Der G-BA hat die vom IQWiG erstellten Nutzenbewertungen zu Vandetanib (Caprelsa®) und zu Vemurafenib (Zelboraf®) auf seiner Internetpräsenz (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/) veröffentlicht und die Stellungnahme-Verfahren eröffnet.

Vandetanib (Caprelsa®) für die Behandlung von aggressivem und symptomatischem medullärem Schilddrüsenkarzinom (MTC)

Der Wirkstoff Vandetanib ist indiziert für die Behandlung von aggressivem und symptomatischem medullärem Schilddrüsenkarzinom (MTC) bei Patienten mit nicht resektabler, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung. Der G-BA hat für die Nutzenbewertung „Best Supportive Care“ als zweckmäßige Vergleichstherapie bestimmt. Eine Kurzfassung der Nutzenbewertung des IQWiGs steht hier zum Download bereit.

Für die Nutzenbewertung lag eine relevante Studie vor. In dieser Studie wurde Best Supportive Care plus Vandetanib mit Best Supportive Care plus Placebo verglichen, der Vergleich entsprach somit der Festlegung des G-BAs. In seiner Nutzenbewertung stellt das IQWiG jedoch fest, dass der pharmazeutische Unternehmer nur die Ergebnisse der Studienpopulation dargestellt hat und nicht die Ergebnisse für die Zulassungspopulation. Die Zulassungspopulation weicht insofern von der Studienpopulation ab, als dass Vandetanib nur zur Behandlung des aggressiven und gleichzeitig symptomatischen medullären Schilddrüsenkarzinoms indiziert ist. Bei den Patienten, die in die Studie eingeschlossen wurden (Studienpopulation) musste der Krankheitsverlauf jedoch nicht notwendigerweise aggressiv und symptomatisch sein. Laut IQWiG führt die EMA im Rahmen des Zulassungsprozesses hierzu aus, dass circa die Hälfte der in die Studie eingeschlossenen Patienten der späteren Zulassung entspricht. Das IQWiG ist der Auffassung, dass der pharmazeutische Unternehmer in seinem Dossier die Daten für die Zulassungspopulation hätte darstellen können und sollen und sieht daher das eingereichte Dossier als unvollständig an. Da die eingereichten Daten für die Studienpopulation keine validen Rückschlüsse auf die Zulassungspopulation zuließen, bewertete das IQWiG den Zusatznutzen von Vandetanib wie folgt:

„Aufgrund der inhaltlichen Unvollständigkeit des Dossiers ergibt sich kein Beleg für einen Zusatznutzen von Vandetanib im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie. Damit gibt es auch keine Patientengruppen, für die sich ein therapeutisch bedeutsamer Zusatznutzen ableiten lässt.“


Vemurafenib (Zelboraf®) zur Behandlung des nicht resezierbaren oder metastasierten Melanoms

Vemurafenib (Zelboraf®) wird als Monotherapie eingesetzt zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit BRAF-V600 Mutation-positivem nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom. Der G-BA hat für die Nutzenbewertung Dacabazin als zweckmäßige Vergleichstherapie bestimmt. Eine Kurzfassung der Nutzenbewertung des IQWiGs steht hier zum Download bereit.

Für die Nutzenbewertung lag eine relevante randomisierte offene Studie zugrunde, in der Vemurafenib (2x täglich 960 mg oral) mit Dacarbazin (1000mg/m2 Körperoberfläche i.v., alle 3 Wochen) verglichen wurde. Für den Endpunkt Gesamtüberleben konnte Vemurafenib eine statistisch signifikante Verlängerung gegenüber Dacarbazin zeigen. Das IQWiG schätzt das Ausmaß der erreichten Effekte als erheblich ein. Für den Endpunkt Lebensqualität verwendet der pharmazeutische Unternehmer eine modifizierte, um den chirurgischen Anteil gekürzte Version des FACT-M Fragebogens an. Das IQWiG sieht den dadurch neu entstehenden Gesamtscore als nicht validiert an und zieht für die Bewertung nur die Ergebnisse der Subskalen heran. Für die Subskala physisches Wohlbefinden findet sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten Vemurafenibs, für die Subskala emotionales Wohlbefinden ein statistisch signifikanter Unterschied zuungunsten von Vemurafenib. Das IQWiG führt jedoch aus, dass die Bewertung der Relevanz der Effekte ergab, dass ein irrelevanter Effekt nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Daher sieht das IQWiG einen Vor- oder Nachteil von Vemurafenib, bezogen auf den Endpunkt Lebensqualität als nicht belegt an. Bezüglich der aufgetretenen Nebenwirkungen zeigte sich ein statistisch signifikant ungünstiger Effekt für Vemurafenib, insbesondere für die unerwünschten Ereignisse mit CTCAE-Grad ≥ 3 und die schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse (SUEs). Das IQWiG bewertet hierzu das Ausmaß als erheblich. Insgesamt bewertet das IQWiG die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß des Zusatznutzens von Vemurafenib wie folgt:

„Aufgrund des erheblichen Schadenspotenzials für schwere und schwerwiegende unerwünschte Ereignisse kommt das Institut zu dem Schluss, den Zusatznutzen von Vemurafenib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie von „erheblich“ auf „beträchtlich“ herabzustufen. Die Ergebnissicherheit wird hiervon nicht berührt.

Zusammenfassend gibt es für erwachsene Patienten mit BRAF-V600-Mutation-positivem, nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen von Vemurafenib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Dacarbazin.“


Wir möchten Sie bitten, die Ihnen angeschlossenen Krankenhäuser kurzfristig über die Veröffentlichung der Nutzenbewertungen und der Möglichkeit zur Stellungnahme zu informieren, damit auf diesen Gebieten klinisch tätige Experten die Berichte bewerten und fachlich dezidierte Stellungnahmen abgeben können. Bei der Abgabe von Stellungnahmen sind die auf den Internetseiten des G-BA gegebenen Hinweise für die Einreichung einer Stellungnahme zu beachten.

Aufgrund der engen gesetzlichen Vorgaben sind die Fristen zur Abgabe einer Stellungnahme sehr kurz. Die Frist zur Abgabe der schriftlichen Stellungnahmen endet am 6. Juli 2012; die mündliche Anhörung wird am 24. Juli 2012 stattfinden.

Über die Beschlussfassungen des G-BA zu den Nutzenbewertungen werden wir erneut berichten.