Aufgrund der nach Beschlussfassung noch erforderlichen Abstimmung und Anpassung der Dokumente zu den Tragenden Gründen konnten diese jetzt erst auf der Homepage des G-BA veröffentlicht werden: https://www.g-ba.de/informationen/richtlinien/80/#details/2166/listContext/beschluesse

Inhalt des Beschlusses ist die Konkretisierung der Anforderungen an die Versorgung inklusive dem sogenannten Appendix, der in Abschnitt 1 den Behandlungsumfang basierend auf den Gebührenordnungspositionen (GOP) des einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM) sowie in Abschnitt 2 die bislang nicht im EBM abgebildeten Leistungen fachgebietsspezifisch und abschließend aufführt. Die einzige Ausnahme hiervon bildet der Paragraph 5 Abs. 1 Satz 3 der ASV-RL, nach dem „im Rahmen der ASV § 116b SGB V - Einrichtungen der Krankenhäuser über die im Appendix aufgeführten Gebührenordnungspositionen hinaus fachärztliche Leistungen erbringen, sofern diese in unmittelbarem Zusammenhang zu § 116b SGB V Erkrankungen - stehen, diese in demselben Krankenhaus erbracht werden und den Patientinnen und Patienten eine gesonderte Überweisung in die vertragsärztliche Versorgung nicht zuzumuten ist“.

Das ASV Team für die Behandlung des Marfan-Syndroms setzt sich zusammen aus einem Teamleiter, dem Kernteam und den hinzuzuziehenden Ärzten. Der Teamleiter ist entweder Facharzt für Herzchirurgie oder Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Zum Kernteam gehört zusätzlich zu den beiden genannten Facharztgruppen ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Sofern Kinder und Jugendliche behandelt werden, soll zum Kernteam statt dem Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie ein Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Kinderkardiologie gehören. Diese Ärzte werden untereinander ohne Überweisung tätig. Die sogenannten Hinzuziehenden Ärzte (3. Ebene) hingegen können nur auf Überweisung (Indikations- oder Definitionsauftrag) aus dem Kernteam agieren. Diese 3. Ebene setzt sich zusammen aus je einem Facharzt für Augenheilkunde, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Gefäßchirurgie, Humangenetik, Innere Medizin und Pneumologie, Laboratoriumsmedizin, psychiatrisch/psychotherapeutische Leistungserbringer (FA für Psychiatrie und Psychotherapie oder FA für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder Psychologische oder ärztliche Psychotherapeuten) und Radiologie.

Sofern Kinder und Jugendliche behandelt werden, kann als Option zusätzlich ein Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Zusatzweiterbildung Pneumologie und ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie als Teammitglied benannt werden und Leistungen erbringen.

In der Konkretisierung wird unter 2. Behandlungsumfang der Leistungsumfang beschrieben, den ein Patient in der ASV erwarten kann. Konkretisiert werden diese Leistungen im Appendix, im dem abschließend und fachgruppenspezifisch alle Leistungen, die innerhalb der ASV erbracht werden können, aufgeführt sind. Die Ausnahme hiervon bildet wie oben erwähnt der Paragraph 5 Abs. 1 Satz 3 der ASV-RL.

Bezüglich des Leistungsumfanges, insbesondere bei der Möglichkeit der Behandlung von Begleiterkrankungen und der Schwangerschaftsmitbetreuung, aber auch der Aufnahme weiterer Diagnosen mit dem Marfan-Syndrom verwandten genetischen Störungen unterlag die DKG auf Grund der Stimmverhältnisse in mehreren Punkten in der Abstimmung im Plenum, so dass beispielsweise im Bereich der gynäkologischen Mitbehandlung der mögliche zu erbringende Leistungsumfang enger gesteckt ist, als im Beschlussvorschlag der DKG vorgesehen.

