Vemurafenib (Zelboraf®) zur Behandlung des nicht resezierbaren oder metastasierten Melanoms

Vemurafenib (Zelboraf®) wird als Monotherapie eingesetzt zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit BRAF-V600 Mutation-positivem nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom.

Der G-BA hat den Zusatznutzen von Vemurafenib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Dacarbazin wie folgt bewertet:

Hinweis für einen beträchtlichen Zusatznutzen.

Für die Nutzenbewertung lag eine relevante randomisierte offene Studie zugrunde, in der Vemurafenib (2x täglich 960 mg oral) mit Dacarbazin (1000mg/m2 Körperoberfläche i.v., alle 3 Wochen) verglichen wurde. Für den Endpunkt Gesamtüberleben konnte Vemurafenib eine statistisch signifikante Verlängerung gegenüber Dacarbazin zeigen. Der G-BA hat die erreichte Verlängerung des Gesamtüberlebens nach den Kriterien der Arzneimittel-Nutzenbewertungs-Verordnung als eine moderate Verlängerung der Überlebensdauer eingestuft und damit als beträchtlichen Zusatznutzen bewertet. Bezüglich des Morbiditätsendpunktes Schmerz konnte kein Unterschied zwischen den Therapien beobachtet werden, weitere Morbiditätsaspekte wurden nicht untersucht. Für den Endpunkt Lebensqualität verwendete der pharmazeutische Unternehmer eine modifizierte, um den chirurgischen Anteil gekürzte Version des FACT-M-Fragebogens. Der G-BA betrachtete den dadurch neu entstehenden Gesamtscore als nicht ausreichend validiert an, um ihn in die Bewertung einzubeziehen. Bezüglich der Lebensqualität konnte auch bei Betrachtung der Subskalen des Fragebogens kein Vor- oder Nachteil für Vemurafenib festgestellt werden.

Den positiven Effekten von Vemurafenib stehen z.T. ungewöhnliche Nebenwirkungen (wie Neoplasien der Schleimhäute) gegenüber, diese werden in der Gesamtschau als für die Patienten bedeutend, aber als behandelbar eingestuft. Daher führen sie auch unter Berücksichtigung der Schwere der Erkrankung nicht zu einer Herabstufung des Ausmaßes des Zusatznutzens. Allerdings begründen die vielfältigen und speziellen Nebenwirkungen die Anforderung an den behandelnden Arzt, eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit und Mitbetreuung der Patienten durch weitere Fachärzte zu koordinieren, die im Beschluss unter den Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung vorgegeben wird.


Vandetanib (Caprelsa®) für die Behandlung von aggressivem und symptomatischem medullärem Schilddrüsenkarzinom (MTC)

Der Wirkstoff Vandetanib wird eingesetzt zur Behandlung von aggressivem und symptomatischem medullärem Schilddrüsenkarzinom (MTC) bei Patienten mit nicht resektabler, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung. Bei Patienten, deren Rearranged during Transfection-(RET)-Mutationsstatus nicht bekannt oder negativ ist, sollte vor der Entscheidung über eine individuelle Behandlung ein möglicherweise geringerer Nutzen berücksichtigt werden.

Der G-BA hat den Zusatznutzen von Vandetanib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie „Best Supportive Care“ wie folgt bewertet:

Da die für die Nutzenbewertung erforderlichen Nachweise nicht vollständig vorgelegt worden sind, gilt der Zusatznutzen im Verhältnis zur zweckmäßigen Vergleichstherapie als nicht belegt.

Für die Nutzenbewertung lag eine relevante Studie vor. In dieser Studie wurde Best Supportive Care plus Vandetanib mit Best Supportive Care plus Placebo verglichen, der Vergleich entsprach somit der Festlegung des G-BA. Der pharmazeutische Unternehmer hat in seinem Dossier allerdings nur die Ergebnisse der Gesamtstudienpopulation dargestellt und nicht die Ergebnisse für die Zulassungspopulation. Die Zulassung wurde allerdings nur für die Subgruppe der aggressiven und symptomatischen Patienten erteilt. Aufgrund der fehlenden Subgruppennalyse ist das Dossier als unvollständig anzusehen. Dem pharmazeutischen Unternehmer steht aber der mit der 3. Lesung der 16. AMG-Novelle in Kraft getretene Weg offen, sofort eine erneute Nutzenbewertung zu beantragen.


Die Beschlüsse inklusive der Tragenden Gründe und der Zusammenfassenden Dokumentation können in Kürze auf der Internetpräsenz des G-BA eingesehen werden:

http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/.

Für beide Präparate beginnen nun die Erstattungspreisverhandlungen zwischen den pharmazeutischen Unternehmen und dem GKV-Spitzenverband. Wobei zu beachten ist, dass nach § 130 b Abs. 3 für ein Arzneimittel, das keinen Zusatznutzen hat, ein Erstattungspreis vereinbart werden soll, der nicht zu höheren Jahrestherapiekosten führt als die bestimmte zweckmäßige Vergleichstherapie.