Die 18. ADRÄndV enthält die Änderungen für das ADR 2007, die zum 01.01.2007 in Kraft treten. Unverändert zu den Vorjahren besteht eine allgemeine Übergangsfrist bis zum 30.06.2007.

Erneut finden sich umfassende Änderungen in dem die Klasse 6.2 (ansteckungsgefährliche Stoffe) betreffenden Kapitel:

Im Folgenden werden die für den Krankenhausbereich wichtigsten Neuregelungen kurz skizziert:

Diagnostische Proben - Biologische Stoffe

Der Begriff "Diagnostische Proben" wird ersetzt durch den Begriff "Biologische Stoffe". Die offizielle Bezeichnung für die UN-Nr. 3373 lautet folglich ab 2007 "Biologischer Stoff, Kategorie B".

Hiervon abzugrenzen sind zukünftig die so genannten "Patientenproben", die in Abschnitt 2.2.62.1.3 definiert werden.

Kategorie B

Durch Streichung des letzten Halbsatzes wird die Definition von Kategorie B-Stoffen geändert. Hierunter fallen nun alle ansteckungsgefährlichen Stoffe, die nicht den Kriterien für eine Aufnahme in die Kategorie A entsprechen. Diese werden mit der UN-Nr. 3373 gekennzeichnet. Die offizielle Benennung lautet "Biologische Stoffe, Kategorie B".

Bedingt durch die Definitionsänderung werden nun auch Kulturen von Stoffen der Kategorie B der Kategorie B zugeordnet. Bisher wurden Kulturen von Kategorie B-Mikroorganismen grundsätzlich der Kategorie A zugeordnet. Ausgenommen von dieser neuen Regelung bleiben diejenigen Kulturen von Kategorie B-Erregern, die bereits jetzt in der Tabelle unter 2.2.62.1.4.1 gelistet sind (sog. indikative Liste - Anlage 2 - alle durch das ADR 2007 geänderten bzw. neu aufgenommenen Mikroorganismen sind grau unterlegt).

Patientenproben

Hierbei handelt es sich um von Menschen/Tieren entnommenes Material (Proben), wie z.B. Blut, Gewebe, Abstriche, Ausscheidungsstoffe, Sekrete oder Körperteile, die insbesondere zu Diagnose-, Untersuchungs-, Behandlungs-, Vorsorge- oder Forschungszwecken befördert werden. Patientenproben sind also z.B. Blut- oder Urinproben zur Kontrolle des Cholesterinspiegels, des Blutzuckerspiegels oder eines Hormonspiegels. Hierunter fallen aber auch Drogen- oder Alkoholtests, Schwangerschaftstests, Antikörpernachweise sowie Biopsien zur Malignitäts-feststellung.

Bei diesen Patientenproben wird davon ausgegangen, dass nur eine minimale Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie Krankheitserreger enthalten. Daher unterliegen sie nicht den Vorschriften des ADR, sofern die Verpackung folgende Bedingungen erfüllt:

Sie besteht aus drei Bestandteilen: je einem wasserdichten Primär- und Sekundär-Gefäß sowie einer festen Außenverpackung. Eine Oberfläche der Außenverpackung muss mindestens 100x100mm groß sein. Die Verpackung muss mit dem Ausdruck "freigestellte medizinische Probe" (bzw. "freigestellte veterinärmedizinische Probe") gekennzeichnet werden.

Bei flüssigen Proben muss zwischen dem Primär- und Sekundärgefäß absorbierendes Material eingesetzt werden, dass im Schadensfall den gesamten flüssigen Inhalt aufnehmen könnte.

Um zu entscheiden, ob eine Probe nach diesen Vorschriften (Abs. 2.2.62.1.5.6) freigestellt ist, müssen die Anamnese, die Symptome des Patienten sowie auch individuelle Gegebenheiten bzw. lokale endemische Bedingungen berücksichtigt werden.

Kulturen

Auch die Definition von "Kulturen" wird geändert: Kulturen werden nun als das Ergebnis eines Prozesses definiert, bei dem Krankheitserreger absichtlich vermehrt werden. Diese Begriffsbestimmung schließt nunmehr auch die bisher ausgenommenen Kulturen für diagnostische und klinische Zwecke ein!

