Pembrolizumab (Keytruda®) ist als Monotherapie zugelassen zur Erstlinienbehandlung des metastasierenden nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms. Es liegt ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen in dieser Indikation vor. Für die Bewertung des Zusatznutzens wurde eine Teilpopulation der Zulassungsstudie herangezogen, die die Vorgaben der Arzneimittel-Richtlinie zum Off-Label Use von Carboplatin als Alternative zu Cisplatin bei der zweckmäßigen Vergleichstherapie berücksichtigt. Im Ergebnis zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil von Pembrolizumab beim Gesamtüberleben (Hazard-Ration 0,57 p-Wert 0,020) im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie. Zusätzlich zeigten sich positive Effekte bei der Morbidität (Dyspnoe, Fatigue, Schmerzen, u. a.) und der Lebensqualität. Bei den Nebenwirkungen zeigte sich eine deutliche Verringerung der schweren unerwünschten Ereignisse. Dem standen in Teilaspekten negative Effekte bei den immunvermittelten Nebenwirkungen gegenüber, die aber die positiven Effekte nicht infrage stellen. Für eine Behandlung kommen ca. 4.000 Patienten infrage, die Jahrestherapiekostenliegen bei 132.000 € (Anlage 1).

Ixekizumab (Taltz®) ist für die Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis zugelassen. Der Beschluss sieht eine Aufteilung des Anwendungsgebiets in zwei Patientenpopulationen vor. Patientenpopulation A umfasst Patienten, die für eine systemische Therapie in Frage kommen. Patientenpopulation B umfasst Patienten, die auf eine bereits durchgeführte systemische Therapie nur unzureichend angesprochen haben oder bei denen eine Kontraindikation oder Unverträglichkeit gegen diese vorliegt. Für Patientenpopulation A zeigten sich anhand der vorliegenden Evidenz statistisch signifikante Vorteile bei der Remission sowie den Symptomen Erscheinungsfreiheit, Hautschmerz und Juckreiz. Auch zeigten sich positive Effekte in der Lebensqualität und Vorteile im Nebenwirkungsprofil. Insgesamt liegt in dieser Teilpopulation ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen vor. Für die Patientenpopulation B wurden positive Effekte hinsichtlich der Endpunkte Remission und gesundheitsbezogene Lebensqualität gezeigt. Allerdings konnten bei den spezifischen Symptomen Hautschmerz und Juckreiz in keine signifikanten Unterschiede zur zweckmäßigen Vergleichstherapie gezeigt werden. Zudem zeigten sich Nachteile bei den Nebenwirkungen. Daher resultierte für diese Gruppe im Ergebnis ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen. Die Jahrestherapiekosten betragen etwa 23.000 €, für eine Behandlung kommen ca. 50.000 – ca. 235.000 Patienten infrage (Anlage 2).

Secukinumab (Cosentyx®) ist für die Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis zugelassen. Für Secukinumab wurde bereits Ende 2015 eine Nutzenbewertung durchgeführt die keinen Zusatznutzen ergab. Die Einteilung der Patientengruppen erfolgte analog der o. g. bei Ixekizumab. Der pharmazeutische Unternehmer reichte nun neues wissenschaftliches Erkenntnismaterial in Form einer Studie von Secukinumab gegenüber Fumarsäureester für die Gruppe A ein. Auf Basis der neu vorgelegten Evidenz zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil für den Endpunkt Remission und deutliche Vorteile in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Weiterhin zeigten sich Vorteile bei den Nebenwirkungen. Obwohl die Endpunkte Schmerz, Juckreiz und Schuppung zur Beurteilung der krankheitsspezifischen Symptomatik nicht erhoben wurden, lagen die Effekte bei den anderen Endpunkten in einer Größenordnung, dass ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen zuerkannt wurde. Die Jahrestherapiekosten liegen bei 21.000 €, für eine Behandlung kommen ca. 50.000 – ca. 235.000 Patienten infrage (Anlage 3).

Axitinib (Inlyta®) ist angezeigt zur Behandlung des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms (renal cell cancer, RCC) bei erwachsenen Patienten nach Versagen einer vorangegangenen Therapie mit Sunitinib oder einem Zytokin. Für die Gruppe der Patienten nach Vortherapie mit Sorafenib liegen keine Daten vor, die eine Bewertung des Zusatznutzens gegenüber der vom G-BA festgelegten zweckmäßigen Vergleichstherapie (zVT) - hier Everolimus - ermöglichen. Diese zVT wurde bereits bei der Erstbewertung festgelegt. Auch nun bei Ablauf der Befristung wurden keine Daten vorgelegt. Für die Gruppe der Patienten nach Vortherapie mit einem Zytokin, zeigten sich keine statistisch signifikanten Vorteile beim Gesamtüberleben. Bei den Nebenwirkungen zeigten sich Nachteile bei Fatigue und Übelkeit, jedoch deutliche Vorteile beim Hand-Fuß-Syndrom und beim Haarausfall. Insbesondere das Hand-Fuß-Syndrom wurde als belastend für den Patienten eingestuft, daher resultierte im Ergebnis ein geringer Zusatznutzen für die letztere Gruppe. Die Jahrestherapiekosten liegen bei ca. 47.000 € – 94.000 €, die Patientenzahlen für die erste Gruppe bei ca. 480 – 2400 Patienten, für die zweite Gruppe bei etwa 3 – 6 Patienten (Anlage 4).

