Mit Datum vom 16.01.2012 hat der G-BA vier weitere Nutzenbewertungen neu zugelassener Arzneimittel auf seiner Internetpräsenz (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/) veröffentlicht und die Stellungnahmeverfahren eröffnet. Im Einzelnen handelt es sich hierbei um die Nutzenbewertungen zu Cabazitaxel (Jevtana®), Fingolimod (Gilenya®), Telaprevir (Incivo®) und Regadenoson (Rapiscan®).


Cabazitaxel (Jevtana®) zur Behandlung des hormonrefraktären metastasierten Prostatakarzinoms

Für den Wirkstoff Cabazitaxel stellt das IQWiG für Patienten, für die eine weitere Behandlung mit Docetaxel nicht mehr infrage kommt, in der Gesamtpopulation eine statistisch signifikante Verlängerung des Gesamtüberlebens fest. Basierend auf einem Interaktionstest ergab sich aber ein Hinweis darauf, dass die Ergebnisse je nach Alter unterschiedlich sind. Eine Kurzfassung der Nutzenbewertung ist beigefügt (Anlage). Insgesamt bewertet das IQWiG das Ausmaß und die Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens wie folgt:

„Für Patienten ≥ 65, für die eine weitere Behandlung mit Docetaxel nicht mehr infrage kommt (best supportive care-Population (BSC)), liegt ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen von Cabazitaxel / Prednison / BSC gegenüber Mitoxantron / Prednison / BSC vor. Für Patienten < 65 Jahre, für die eine erneute Behandlung mit Docetaxel nicht mehr infrage kommt (BSC), liegt ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen (Ausmaß nicht quantifizierbar, maximal beträchtlich) von Cabazitaxel / Prednison / BSC gegenüber Mitoxantron / Prednison / BSC vor. Diese Gesamtaussagen zum Ausmaß des Zusatznutzens basieren auf der Aggregation der auf Endpunktebene hergeleiteten Ausmaße des Zusatznutzens.

Für Patienten, für die eine erneute Behandlung mit Docetaxel infrage kommt (Docetaxel-Retherapie-Population), ist ein Zusatznutzen von Cabazitaxel in Kombination mit Prednison oder Prednisolon gegenüber Docetaxel in Kombination mit Prednison oder Prednisolon nicht belegt.“

Fingolimod (Gilenya®) zur Behandlung von hochaktiver schubförmig verlaufender Multipler Sklerose (RRMS)

Für den Wirkstoff Fingolimod lagen dem IQWiG für die Indikationen Patienten mit hochaktiver RRMS mit vollständiger Vorbehandlung mit IFN-ß und keiner vollständigen Vorbehandlung mit IFN-ß keine verwertbaren Daten vor. Für die Indikation der Patienten mit rasch fortschreitender schwerer RRMS stellt das IQWiG fest, dass für keinen der Endpunkte Schübe, Behinderungsprogression und gesundheitsbezogene Lebensqualität ein signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen (Fingolimod vs IFN-ß) besteht. Ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten Fingolimods zeigte sich nur bei der Häufigkeit der grippeähnlichen Symptome. Eine Kurzfassung der Nutzenbewertung ist beigefügt (Anlage). Insgesamt bewertet das IQWiG das Ausmaß und die Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens wie folgt:

„Für 2 der 3 Indikationen (Patienten mit hochaktiver RRMS, vollständige Vorbehandlung mit IFN-β; Patienten mit hochaktiver RRMS, keine vollständige Vorbehandlung mit IFN-β) ist der Zusatznutzen von Fingolimod gegenüber der jeweiligen zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt.
Für die Population der Patienten mit rasch fortschreitender schwerer RRMS liegt ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen von Fingolimod im Vergleich zu IFN-β vor.“


Telaprevir (Incivo®) zur Behandlung der chronischen Hepatitis C (Genotyp 1)

