.“

Vergleiche chirurgischer und bronchoskopischer LVR-Methoden: „Vergleiche chirurgischer und bronchoskopischer LVR-Methoden miteinander beziehungs-weise untereinander waren nicht beziehungsweise kaum verfügbar. Der einzige Vergleich bronchoskopischer Verfahren (IBV unilateral versus IBV bilateral) ist aufgrund der Datenlage zur bilateralen IBV allein kaum interpretierbar. Für den Vergleich der videoassistierten Thorakoskopie (VATS) mit einer medianen Sterniotomie ergab sich ein Anhaltspunkt für Nutzen hinsichtlich der Krankenhausaufenthaltsdauer zugunsten der VATS.“

Vor dem Hintergrund des Bewertungsverfahrens nach § 137c SGB V ist die Thematik für Krankenhäuser von Relevanz. Wir möchten Sie daher bitten, die Ihnen angeschlossenen Krankenhäuser kurzfristig über diesen Vorbericht und das damit verbundene Stellungnahmeverfahren zu informieren, damit auf diesem Gebiet klinisch tätige Experten den Bericht bewerten und eine fachlich dezidierte Stellungnahme abgeben können. Für die Überlassung von Kopien solcher Stellungnahmen wären wir Ihnen sehr dankbar.

Bei der Abgabe von Stellungnahmen bestehen formale Anforderungen seitens des IQWiG. Hier sind der „Leitfaden zum Stellungnahmeverfahren zu Vorberichten des Institutes“, das „Formblatt zur schriftlichen Stellungnahme zum Vorbericht“ und das „Formblatt Interessenkonflikte“ zu berücksichtigen. Der Vorbericht und die genannten Formulare sind unter

https://www.iqwig.de/de/projekte-ergebnisse/projekte/nichtmedikamentoese-verfahren/n14-04-verfahren-zur-lungenvolumenreduktion-beim-schweren-lungenemphysem.6508.html

und

https://www.iqwig.de/de/sich_beteiligen.2949.html

im Internet abrufbar.