Im letzten Jahr warb das Robert Koch-Institut (RKI) mit einer Brief-Aktion bei allen Krankenhäusern für eine Steigerung der Influenza-Impfung bei ärztlichem und Pflegepersonal. Die neuen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) vom Juli diesen Jahres bringen die Wichtigkeit der Influenza-Impfung bei medizinischem Personal noch deutlicher als je zuvor zum Ausdruck: "Personen mit erhöhter Gefährdung, z.B. medizinisches Personal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr sowie Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute ungeimpfte Risikopersonen fungieren können", sollen gegen Influenza geimpft werden.

Nach einer im November 2001 in 34 Krankenhäusern durchgeführten Studie des RKI gaben etwa zwei Drittel der befragten Krankenhäuser an, dass sie die Influenza-Impfung ihren Beschäftigten empfehlen und sogar kostenlos anbieten. Dennoch wird die offenbar bestehen-de Möglichkeit der Grippe-Impfung unter Beschäftigten bei medizinischem Personal bislang noch viel zu wenig angenommen: das ärztliche und Pflegepersonal in den oben genannten Krankenhäusern war im Winter 2000/01 nur zu 15 Prozent gegen Grippe geimpft. Dabei gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Berufsgruppen. Trotz des erhöhten Eigenrisikos, an Influenza zu erkranken (Elder, 1996), schätzten 55 Prozent der Befragten ihr diesbezügliches Risiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung als niedriger oder gleich ein. Obwohl die Schutzwirkung des Impfstoffes gegen Influenza in der Bevölkerung der unter 60-Jährigen während der meisten Winter mit 70-90 Prozent hervorragend ist, gaben 65 Prozent des medizinischen Personals an, dass der Influenza-Impfstoff "wenig effektiv" sei oder konnten keine Aussage machen. Obwohl der Grippe-Impfstoff ein Tot-Impfstoff ist, glaubten 20 Prozent sogar, dass eine Influenza-Impfung eine Grippe hervorrufen kann.

Offensichtliche Vorteile einer breiten Influenza-Impfung unter medizinischem Personal ist die Verhinderung nosokomialer Influenza-Infektionen (und damit Verlängerung der Liegezeiten der Patienten) sowie die Verringerung von Fehlzeiten beim Personal und damit Verhinderung von Personalengpässen.

Für die kommende Saison rufen das RKI, die DKG und viele Verbände des Gesundheitswesen zur Influenza-Impfung bei medizinischem Personal auf. Zusätzlich werden den Krankenhäu-sern Mitte bis Ende September durch das RKI Materialien zugehen, die ihnen bei der Auf-klärungsarbeit im Krankenhaus helfen sollen. Die Materialien umfassen Aufklärungsposter, Vorschläge zur Optimierung der Impfstrategie, eine CD mit einem Vortrag bei Personal-versammlungen sowie Formulierungsvorschläge für Briefe oder E-Mails an die Mitarbeiter. Diese Informationen sind auch auf der Webseite des RKI verfügbar.

Eine konzertierte Aktion, z.B. von Krankenhausleitung, Pflegedienstleitung, Hygienebeauf-tragtem, Sicherheitsbeauftragtem, Betriebsrat und Personalrat, kann die Umsetzung der Steigerung der Influenza-Impfrate für Beschäftigte in Krankenhäusern effizient durchsetzen. Für die praktische Umsetzung geeignet sind v.a. ein aktiv aufsuchendes Impfen seitens der Betriebsärztin bzw. des Betriebsarztes, z.B. mittels eines mobilen Impfteams oder die Einrich-tung von speziellen Impftagen für das Personal.

Weitere Informationen sind bei Herrn Dr. Buchholz im RKI (Tel.: 030-4547 3486) und unter www.rki.de/INFEKT/INFEKT.HTM erhältlich.