­

Nach dem 5. Kapitel § 20 Abs. 3 der G-BA Verfahrensordnung trifft der G-BA mit dem Beschluss Feststellungen zur wirtschaftlichen Verordnungsweise des Arzneimittels, insbesondere zum Zusatznutzen im Verhältnis zur zweckmäßigen Vergleichstherapie; zur Anzahl der Patienten der für die Behandlung in Frage kommenden Patientengruppen; zu Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung und zu den Therapiekosten, auch im Verhältnis zur zweckmäßigen Vergleichstherapie.

Der Wirkstoff Eribulin (Halaven®) soll laut Zulassung dann eingesetzt werden, wenn bei einer fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung nach mindestens zwei Chemotherapien (die ein Anthrazyklin und ein Taxan enthalten haben sollten) eine weitere Progression eingetreten ist.

Der G-BA hat basierend auf der Nutzenbewertung des IQWiGs und den eingegangenen Stellungnahmen folgende Aussagen zum Zusatznutzen getroffen:

In der Population der Patientinnen, die nicht mehr mit Taxanen oder Anthrazyklinen behandelt werden können liegt ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie (= patientenindividuell bestimmte Chemotherapie unter Verwendung der Wirkstoffe Capecitabin und Vinorelbin als Monotherapie) vor.

Aus der Begründung wird ersichtlich, dass der G-BA bezüglich des Endpunkts „Gesamtüberleben“ einen therapeutisch bedeutsamen Zusatznutzen für Eribulin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie in dieser Population gesehen hat. Vom pharmazeutischen Unternehmer wurde allerdings keine Aufschlüsselung der Schadensaspekte für diese Teilpopulation vorgelegt, daher zog der G-BA zur Beurteilung die zur Verfügung stehenden Auswertungen der Gesamtpopulation der Zulassungsstudie (Eribulin- und TPC-Arm) heran. Hier sind ausgeprägte Schadensaspekte von Eribulin zu beachten. Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität lagen zudem nicht vor. Der
G-BA erachtet daher in der Gesamtschau eine Einstufung des Zusatznutzens als gering für gerechtfertigt. Da für die Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses nur Auswertungen basierend auf einer Studie vorlagen, die zudem für die relevanten Patientinnenpopulationen jeweils nur geringe Patientinnenzahlen umfassten, sind die Ergebnisse mit einer hohen Unsicherheit belastet, sodass sich lediglich ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen feststellen ließ.

In der Population der Patientinnen, die für eine erneute Anthrazyklin- oder Taxan-haltige Behandlung infrage kommen, liegt ein Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie (=patientenindividuell bestimmte Chemotherapie mit einer erneuten Anthrazyklin- oder Taxan-haltigen Therapie) vor.

Diese Feststellung wird u.a. dadurch begründet, dass in dieser Population für den Endpunkt „Gesamtüberleben“ kein Vorteil für Eribulin gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nachgewiesen werden konnte und dem nicht belegten Zusatznutzen ein erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen gegenübersteht. Die ausführliche Begründung kann den tragenden Gründen und der Zusammenfassenden Dokumentation zum Beschluss entnommen werden.

Mikrobielle Collagenase (Xiapex®) kann laut Zulassung zur Behandlung der Dupytren´schen Kontraktur mit tastbaren Strang eingesetzt werden. Es handelt sich um das erste Bewertungsverfahren bei dem ein Arzneimittel ausschließlich mit nichtmedikamentösen Verfahren verglichen wurde. Der G-BA hatte für die Nutzenbewertung die zweckmäßige Vergleichstherapie abhängig vom Schweregrad (Tubiana-Stadium) wie folgt bestimmt:

Stadium

Vergleichstherapie

Stadium N (tastbare Knoten oder Stränge, keine Kontraktur)

keine Therapie

Stadium N/I. I und II (Kontraktur ≤ 90°)

Perkutane Nadelfasziotomie (PNF)

Stadium III und IV (Kontraktur > 90°)

Partielle Fasziektomie (PF)

Stadium III und IV mit Kontraindikation für PF

Perkutane Nadelfasziotomie (PNF)


Der pharmazeutische Unternehmer hat nur für die Fragestellung der Patienten mit Tubiana Stadium III und IV (Kontraktur > 90°) die gleiche zweckmäßige Vergleichstherapie gewählt wie vom G-BA bestimmt. Da er damit keine Nachweise vorgelegt hat, die den vom G-BA geforderten Vergleich für die anderen Patientengruppen ermöglicht hätten, gilt für diese Gruppen der Zusatznutzen als nicht belegt. Für die Patientengruppe mit Tubiana Stadium III und IV (Kontraktur > 90°) waren die vorgelegten Daten nicht geeignet einen Zusatznutzen zur Partiellen Fasziektomie nachzuweisen. Daher ergibt sich bezüglich des Ausmaßes und der Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens von mikrobieller Collagenase folgendes:


Patientengruppe

Ausmaß und der Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Zweckmäßige Vergleichstherapie

Stadium N (tastbare Knoten oder Stränge, keine Kontraktur)

Da die erforderlichen Nachweise nicht vollständig vorgelegt worden sind, gilt der Zusatznutzen im Verhältnis zur zweckmäßigen Vergleichstherapie als nicht belegt (§ 35a Abs. 1 Satz 5 SGB V).

keine Therapie

Stadium N/I. I und II (Kontraktur ≤ 90°)

Da die erforderlichen Nachweise nicht vollständig vorgelegt worden sind, gilt der Zusatznutzen im Verhältnis zur zweckmäßigen Vergleichstherapie als nicht belegt (§ 35a Abs. 1 Satz 5 SGB V).

Perkutane Nadelfasziotomie (PNF)

Stadium III und IV (Kontraktur > 90°)

Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.

Partielle Fasziektomie (PF)

Stadium III und IV mit Kontraindikation für PF

Da die erforderlichen Nachweise nicht vollständig vorgelegt worden sind, gilt der Zusatznutzen im Verhältnis zur zweckmäßigen Vergleichstherapie als nicht belegt (§ 35a Abs. 1 Satz 5 SGB V).

Perkutane Nadelfasziotomie (PNF)


Die Beschlüsse inklusive der tragenden Gründe und der zusammenfassenden Dokumentation können in Kürze auf der Internetpräsenz des G-BA eingesehen werden:

http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/

Nun beginnen die Erstatt­ungspreisverhandlungen zwischen dem GKV-Spitzenverband und den pharmazeutischen Unternehmen.

­