Der mögliche Leistungsumfang der ASV ist jedoch nicht auf den des EBM beschränkt. Vielmehr können Untersuchungs- und Behandlungsmethoden Gegenstand des Leistungsumfanges der ASV sein, soweit der G-BA im Rahmen der Beschlüsse nach § 137c SGB V für die Krankenhausbehandlung keine ablehnende Entscheidung getroffen hat. Mit der Benennung von „Leistungen, die bislang nicht Bestandteil des EBM“ sind, folgt der G-BA diesen Gestaltungsmöglichkeiten im Abschnitt 2 des Appendix. Im Falle des Marfan-Syndroms betrifft dies molekulargenetische Untersuchungen mittels Hochdurchsatzverfahren (NGS). Auch einige augenärztliche Leistungen werden gesondert aufgeführt, da diese nicht im EBM (bzw. nur in nicht berücksichtigten Grundpauschalen für Hinzugezogene Ärzte) abgebildet sind.

Die Regelungen zu den personellen Anforderungen in der ASV-RL wurden entsprechend der ABK-RL grundsätzlich übernommen und redaktionell der neuen Teamgestaltung angepasst.

Labormedizinische und radiologische Leistungen stellen wichtige Säulen in der Diagnostik und der Behandlung von Patienten mit Marfan-Syndrom dar. Der Umfang des direkten Patientenkontaktes findet dabei jedoch selten in dem Maße statt, wie sie der G-BA bei der Beschreibung der Ebene des Kernteams vorsieht. Insofern wurden diese beiden Fachdisziplinen der dritten Ebene (hinzuziehende Ärzte) zugeordnet.

Abweichend von der Konkretisierung in der ABK-RL wurden die sächlichen und organisatorischen Anforderungen, an die geänderte Gesetzeslage angepasst, da im ambulanten Bereich nicht der Sozialdienst aus dem Krankenhaus zur Verfügung steht und insofern eine adäquate Alternative / Formulierung für den ambulanten Bereich gefunden werden musste. Durch den Begriff „Zusammenarbeit“ werden hier verschiedene Formen einer Kooperation abgebildet, der keine schriftliche vertragliche Vereinbarung zugrunde liegen muss.

Die Dokumentation verlangt die Diagnose nach ICD-10-GM sowie das Zusatzkennzeichen zur Diagnosesicherheit.

Von der Festlegung einer Mindestmenge hatte die DKG in ihrem Beschlussentwurf abgesehen, da keine rechtssicheren wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen, dass hierdurch eine deutliche Verbesserung der Qualität der Behandlungsergebnisse erreicht werden kann. Nach derzeitiger Studienlage ist nicht davon auszugehen, dass die Güte der Versorgung von Patienten mit Marfan-Syndrom durch die Einführung einer Mindestmenge adäquat gefördert werden könne (vgl. BSG, Urt. v. 18.12.2012, B 1 KR 34/12 R), so dass nach wissenschaftlichen Maßstäben derzeit keine hinreichende Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhangs zwischen Behandlungsmenge und Behandlungsqualität nachgewiesen werden kann. An diesem Punkt wurde die DKG jedoch im Plenum überstimmt, so dass der G-BA an der Festlegung der Mindestmengen in § 6 ABK-RL mit Beschluss vom 21.02.2008 (50 pro Kernteam) fest hält und diese in die neue Konkretisierung übernommen wurde.

Beim Überweisungserfordernis wurde die Regelung der ABK-Richtlinie übernommen. Demnach besteht ein Überweisungserfordernis durch den behandelnden Vertragsarzt. Da es sich um seltene Erkrankungen nach Anlage 2 handelt, begründet gemäß § 8 Satz 12 ASV-RL auch eine Verdachtsdiagnose die Überweisung. Analog zur gesetzlichen Ausnahmeregelung für die Zuweisung von Patienten aus dem stationären Bereich besteht gemäß § 8 Satz 3 ASV-RL auch für Patienten der im jeweiligen Indikationsgebiet tätigen Vertragsärzte kein Überweisungserfordernis. Diese Ausnahmeregelungen gelten jedoch nur, wenn die Patienten im eigenen ASV-Team behandelt werden.

Die Richtlinie wird nun dem BMG zur Prüfung nach § 94 SGB V vorgelegt. Sie tritt im Falle einer Nichtbeanstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit, am Tag nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.