Der G-BA hat die vom IQWiG erstellten Nutzenbewertungen zu Eribulin (Halaven®) und Mikrobieller Collagenase aus Clostridium histolyticum (Xiapex®) auf seiner Internetpräsenz (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/) veröffentlicht und die Stellungnahme-Verfahren eröffnet.

Eribulin (Halaven®) zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Brustkrebs

Der Wirkstoff Eribulin soll laut Zulassung dann eingesetzt werden, wenn bei einer fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung nach mindestens zwei Chemotherapien (die ein Anthrazyklin und ein Taxan enthalten haben sollten) eine weitere Progression eingetreten ist. Der G-BA hat für die Nutzenbewertung die Monotherapie mit Capecitabin, 5-Fluorouracil, Vinorelbin oder falls geeignet, eine erneute Anthrazyklin- oder Taxan-haltige Therapie als zweckmäßige Vergleichstherapie bestimmt. Damit wurden im Grunde zwei Patientenpopulationen differenziert, die Population in der Anthrazykline oder Taxane noch eingesetzt werden können und die Population in der dies nicht mehr möglich ist.

Das IQWiG stellt bei der Gesamtbetrachtung beider Populationen für den Endpunkt Gesamtmortalität kein statistisch signifikantes Ergebnis fest. Allerdings ergab die Analyse eine große Heterogenität. Bei getrennter Analyse der beiden Populationen zeigten sich homogene Ergebnisse. Für die Teilpopulation der Patienten, bei denen Anthrazykline oder Taxane noch in Frage kommen, waren die Ergebnisse bezüglich der Gesamtmortalität nicht statistisch signifikant unterschiedlich. Bei der Teilpopulation, für die Anthrazykline oder Taxane nicht in Frage kommen, ergab sich zum ersten Auswertungszeitraum (der a priori nach 411 Todesfällen (ca. 54%) geplant war), bezogen auf die Gesamtmortalität, ein statistisch signifikantes Ergebnis zugunsten von Eribulin. Zum zweiten Auswertungszeitraum (von der Zulassungsbehörde nach 75% Todesfällen eingefordert) war, bezogen auf die Mortalität, kein statistisch signifikanter Unterschied mehr zu beobachten.

Da aus den vorgelegten Daten zu Nebenwirkungen keine Zuordnung zu den Teilpopulationen möglich war, konnte hier keine separate Analyse erfolgen. Das IQWiG konnte hier nur die Ergebnisse der Gesamtpopulation der Zulassungsstudie (die auch noch andere Chemotherapien umfasste) ergänzend darstellen. Bezüglich schwerer unerwünschter Ereignisse (CTCAE-Grade 3 und 4) zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zuungunsten von Eribulin. Der Anteil der Patientinnen mit schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen unterschied sich jedoch zwischen den Gruppen nicht statistisch signifikant. Da allerdings keine separaten Daten für die interessierenden Patientengruppen vorliegen, konnte das IQWiG nicht ausschließen, dass die negativen Effekte die positiven aufwiegen oder gar ein geringerer Nutzen bestünde.

Eine Kurzfassung der Nutzenbewertung finden Sie hier. Insgesamt bewertet das IQWiG das Ausmaß und die Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens wie folgt:

„Für Patientinnen, die nicht mehr mit Taxanen oder Anthrazyklinen behandelt werden können: … Ein Zusatznutzen von Eribulin ist damit für diese Patientengruppe nicht belegt.

Patientinnen, die für die erneute Behandlung mit Taxanen oder Anthrazyklinen infrage kommen: … Ein Zusatznutzen von Eribulin ist für diese Patientengruppe nicht belegt.“


Mikrobielle Collagenase aus Clostridium histolyticum (Xiapex®) zur Behandlung der Dupytren´schen Kontraktur

Mikrobielle Collagenase kann laut Zulassung zur Behandlung der Dupytren´schen Kontraktur mit tastbarem Strang eingesetzt werden. Der G-BA hat für die Nutzenbewertung die zweckmäßige Vergleichstherapie abhängig vom Schweregrad (Tubiana-Stadium) wie folgt bestimmt:

Stadium Vergleichstherapie
Stadium N (tastbare Knoten oder Stränge, keine Kontraktur) keine Therapie
Stadium N/I. I und II (Kontraktur ≤ 90°) Perkutane Nadelfasziotomie (PNF)
Stadium III und IV (Kontraktur > 90°) Partielle Fasziektomie (PF)
Stadium III und IV mit Kontraindikation für PF Perkutane Nadelfasziotomie (PNF)

Der pharmazeutische Unternehmer hat nur für die Fragestellung der Patienten mit Tubiana Stadium III und IV ohne Kontraindikation für PF eine Bewertung durchgeführt. Der pharmazeutische Unternehmer hat keine direkt vergleichenden Studien zur Partiellen Fasziektomie vorgelegt, alle mit mikrobieller Collagenase vorgelegten RCTs fanden im Vergleich zu Placebo statt. Der pharmazeutische Unternehmer versucht den Zusatznutzen mittels indirekter Vergleiche und nichtrandomisierter Studien zu belegen. Das IQWiG stellt in seiner Bewertung hierzu fest, dass weder ein verwertbarer nichtadjustierter indirekter Vergleich, noch relevante RCT für einen Vergleich mit der Partiellen Fasziektomie vorliegen. Weiterhin seien auch aus den nichtrandomisierten Studien keine relevanten Daten zu der interessierenden Patientengruppe (Tubiana Stadium III und IV) zu entnehmen. Eine Kurzfassung der Nutzenbewertung finden Sie hier. Insgesamt bewertet das IQWiG das Ausmaß und die Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens wie folgt:

„Aus den vorliegenden Daten ergibt sich für keine Patientengruppe ein Beleg für einen Zusatznutzen von Collagenase im Vergleich zu der jeweils vom G-BA festgelegten zweckmäßigen Vergleichstherapie. Damit gibt es auch keine Patientengruppe, für die sich ein therapeutisch bedeutsamer Zusatznutzen ableiten lässt..“

Wir möchten Sie bitten, die Ihnen angeschlossenen Krankenhäuser kurzfristig über die Veröffentlichung der Nutzenbewertungen und der Möglichkeit zur Stellungnahme zu informieren, damit auf diesen Gebieten klinisch tätige Experten die Berichte bewerten und fachlich dezidierte Stellungnahmen abgeben können. Bei der Abgabe von Stellungnahmen sind die auf den Internetseiten des Gemeinsamen Bundesausschusses gegebenen Hinweise für die Einreichung einer Stellungnahme zu beachten.

Aufgrund der engen gesetzlichen Vorgaben sind die Fristen zur Abgabe einer Stellungnahme sehr kurz. Die Frist zur Abgabe der schriftlichen Stellungnahmen endet am 22. Februar 2012; die mündliche Anhörung wird am 6. März 2012 stattfinden.

Über die Beschlussfassungen des G-BA zu den Nutzenbewertungen werden wir erneut berichten.