Aber: Patientenproben sind keine Kulturen!

Damit einher gehenden Änderungen der Tabelle in Abschnitt 2.2.62.1.4.1:

Bisher fallen die Kulturen der Mikroorganismen 
o Escherichia coli, verotoxigen,
o Mycobakterium tuberculosis und
o Shigella dysenteriae type 1
unter die Kategorie A - UN-Nr. 2814. Zukünftig dürfen Kulturen dieser drei Mikroorganismen, die für diagnostische oder klinische Zwecke vorgesehen sind, als Stoffe der Kategorie B klassifiziert werden.

Weiterhin wird die Klassifizierung der folgenden 3 Viren, die bisher als Kategorie A eingestuft waren, dahingehend geändert, dass diese zukünftig nur noch als Kulturen der Kategorie A zugeordnet werden müssen:
o Tollwut-Virus,
o Rifttal-Fiebervirus sowie
o Virus der Venezuela-Pferde-Encephalitis.
Abfälle, die mit diesen 3 Viren kontaminiert sind, dürfen zukünftig also als UN-Nr. 3291 transportiert werden.

Freistellungen

Abschnitt 2.2.62.1.5 erhält die Überschrift "Freistellungen". Die bisherigen Absätze 2.2.62.1.5 - 2.2.62.1.7 werden nun unter dieser Überschrift neu gefasst und durch drei weitere Absätze ergänzt.

Freigestellt werden nun auch
o Stoffe, die Mikroorganismen enthalten, die nicht human- oder tierpathogen sind,
o Stoffe, deren enthaltende Mikroorganismen neutralisiert oder deaktiviert wurden sowie
o Stoffe, bei denen sich die Konzentration der Krankheitserreger auf einem in der Natur vorkommenden Niveau befindet. Dies ist z.B. wichtig für die Beförderung von Nahrungsmitteln oder Wasserproben.

Ergänzend wird festgelegt, dass die Beförderung von Screeningtests für im Stuhl enthaltenes Blut (z.B. Haemoccult-Test) ebenfalls freigestellt ist.

Weiterhin fallen unter die freigestellten Beförderungen auch die bereits o.g. Patientenproben.

Medizinische oder klinische Abfälle

Analog zur Neudefinition der Kategorie B wird nun auch die Definition der Abfälle geändert:

- Medizinische oder klinische Abfälle, die ansteckungsgefährliche Stoffe der Kategorie A enthalten, sind der UN-Nr. 2814 bzw. 2900 zuzuordnen.
- Abfälle, die ansteckungsgefährliche Stoffe der Kategorie B enthalten, sind der
UN-Nr. 3291 zuzuordnen.

Durch 2 neue, ergänzende Bemerkungen wird nun auch ein Bezug zu der Einteilung der Abfälle nach dem Europäischen Abfallkatalog in der "Richtlinie der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall über die ordnungsgemäße Entsorgung von Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes" hergestellt:

Bemerkung 1 weist darauf hin, dass Abfälle des EAK 180103* bzw. 180202* auch nach diesen Vorschriften (ADR) klassifiziert werden müssen. D.h., infektiöse Abfälle des Abfallschlüssels 180103*, die von Patienten stammen, deren Erreger der Kategorie B zuzuordnen sind, sind als Abfälle der UN-Nr. 3291 zuzuordnen. Lediglich Abfälle von Patienten, die mit Erregern der Kategorie A infiziert sind (z.B. Ebola-Virus) sind als Abfälle der UN-Nr. 2814 zuzuordnen.

Wichtiger für den klinischen Alltag erscheint noch die 2. Bemerkung unter Abschnitt 2.2.62.1.11.2. Hier wird klargestellt, dass unter Bezugnahme auf den Europäischen Abfallkatalog, Abfälle des AS 180104 bzw. AS 180203 nicht den Vorschriften des ADR unterliegen.

Durch diese Änderungen im ADR 2007 wird nun eine langjährige Diskussion beendet, indem eindeutig klargestellt wird, dass Abfälle des AS 180104 nicht dem ADR unterliegen und der größte Teil der im Krankenhaus üblicherweise anfallenden infektiösen Abfälle (AS 1801013*) unter der UN-Nr. 3291 transportiert werden dürfen (Diese Klarstellung wurde bisher mangels fehlender Regelung im ADR durch die RSE vorgenommen. Insofern ergeben sich für die Entsorgungspraxis keine Änderungen).