Für den Wirkstoff Telaprevir stellt das IQWiG fest, dass der Zusatznutzen sich je nach betrachteter Patientengruppe unterschiedlich darstellt. So ergab sich z.B. ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Telaprevir im dauerhaften Virologischen Ansprechen (SVR) für die Population der therapienaiven Patienten ohne Zirrhose. Basierend auf einem Interaktionstest stellt das IQWiG fest, dass dies allerdings nur für Patienten mit hoher Ausgangsviruslast zutrifft, für Patienten mit niedriger Ausgangsviruslast (HCV-RNA < 800 000 IU/mL) ist der Unterschied nicht statistisch signifikant. Wie auch schon in der Nutzenbewertung von Boceprevir (Victrelis®) schätzt das IQWiG die SVR als Surrogatparameter ein, der nicht formal validiert ist. Da die Einschätzung der „ausreichenden Validität“ ausschließlich auf Daten aus Beobachtungsstudien ohne die Betrachtung des Zusammenhangs zwischen Effekten auf das Surrogat und Effekten auf die interessierenden (patientenrelevanten) Endpunkte beruhe, bestehe eine erhöhte Unsicherheit, der durch die Einstufung des Ausmaßes des Zusatznutzens Rechnung getragen werde (bei Vorliegen eines Zusatznutzens Einstufung als „nicht quantifizierbar“). Eine Kurzfassung der Nutzenbewertung ist beigefügt (Anlage). Insgesamt bewertet das IQWiG das Ausmaß und die Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens wie folgt:

„Für die Indikation therapienaive Patienten ohne Zirrhose ergeben sich je nach Ausgangsviruslast unterschiedliche Ergebnisse. Für Patienten mit hoher Ausgangsviruslast liegt ein Beleg für einen Zusatznutzen (Ausmaß nicht quantifizierbar) von Telaprevir + PegInterferon + Ribavirin gegenüber PegInterferon + Ribavirin vor. Für Patienten mit niedriger Ausgangsviruslast liegt hingegen ein Hinweis auf einen geringeren Nutzen von Telaprevir + PegInterferon + Ribavirin gegenüber PegInterferon + Ribavirin vor.
Für die Indikation therapienaive Patienten mit Zirrhose ist ein Zusatznutzen von Telaprevir + PegInterferon + Ribavirin gegenüber PegInterferon + Ribavirin nicht belegt.


Für die Indikation vorbehandelte Non-Responder ergeben sich je nach Zirrhose-Status unterschiedliche Ergebnisse. Für Patienten ohne Zirrhose liegt ein Hinweis auf einen Zusatznutzen (Ausmaß nicht quantifizierbar) von Telaprevir + PegInterferon + Ribavirin gegenüber PegInterferon + Ribavirin vor. Für Patienten mit Zirrhose liegt hingegen ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen (Ausmaß nicht quantifizierbar) von Telaprevir + PegInterferon + Ribavirin gegenüber PegInterferon + Ribavirin vor.
Für die Indikationen vorbehandelte Relaps-Patienten mit Zirrhose und vorbehandelte Relaps-Patienten ohne Zirrhose ist ein Zusatznutzen von Telaprevir + PegInterferon + Ribavirin gegenüber PegInterferon + Ribavirin nicht belegt.

Für die in den o. g. Indikationen jeweils enthaltene Patientengruppe der mit dem HIV- bzw. HBV-ko-infizierten Patienten ist ein Zusatznutzen von Telaprevir + PegInterferon + Ribavirin gegenüber PegInterferon + Ribavirin nicht belegt.“


Regadenoson (Rapiscan®) als pharmakologischer Stressauslöser für Myokardperfusionsaufnahmen (MPI)

Der pharmazeutische Unternehmer hat die erforderlichen Nachweise für die Nutzenbewertung trotz Aufforderung nicht vollständig vorgelegt. Die in § 35a Abs. 1 Satz 5 SGB V angeordnete Rechtsfolge ist, dass ein Zusatznutzen als nicht belegt gilt. Dennoch hat der G-BA auch in diesem Fall eine Nutzenbewertung veröffentlicht (Anlage) und die Möglichkeit eröffnet Stellung zu nehmen. Der G-BA kommt in der Nutzenbewertung zu folgendem Fazit:

„Der Zusatznutzen im Verhältnis zur zweckmäßigen Vergleichstherapie (Anmerkung: es handelt sich um Adenosin) gilt als nicht belegt.“

Aufgrund der engen gesetzlichen Vorgaben sind die Fristen zur Abgabe einer Stellungnahme sehr eng gefasst. Die Frist zur Abgabe der schriftlichen Stellungnahmen endet am 06. Februar 2012 und die mündliche Anhörung wird am 21. Februar 2012 stattfinden.

Über die Beschlussfassungen des G-BA über die Nutzenbewertungen werden wir erneut berichten.