Die Empfehlungen beziehen sich auf die aktuellen bzw. anstehenden Umstellungen konischer Kegelverbindungen (Luer-Lock-Verbindungen) von bestimmten Medizinprodukten und bestimmten medizinischen Geräten auf neue Verbinder (Konnektoren).

Hintergrund:

Der Luer-Lock-Anschluss ist ein genormtes Verbindungssystem für Schlauchsysteme im medizinischen Bereich. Ursprünglich war der Luer-Konnektor nur für die Verbindung zwischen einer Kanüle und einer Spritze vorgesehen. Seine einfache, bequeme und sichere Handhabung führten jedoch zu einer breitflächigeren Verwendung. Heute wird dieser Konnektor in vielfältigen weiteren medizinischen Anwendungen verwendet für z. B. Katheter, Dreiwegehähne, Infusions-Schläuche oder Spinalnadeln. Das Luer-System ist weit verbreitet und vielerorts einsetzbar. Die Anschlüsse ermöglichen technisch jede beliebige Konnektion hin zum und weg vom Patienten. Das System garantiert die Kompatibilität zwischen verschiedenen Herstellern und ist international standardisiert.

Allerdings birgt genau diese Universalität auch große Verwechslungsgefahren. Die große Anzahl unterschiedlicher Zugänge (besonders bei Intensivpatienten) erhöht die Unübersichtlichkeit und Verwechselbarkeit der Applikationswege. Bei Säuglingen und Kleinkindern liegen zudem die verschiedenen Zugänge nahe beieinander.

Im Jahr 2000 wurden auf Basis einer europäisch durchgeführten Studie die Risiken analysiert und aufgezeigt, die durch den Einsatz von Luer-Verbindungen über den festgelegten Anwendungsbereich hinaus auftreten können. Diese Verwechselungsrisiken sollen mit der Normenreihe EN ISO 80369 (Small bore connectors for liquids and gases in healthcare applications) minimiert werden.

Aktuell:

Die Normenreihe umfasst derzeit 6 Teile:

•    80369-1:    Allgemeine Anforderungen

•    80369-2:    Verbindungsstücke für Atemsysteme und Antriebsgasanwendungen

•    80369-3:    Verbindungsstücke für enterale Anwendungen

•    80369-5:    Verbindungsstücke für Anwendungen mit aufblasbaren Manschettensystemen für Gliedmaßen

•    80369-6:    Verbindungsstücke für neuroaxiale Anwendungen

•    80369-7:    Verbindungsstücke mit einem 6 % (Luer) Kegel für intravaskuläre oder hypodermische Anwendungen

Diese Teile der Normenreihe (Teil 4 der Normenreihe ist für urethrale und urologische Anwendungen vorgesehen, wurde aber erstmal zurückgestellt) sind bereits beim DIN als Normen bzw. Normenentwürfe (in Deutsch und/oder Englisch) mit Stand 2015/2016 erhältlich.

Die Einführung der neuen Konnektoren wird schrittweise erfolgen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt werden die Hersteller ihre Produktion auf die neuen Konnektoren umstellen und ausschließlich nur noch Produkte mit neuen Konnektoren vertreiben. Die Krankenhäuser müssen sich daher jetzt Gedanken darüber machen, wie sie diesen Umstellungsprozess managen können. Die Umstellung wird viele unterschiedliche Bereiche betreffen: z. B. Beschaffung, Lagerung, Logistik, Ausbildung/Schulung, Risikomangement. Eventuell werden während einer Übergangszeit alte und neue Verbinder parallel mit oder ohne Adapter eingesetzt, was zusätzliche Risiken birgt. Um Patientenschäden zu vermeiden, muss jede Gesundheitseinrichtung diesbezüglich Risikoanalysen durchführen und ein Umsetzungskonzept erarbeiten.