Pitolisant (Wakix®) wird angewendet bei Erwachsenen zur Behandlung der Narkolepsie mit oder ohne Kataplexie. Der G-BA stellte fest, dass ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen besteht. Bei Pitolisant handelt es sich um ein Arzneimittel, das als Orphan Drug zugelassen ist. Der Zusatznutzen ist somit gesetzlich fixiert, der G-BA legt nur das Ausmaß fest. Der pharmazeutische Unternehmer hatte Studien vorgelegt, die Pitolisant mit Placebo bzw. mit Modafinil vergleichen. Gegenüber Placebo zeigt sich ein statistisch signifikanter Vorteil in Bezug auf Kataplexien sowie auf die Tageschläfrigkeit. Die Daten sind jedoch in ihrer Aussagekraft begrenzt u. a. weil keine Informationen zur Ausgangssituation vorlagen. Im Vergleich zu Modafinil, das in Deutschland häufig zur Behandlung der Narkolepsie eingesetzt wird, zeigte sich keine Verbesserung bei der Tagesschläfrigkeit und kein signifikanter Effekt auf die Kataplexierate. Untersuchungen zur Lebensqualität lagen nicht vor. Die Patientenzahlen werden auf ca. 15.000 – 30.000 geschätzt, die Jahrestherapiekosten liegen bei etwa 7.000 bis 14.000 €.

Tasimelteon (Hetlioz®) wird angewendet bei völlig blinden Erwachsenen zur Behandlung des Nicht-24-Stunden-Schlaf-Wach-Syndroms (Non-24). Die Nutzenbewertung ergab, dass ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen vorliegt. Auch bei Tasimelteon handelt es sich um ein Arzneimittel, das als Orphan Drug zugelassen ist. Der Zusatznutzen besteht per gesetzlicher Fiktion, der G-BA legt nur das Ausmaß fest. In den vorgelegten Studiendaten wurden die Verlängerung der Dauer des Nachschlafs und die Verkürzung der Tagesschlafdauer erhoben. Hier zeigten sich gegenüber Placebo bei beiden Parametern Vorteile. Diese alleine waren jedoch für eine Quantifizierung des Zusatznutzens nicht ausreichend. Welche Bedeutung diese Verbesserungen für die betroffenen Patienten haben, ließ sich aufgrund fehlender bzw. nicht ausreichender Daten zur Lebensqualität und zur Schlafqualität nicht eindeutig beurteilen. Die Patientenzahlen liegen bei ca. 7.000, die Jahrestherapiekosten bei ca. 116.000 €.

Carfilzomib (Kyprolis®) ist in Kombination mit Dexamethason allein zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit multiplem Myelom indiziert, die mindestens eine vorangegangene Therapie erhalten haben (neues Anwendungsgebiet). Für Carfilzomib liegt als Ergebnis der Nutzenbewertung ein geringer Zusatznutzen vor. Es handelt sich auch hier um ein Arzneimittel, das als Orphan Drug mit der daraus folgenden gesetzlichen Fiktion des Zusatznutzens zugelassen ist. Im Vergleich zu einer Therapie mit Bortezomib und Dexamethason zeigte die Behandlung mit Carfilzomib und Dexamethason in der ENDEAVOR-Studie Vorteile beim progressionsfreien Überleben (18,7 Monate vs. 9,4 Monate). Signifikante Unterschiede beim Gesamtüberleben zeigten sich in der noch laufenden Studie zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Vorteile zeigten sich beim Auftreten von Neuropathien sowie bei der Lebensqualität und der Symptomatik. In der Gesamtschau wurde der Zusatznutzen aufgrund einer relevanten Vermeidung von Nebenwirkungen, unterstützt durch die Daten zu Lebensqualität und Morbidität, unter Berücksichtigung der Signale insbesondere für kardiovaskuläre Risiken unter Carfilzomib als gering eingestuft. Die Patientenzahlen werden auf 4.700 – 7.000 geschätzt, die Jahrestherapiekosten liegen bei etwa 230.000°€.

Brentuximab Vedotin (Adectris®) wird angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit CD30+ HL mit erhöhtem Rezidiv- oder Progressionsrisiko nach einer ASCT (neues Anwendungsgebiet). Der G-BA stellt mit seinem Beschluss das Vorliegen eines nicht quantifizierbaren Zusatznutzens fest. Wiederum handelt es sich um ein Arzneimittel, das als Orphan Drug zugelassen ist und der Zusatznutzen besteht somit per gesetzlicher Fiktion. Entsprechend der vorliegenden Therapiesituation wurde der Einsatz von Brentuximab Vedotin in der Zulassungsstudie AETHERA gegenüber Placebo geprüft. Patienten im Placebo-Arm konnten im Falle eines Progresses als „Folgetherapie“ Brentuximab Vedotin erhalten (entsprechend der Erstzulassung). Für die gesamte Studienpopulation zeigte sich kein Vorteil beim Gesamtüberleben, es zeigte sich jedoch ein Vorteil beim PFS (18,4 Monate) der bei Patienten mit mehr als zwei Risikofaktoren noch stärker ausgeprägt war. Im Stellungnahmeverfahren wurde die Bedeutung der Risikofaktoren diskutiert. Derzeit gibt es noch keine allgemein anerkannten Kriterien für eine systematische Abschätzung eines erhöhten Rezidiv- und Progressionsrisikos und es bleibt unklar, wie die Auswahl der Risikofaktoren für die Datenanalysen erfolgt ist. Insofern ist hier keine gesonderte Betrachtung der Patienten mit mehr als zwei Risikofaktoren erfolgt, zumal die Zulassung nicht auf diese enger gefasste Gruppe beschränkt ist. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) und schwere unerwünschte Ereignisse, (CTCAE Grad ≥ 3) traten unter Brentuximab Vedotin statistisch signifikant häufiger auf (25 % vs. 13 %) bzw. (56 % vs. 32 %). Daten zur Lebensqualität lagen nicht vor. Die Patientenzahlen liegen bei ca. 40 – 60 die Jahrestherapiekosten bei ca. 188.000 €.