Verpackungsanweisung P 650

Die Verpackungsanweisung P 650 wird erneut geändert und ergänzt. Neu ist z.B., dass entweder die Sekundärverpackung oder die Außenverpackung starr sein muss. Das aufgedruckte Kennzeichen mit der UN-Nr. 3373 muss eine Mindestabmessung von 50x50mm haben. Direkt daneben muss auf der Außenverpackung die offizielle Benennung für die Beförderung "Biologischer Stoff, Kategorie B" mit einer Buchstabenhöhe von 6mm angebracht werden.

Neu ist ebenfalls die Vorgabe einer Mindestgröße für eine der Oberflächen der Außenverpackung von 100x100mm.

Ergänzt wird die Anweisung durch einen neuen Absatz über die Zulässigkeit der Zusammenpackung mit anderen gefährlichen Gütern.

Beförderung

Die Anforderungen an die Transportbedingungen sind abhängig vom Transportunternehmen (z.B. Deutsche Post, DHL, FedEx, GO, TNT).

Für eine Beförderung mit der Deutschen Post sind z.B. folgende Bedingungen einzuhalten:

Die "Regelungen für die Beförderung von ansteckungsgefährlichen Stoffen - Brief national" der Deutschen Post werden zum 01.01.2007 angepasst und sind dann über die Homepage der Deutschen Post unter www.deutschepost.de (- Information und Unterhaltung - Downloadcenter - AGB) abrufbar.

Unverändert werden für den Posttransport als Maxibrief nur Biologische Stoffe der Kategorie B, UN-Nr. 3373 bis WHO-Risikogruppe 2 zugelassen. Die kistenförmige Verpackung muss den Anorderungen der Verpackungsvorschrift
PI 650 (IATA-DRG) entsprechen:

Eine Fläche der Außenverpackung muss mindestens 100x100x30mm groß sein.

Das Versandstück muss mit
o Name und Anschrift des Absenders, Telefon-Nr. einer verantwortlichen Person,
o UN-Nr. 3373 und offizieller Benennung "Biologischer Stoff, Kategorie B" sowie
o Kennzeichnung für die Bauartprüfung
versehen sein. Das bisher geforderte violette Symbol mit weißem Äskulapstab entfällt.

Darüber hinaus können als Groß- oder Maxibrief die sog. Patientenproben sowie alle unter Abschnitt 2.2.62.1.5 vom ADR freigestellten Stoffe befördert werden. Für die Beförderung der Patientenproben wird eine zusammengesetzte Verpackung gemäß Abschnitt 2.2.62.1.5.6 ADR gefordert (s.o.). Für die anderen freigestellten Stoffe muss als Außenverpackung eine kistenförmigen Verpackung aus Pappe oder eine Versandhülle aus reißfesten Papier / Kunststofffolie verwendet werden.

Für die Beförderung in Paketen oder Päckchen durch DHL sind die "Regelungen für die Postbeförderung von gefährlichen Stoffen und Gegenständen" maßgeblich. Transportiert werden nur Proben / Produkte, von denen dem Absender bekannt ist, dass keine ansteckungsgefährlichen Stoffe enthalten sind. Gefordert wird eine Verpackung, die im Aufbau der Verpackungsanweisung P 650 entspricht.

ABER:
Die DHL Express Vertriebs GmbH und Co. OHG (eine Tochtergesellschaft der Deutschen Post) befördert die UN-Nr. 3373, d.h. Kategorie B bis zur WHO-Risikogruppe 3, als Express-Paket. Für den Versand dieses Express-Paketes ist eine Zusatzvereinbarung erforderlich, die als Faxvorlage von der Homepage der DHL unter www.dhl.de (- Geschäftskunden - Paket/Express - Express national - Zusatzleistungen - Gefahrgut) heruntergeladen werden kann.

Die weiteren Regelungen entnehmen Sie bitte der Anlage zur 18. ADRÄndV selbst.