Das Merkblatt behandelt die verschiedenen Aspekte und Probleme bei der Beurteilung des komplexen Themas Krankenhausabwasser und stellt den Interessierten Informationen für eine Beurteilung von Abwassereinleitungen zur Verfügung. Die Broschüre kann als Anleitung und Hilfe zur Abschätzung eventueller Gefährdungspotentiale, aber auch als Entscheidungshilfe bei Fragen der öffentlichen Abwasserentsorgung dienen. Sie richtet sich sowohl an Planer und Betreiber medizinischer Einrichtungen als auch an die Aufgabenträger der öffentlichen Abwasserbeseitigung und Mitarbeiter von Genehmigungsbehörden.

2006 wurde seitens der DWA entschieden, den neuen Entwicklungen im Gesundheitswesen (wie z.B. die Feststellungen zu Pharmakawirkstoffen in der Umwelt und das vermehrte Auftreten multiresistenter Mikroorganismen) und den neuen Entwicklungen zur Abwasserbeschaffenheit durch eine Aktualisierung des Merkblattes Rechnung zu tragen.

Im Vergleich zum „alten“ Merkblatt aus Februar 2001 haben sich deutliche Änderungen z.B. in den Kapiteln Küche (5.1.1), Badewasseraufbereitung (5.3.5.3), Zahnbehandlung (5.3.7) und Krankheitserreger (6.5) ergeben.

Darüber hinaus wurden die Kapitel Abwassergebühr und absetzbare Wassermengen (4.3), Dekorative Wasserelemente (5.1.6.4), Steckbeckenspülgeräte (5.2.1.3), Chirurgische Ambulanz (5.3.1), Presscontainer (6.3.3) und Elimination von Arzneimittelrückständen aus dem Abwasser (6.4.4) neu eingefügt.

Nachfolgend möchten wir Sie auf die Problematik hinsichtlich der Elimination von Arzneimittelrückständen und Antibiotikaresistenzen aus dem Abwasser hinweisen.

Krankenhausabwasser ist hinsichtlich der meisten Beurteilungskriterien mit häuslichem Abwasser vergleichbar. Dies gilt jedoch nicht für den Parameter AOX (adsorbierbare organisch gebundene Halogene) sowie den Gehalt an Desinfektionsmitteln und Arzneimitteln. Daher wurde im Rahmen der Überarbeitung des Merkblatts intensiv darüber diskutiert, ob eine Abwasserbehandlung zur Elimination von Arzneimittelrückresten und Antibiotikaresistenzen aus öko-toxikologischer Sicht notwendig ist, und wenn ja, ob hierfür eine weitergehende Behandlung zentral durch die kommunale Kläranlage oder eine dezentrale Vorbehandlung am Krankenhaus sinnvoller ist.

Fazit dieser Diskussion war, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine einheitliche wissenschaftliche Auffassung gibt, aus der sich eindeutige Handlungsempfehlungen für oder gegen eine dezentrale Vorbehandlung von Krankenhausabwasser ableiten ließen. Das Merkblatt M 775 trägt dieser Situation insbesondere in den Kapiteln 6 und 7 Rechnung. Neue Entwicklungen / Studien werden ggf. zu einer Neubewertung der Problematik führen.

Derzeit sprechen u.a folgende Erkenntnisse gegen eine dezentrale Vorbehandlung des Abwassers am Krankenhaus:

- Schätzungsweise die Hälfte aller Röntgenkontrastmittel wird im Krankenhaus, die andere Hälfte bei niedergelassenen Ärzten verabreicht. Untersuchungen haben gezeigt, dass Röntgenkontrastmittel – auch wegen der großen Zahl ambulanter Untersuchungen – überwiegend im häuslichen Bereich ausgeschieden werden.
- Da Röntgenkontrastmittel biologisch schwer abbaubar sind und auch keine Substitutionsmöglichkeit existiert, wurde eine Studie zur Prüfung einer Getrenntsammlung von Patientenurin im Krankenhaus durchgeführt. Diese hat gezeigt, dass aufgrund der begrenzten Kooperation der Patienten und des hohen Anteils ambulanter Kontrastmitteluntersuchungen, die Gesamtfracht an Röntgenkontrastmittel lediglich um 25% verringert werden konnte.
- Hinsichtlich der Arzneimitteleinträge haben Untersuchungen gezeigt, dass die Hauptfracht des Abwassers aus privaten Haushalten stammt. Bis auf sehr wenige Ausnahmen liegt der Arzneimittelverbrauch in den privaten Haushalten deutlich über demjenigen der Krankenhäuser.
- Gleiches gilt für Zytostatika – auch diese werden überwiegend im ambulanten Bereich angewendet (und ausgeschieden).
- Auch erschweren die bauliche Situation und die Verteilung der medikamentenhaltigen Anfallstellen über den gesamten Gebäudekomplex die Erfassung einzelner, hochbelasteter Abwasserteilströme.

Schlussfolgerungen:
- Aktuellen Erkenntnissen zufolge sind Krankenhäuser für maximal 20% des Gesamteintrags an Arzneimittelrückständen im Abwasser verantwortlich. Eine Behandlung von Krankenhausabwasser wäre daher allenfalls an Hot Spots mit besonders problematischen Substanzen sinnvoll, ist gleichzeitig aber in bestehenden Einrichtungen nur schwer zu realisieren.
- Dagegen erscheint die zentrale Behandlung im Ablauf der kommunalen Kläranlage technisch realisierbar und finanziell vertretbar.
- Bei Neubauten sollte die getrennte Erfassung des Abwassers zum Zweck der separaten Behandlung schon bei der Planung der Abwasserleitungen berücksichtigt werden.

Als Anlage stellen wir Ihnen das Inhaltsverzeichnis zur Verfügung.

Das Merkblatt M 775 wird auch direkt über die Deutsche Krankenhaus Verlagsgesellschaft (DKVG) vertrieben und kann dort schriftlich bzw. über die Homepage der DKVG zu einem Preis von 66,00 € (inkl. MwSt. und Versandkosten) bestellt werden:

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