Teduglutid (Revestive®) ist indiziert zur Behandlung von Patienten ab dem Alter von 1 Jahr mit Kurzdarmsyndrom. Nach einem chirurgischen Eingriff sollte zunächst eine Phase der intestinalen Adaption abgewartet werden und die Patienten sollten sich in einer stabilen Phase befinden (neues Anwendungsgebiet für die Anwendung bei Patienten ab 1 Jahr). Es besteht für dieses Anwendungsgebiet ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen. Teduglutid ist als Orphan Drug zugelassen, der Zusatznutzen ist gesetzlich fixiert. In der Zulassungsstudie erfolgte ein Vergleich mit einer Kontrollgruppe. Die Auswahl der Behandlung und damit die Zuordnung zur Gruppe erfolgte je nach Präferenz der Patienten, bzw. deren Sorgeberechtigten. Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnte eine Verminderung des Volumens der parenteral zugeführten Ernährung gezeigt werden. Auch ein vollständiges Absetzen konnte bei drei Patienten erreicht werden. Die Bedeutung des Ausmaßes dieser Verbesserungen kann jedoch nicht quantifiziert werden, insbesondere aufgrund der kleinen Fallzahlen und da keine randomisierte Kontrolle vorlag. Die Patientenzahlen werden auf etwa 230 – 500 geschätzt, die Jahrestherapiekosten auf ca. 260.000 €.

Sofosbuvir/Velpatasvir (Epclusa®) wird bei Erwachsenen zur Behandlung der chronischen Hepatitis C Virusinfektion (HCV) angewendet. Für die Nutzenbewertung erfolgte eine Unterteilung der Patientengruppen.

Patienten ohne Zirrhose, Genotyp 1: Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.

Patienten mit kompensierter Zirrhose, Genotyp 1: Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.

Patienten ohne Zirrhose oder mit kompensierter Zirrhose, Genotyp 2: Es besteht ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen.

Patienten ohne Zirrhose oder mit kompensierter Zirrhose, Genotyp 3: Es liegt ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen vor.

Patienten ohne Zirrhose, Genotyp 4: Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.

Patienten mit kompensierter Zirrhose, Genotyp 4: Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.

Patienten ohne Zirrhose oder mit kompensierter Zirrhose, Genotyp 5 oder Genotyp 6: Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.

Patienten mit dekompensierter Zirrhose, Genotyp 1: Ein Zusatznutzen ist nicht belegt.

Patienten mit dekompensierter Zirrhose, Genotyp 2, 3, 4, 5 oder 6: Es besteht ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.

In der Therapie der Hepatitis C hat es bereits erhebliche Fortschritte gegeben. Die neue Kombination musste sich nun mit den bereits verfügbaren neuen Mitteln als zweckmäßige Vergleichstherapie messen. Nicht für alle Gruppen lagen entsprechende Daten vor, teilweise zeigten sich in diesen Vergleichen höhere Raten bei der Viruselimination. Die Patientenzahlen liegen insgesamt bei ca. 100.000, die Jahrestherapiekosten bei etwa 63.000 € (einmalige Therapie für 12 Wochen).

Emtricitabin/Tenofoviralafenamid/Rilpivirin (Odefsey®) wird zur Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen mit HIV-1-Infektion angewendet. Ein Zusatznutzen für Emtricitabin/Tenofoviralafenamid/Rilpivirin im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie, die entsprechend der Altersgruppe und einer ggf. vorliegenden Vorbehandlung festgelegt wurde, ist nicht belegt. Für keine der betrachteten Patientengruppen wurden Daten im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie vorgelegt. Die Patientenzahlen betragen etwa 56.800 – 59.300, die Jahrestherapiekosten ca. 13.800 €.

Weitere Informationen, auch zu den Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung, sind den beigefügten Beschlüssen zu entnehmen (Anlagen 1 - 7). Zusätzliche Dokumente, insbesondere die Tragenden Gründe und die vorausgegangenen IQWiG-Berichte, können auf der Internetseite des G-BA (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/) abgerufen werden.

Wir bitten Sie, die Ihnen angeschlossenen Krankenhäuser zu informieren.