Tenofoviralafenamid (Vemlidy®) wird bei Erwachsenen und Jugendlichen (ab 12 Jahren, mit einem Körpergewicht von mindestens 35 kg) zur Behandlung chronischer Hepatitis B angewendet. Die Patientengruppen wurden in Abhängigkeit des Alters und einer ggf. zuvor stattgefundenen Therapie in vier Gruppen aufgeteilt. Für keine der vier Gruppen ist ein Zusatznutzen belegt. Für die therapienaiven und therapieerfahrenen Erwachsenen hatte der pharmazeutische Unternehmer Gilead Daten vorgelegt. Diese wurden vom G-BA als unvollständig angesehen, da die Daten im Dossier selektiv aufbereitet wurden und die Datenauswahl nicht ausreichend nachvollziehbar war. Die Jahrestherapiekosten betragen ca. 6.000 € die Patientenzahlen liegen bei den Erwachsene bei ca. 12.000 – 37.000 bei den Jugendliche bei ca. 400 – 1.100 (Anlage 5).

Baricitinib (Olumiant®) ist angezeigt zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis bei erwachsenen Patienten, die auf eine vorangegangene Behandlung mit einem oder mehreren krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs) unzureichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben und kann als Mono- oder Kombinationstherapie mit Methotrexat eingesetzt werden. Baricitinib ist der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse, der sogenannten Januskinase-Inhibitoren und wird bei Rheuma als orale Therapie eingesetzt. Die Festlegung der Patientengruppen und damit der zweckmäßigen Vergleichstherapie erfolgte in Anlehnung an die Leitlinien entsprechend der jeweiligen Therapiesituation. Für keine der betrachteten Patientengruppen wurde vom G-BA ein Zusatznutzen festgestellt. Gemäß der Nutzenbewertung des IQWiG ergab sich in einer der ursprünglich betrachteten Patientengruppen ein geringerer Nutzen aufgrund des häufigeren Auftretens schwerwiegender unerwünschter Ereignisse. Vor dem Hintergrund der Stellungnahmen der Fachgesellschaften wurden jedoch die Patientenpopulationen neu definiert und teilweise zusammengefasst. In der sich neu ergebenden Gruppe ergaben sich für Baricitinib + MTX gegenüber dem biologischen Antirheumatikum Adalimumab + MTX Vorteile in den Endpunktkategorien Morbidität und Lebensqualität, die jedoch durch Nachteile bei den Nebenwirkungen aufgewogen wurden. Für alle anderen Patientengruppen lagen keine für die Nutzenbewertung relevanten Daten vor. Die Jahrestherapiekosten liegen bei ca. 17.500 €, die Patientenzahlen insgesamt bei 87.000 bis 184.000 (Anlage 6).

Dolutegravir (Tivicay®) ist angezeigt in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln zur Behandlung von Infektionen mit HIV. Es handelt sich um eine Erweiterung des Anwendungsgebietes auf Kinder ab 6 Jahren. Für die therapienaiven Patienten hatte der pharmazeutische Unternehmer keine Daten vorgelegt. Für die vorbehandelten Patienten lagen Daten aus einer einarmigen Studie vor. Vor dem Hintergrund der Regelungen des AMVSG zur Evidenzübertragung bei Arzneimitteln, die für Kinder zugelassen sind, wurde geprüft, ob die Voraussetzungen für eine Übertragung des (geringen) Zusatznutzens, der für Dolutegravir für Erwachsene u. a. aufgrund von Vorteilen bei den Nebenwirkungen festgestellt wurde, gegeben sind. Da sich die Populationen in den Basischarakteristika, wie der Ausgangsviruslast wesentlich unterschieden, war eine Übertragung der Evidenz nicht mit ausreichender Sicherheit zu begründen, ein Zusatznutzen ist daher nicht belegt. Die Jahrestherapiekosten betragen etwa 6.100 € für eine Behandlung kommen ca. 110 Patienten infrage (Anlage 7).

Für Mycophenolatmofetil bzw. Mycophenolensäure besteht eine Zulassung zur Prophylaxe von akuten Transplantatabstoßungsreaktionen. Aufgrund der immunsuppressiven Eigenschaften wird es auch zur Behandlung der Lupusnephritis im Off-Label-Use eingesetzt. Dieses Anwendungsgebiet wurde nun von der Expertengruppe Off-Label-Use beim BfArM positiv bewertet. Der Beschlussentwurf setzt diese Bewertung um, der Wirkstoff soll in Teil A der Anlage VI der AM-RL aufgeführt werden. Dieser Beschluss unterliegt dem Beanstandungsvorbehalt des BMG. Nach der Veröffentlichung des Beschlusses im Bundesanzeiger und der Zustimmung des jeweiligen Herstellers ist eine Verordnung zu Lasten der GKV möglich (Anlage 8).