Das Inhouse-Koordinationsprojekt wurde vor dem Hintergrund der anhaltend niedrigen Organspenderzahlen in Deutschland im Jahr 2010 zwischen der Deutschen Stiftung Organtransplantation und einer Reihe von großen Krankenhäusern vereinbart und von der DKG unterstützt. Die wissenschaftliche Begleitung wurde durch das DKI sichergestellt. Es wurden drei definierte Zielsetzungen verfolgen: 1. Die Verbesserung von Organisation und Prozessen der Organspende in den Projektkrankenhäusern, 2. die Analyse und 3. ggf. die Ausschöpfung eines zusätzlichen Spenderpotentials. Der Abschlussbericht wurde im Oktober 2012 vorgelegt und gemeinsam durch die DKG und die DSO bewertet (Pressemeldung vom 15.11.2012).

Im Ergebnis kann zunächst festgehalten werden, dass sich 112 große Krankenhäuser und damit mehr als zwei Drittel freiwillig an dem Projekt beteiligt haben. Damit ist dokumentiert, dass die Organspende als Grundlage für die Transplantationsmedizin in deutschen Krankenhäusern nicht nur akzeptiert, sondern auch aktiv unterstützt wird.

Jedes beteiligte Krankenhaus hat im Projektzeitraum durchschnittlich sechs Verbesserungsmaßnahmen geplant oder durchgeführt und damit den Ablauf einer Organspende verbessert. Beispielsweise lagen am Projektende in nahezu allen beteiligten Krankenhäusern schriftliche Standard-Verfahrensanweisungen für die Organspende vor. Damit kann das erste Ziel des Projektes als erreicht gelten.

Um ein mögliches zusätzliches Spenderpotential zu identifizieren wurden alle Todesfälle mit primärer oder sekundärer Hirnschädigung selektiert und anhand eines standardisierten Bewertungsschemas hinsichtlich einer möglichen Eignung als Organspender bewertet. Hierbei wurden zunächst alle Patienten ausgeschlossen, bei denen mit Sicherheit kein zusätzliches Spenderpotential vorhanden war (absolute medizinische Kontraindikationen, keine Beatmung und bereits an die DSO gemeldete Fälle). Die übrigen 8906 Fälle (38,8% aller untersuchten Todesfälle) wurden in einem strukturierten Dialog gemeinsam durch den Inhouse-Koordinator des Krankenhauses und den DSO-Koordinator hinsichtlich einer Indikation zur Hirntod-Diagnostik beziehungsweise der Klärung einer möglichen Organspende bewertet. In diesem Prozess wurden insgesamt 411 Patienten (1,8 % aller untersuchten Todesfälle) identifiziert, bei denen dies nach übereinstimmender Einschätzung sinnvoll gewesen wäre. Bei weiteren 99 Fällen (0,4% aller untersuchten Todesfälle) war diese Einschätzung strittig.

Bezogen auf die im Projektzeitraum tatsächlich realisierten 1327 Organspender in den Projektkrankenhäusern hätte sich eine Steigerung der Organspenderzahlen um ca. 31% ergeben, wenn die 411 potentiellen Organspender auch tatsächlich Organspender geworden wären. Diese Annahme ist jedoch rein hypothetisch. Erfahrungsgemäß wäre ein größerer Teil dieser Patienten aus verschiedenen Gründen nicht Organspender geworden (z.B. Komplikationen der intensivmedizinischen Behandlung, kein Hirntod festgestellt, weitere Kontraindikationen z.B. im Rahmen der Diagnostik vor einer Organspende oder im Rahmen der Organentnahme). Das tatsächlich vorhandene zusätzliche Spenderpotential wäre daher deutlich niedriger ausfallen. Allerdings wäre dieses zusätzliche Potential sehr unterschiedlich unter den Projektkrankenhäusern verteilt gewesen. Die Krankenhäuser, in denen möglicherwiese eine ganze Reihe zusätzlicher Organspender hätten gewonnen werden können, sollten die Prozesse zur Umsetzung der Organspende überprüfen. Vor dem Hintergrund der geringen Zahl von Organspendern in Deutschland ist jede einzelne Organspende von Bedeutung.

Im Rahmen dieser Analyse hat sich auch gezeigt, dass Therapielimitierungen (Beatmungszeit 0 h) und Patientenverfügungen (im weitesten Sinne) das zusätzliche Potential an Organspendern begrenzen. Beide Bereiche haben erhebliche kulturelle und ethische Dimensionen. Ob die Frage der Therapie am Lebensende in Deutschland einer Regelung z.B. in Form der Qualitätssicherung – mit dem Ziel der Steigerung der Organspender – zugänglich ist, ist aus Sicht der DKG mindestens kritisch zu bewerten. Patientenverfügungen sind häufig nicht rechtlich bindend abgefasst und berücksichtigen selten die Möglichkeit einer Organspende bei der Frage nach dem Umgang mit lebensverlängernden Maßnahmen.

Insgesamt ist die Quantifizierung des zusätzlichen Potentials an Organspendern in großen Krankenhäusern aus Sicht der DKG ein Erfolg. Der vielerorts erhobene pauschale Vorwurf, die Krankenhäuser würden Organspender nicht melden, ist in dieser Form widerlegt. In diesem Zusammenhang sei insbesondere darauf hingewiesen, dass es sich um eine gemeinsame Beurteilung der DSO und der Krankenhäuser handelte. Einschränkend gilt, dass für die kleineren Krankenhäuser keine Informationen vorliegen, da diese in das Projekt nicht einbezogen waren.

Das Ziel der möglichst vollständigen Ausschöpfung des zusätzlichen Spenderpotentials im Projektverlauf konnte nur teilweise erreicht werden. Mit Ausnahme eines Quartals lagen die Spenderzahlen in den Projektkrankenhäusern über den Zahlen der nicht teilnehmenden großen Krankenhäuser. Dies kann aber auch eine Folge der Selektion der teilnehmenden Häuser sein.

Insgesamt ist das Projekt von den beteiligten Institutionen als Erfolg bewertet worden. Es bietet eine Grundlage für die Arbeit der nach dem Transplantationsgesetz nunmehr zu bestellenden Transplantationsbeauftragten. Das DKI empfiehlt, die Inhouse-Koordination weiterzuführen und auf andere Krankenhäuser zu übertragen. Dies betrifft insbesondere die systematische Analyse von Todesfällen mit primärer oder sekundärer Hirnschädigung, Prozessstandards, strukturierte Dialoge und orientierende Gespräche bei Patienten mit Verdacht auf Hirntod. Weitere Verbesserungsmöglichkeiten bestehen z.B. in Maßnahmen, die geeignet sind, prospektiv mögliche Organspender zu identifizieren.

Die wichtigsten Ergebnisse sind aus Sicht des DKI zu Beginn des Abschlussberichtes zusammengefasst worden.