Osimertinib (Tagrisso®) ist angezeigt zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) und einer positiven T790M-Mutation des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (Epidermal Growth Factor Receptor, EGFR).

Für die Nutzenbewertung wurden die Patienten entsprechend einer ggf. bereits erfolgten Vorbehandlung und dem Vorliegen einer de novo Mutation unterteilt und die zweckmäßige Vergleichstherapie entsprechend festgelegt. Für keine der betrachteten Patientengruppen konnte ein Zusatznutzen festgestellt werden.

Für die Gruppe der Patienten nach Vorbehandlung mit einem EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitor lagen Daten aus zwei offenen, einarmigen multizentrischen Phase-II-Studien vor. Der pharmazeutische Unternehmer legte dazu verschiedene historische Vergleiche vor. Diese sind grundsätzlich mit sehr hohen Unsicherheiten behaftet und können nur herangezogen werden, wenn sich sehr große Effekte gegenüber der historischen Therapie zeigen, dies war hier jedoch nicht der Fall. Weiterhin adressierten die vorgelegten Vergleiche zum Teil nicht die relevante Fragestellung oder sie berücksichtigten den Mutationsstatus nicht. Für die weiteren Patientengruppen lagen keine bzw. keine ausreichenden Daten vor. Vor dem Hintergrund, dass umfassende klinische Daten aus der noch laufenden Phase-III-Studie AURA3 zu erwarten sind, soll der Beschluss befristet werden, bis weitere wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, die eine Bewertung des Zusatznutzens von Osimertinib für Patienten nach Vorbehandlung mit einem EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitor ermöglichen.

Die Jahrestherapiekosten betragen etwa 98.000 Euro, die Zahl der Patienten liegt bei ca. 560 bis 2.730 für die Patienten nach Vorbehandlung mit einem EGFR-Tyrosinkinase-Inhibitor, für Patienten mit einer de novo positiven T790M-Mutation insgesamt bei bis zu 100.

Necitumumab (Portrazza®) ist in Kombination mit Gemcitabin- und Cisplatin-Chemotherapie indiziert zur Therapie von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) exprimierenden, plattenepithelialen, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom, wenn diese bislang keine Chemotherapie für dieses Stadium der Erkrankung erhalten haben. Der G-BA entschied sich mehrheitlich für einen nicht belegten Zusatznutzen und gegen den Beschlussentwurf der DKG, der einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen vorsah.

Für die Nutzenbewertung wurde eine randomisierte, offene, kontrollierte multizentrische Studie zum Vergleich von Necitumumab in Kombination mit Gemcitabin/Cisplatin gegenüber Gemcitabin/Cisplatin vorgelegt. Betrachtet wurden die Daten von insgesamt 935 Patienten. Es zeigte sich eine statistisch signifikante und relevante Verlängerung des medianen Gesamtüberlebens um 1,7 Monate (11,7 Monate versus 10,0 Monate, Hazard-Ratio 0,79; p-Wert 0,002). Bei den Nebenwirkungen zeigen sich Nachteile, insbesondere relevant sind die Hauterscheinungen, die mit einer absoluten Differenz von 67,7 % zuungunsten von Necitumumab auftraten. Diese sind typisch für den Wirkungsmechanismus und können mit einem geeigneten Nebenwirkungsmanagement eingedämmt werden, welches jedoch in der Studie gemäß FDA-Vorgabe nicht nach der gängigen Praxis umgesetzt werden durfte. Weiterhin traten signifikant mehr venöse thromboembolische Ereignisse unterschiedlichen Schweregrades auf. Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen waren unter Necitumumab jedoch nicht signifikant höher. Letzteres war für die DKG entscheidend dafür, dass die Nebenwirkungen nicht als derart schwerwiegend einzuschätzen sind, dass sie den Überlebensvorteil egalisieren. Zudem zeigten sich in den Daten zur Symptomatik und zum Gesundheitszustand gemäß EQ 5D-VAS keine signifikanten Unterschiede zuungunsten von Necitumumab.

Die Jahrestherapiekosten liegen bei etwa 60.000 Euro, die Patientenzahl bei ca. 6.300 – 7.700 Patienten:

Ticagrelor (Brilique®), gleichzeitig eingenommen mit Acetylsalicylsäure (ASS), ist indiziert zur Prävention atherothrombotischer Ereignisse bei erwachsenen Patienten mit einem Myokardinfarkt (MI) in der Vorgeschichte und einem hohen Risiko für die Entwicklung eines atherothrombotischen Ereignisses. Der G-BA sah für dieses neue Anwendungsgebiet einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen.

Im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie mit ASS in Monotherapie kommt es unter der Kombination Ticagrelor plus ASS zu einer geringen, aber statistisch signifikanten, Verbesserung der Gesamtmortalität 4,4°% vs. 5,4°% (Hazard-Ratio 0,80, p-Wert 0,018) und der kardiovaskulären Mortalität 2,6°% vs. 3,6°% (Hazard-Ratio 0,71, p-Wert 0,004). Aufgrund des Wirkmechanismus, der zusätzlichen Hemmung der Thrombozyten, kommt es jedoch vermehrt zu Blutungen, darunter auch schwere 2,7°% vs. 1,1°% (Hazard-Ratio 2,46, p-Wert ˂°0,001).

Für einen Behandlung mit Ticagrelor kommen ca. 105.000 Patienten in Frage, die Jahrestherapiekosten betragen ca. 912 Euro.

 

Idelalisib (Zydelig®) wird in Kombination mit Rituximab zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) angewendet:

• die mindestens eine vorangehende Therapie erhalten haben oder

• zur Fortsetzung der Therapie bei Patienten mit einer 17p-Deletion oder einer TP53-Mutation, die für eine Chemoimmuntherapie ungeeignet waren und bei denen bereits eine Erstlinientherapie mit Zydelig initiiert wurde

Es handelt sich hier um die Bewertung nach Fristablauf des ersten Beschlusses zu Idelalisib vom März 2015. Die damals vorgelegten Daten wurden aufgrund der kurzen Studienlaufzeit vom G-BA als unreif betrachtet. Das Ergebnis der ersten Bewertung war ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen für die Gruppe der Patienten mit rezidivierender CLL, für die eine Chemotherapie nicht angezeigt ist. Im vorliegenden neuen Beschluss wird ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen für Patienten mit rezidivierender oder refraktärer CLL, für die eine Chemotherapie nicht angezeigt ist, gesehen. Die gesonderte Bewertung der refraktären Patienten wurde verlassen, da es für die Unterscheidung wenig Evidenz gibt. Der neue Datenschnitt zeigt ein signifikant besseres Gesamtüberleben gegenüber einer Therapie mit Rituximab (HR 0,34, p°˂°0,001), der Median ist nach wie vor nicht berechenbar, beim progressionsfreien Überleben besteht jedoch ein Unterschied von 13 Monaten. Die GKV sah wie im ersten Verfahren die zweckmäßige Vergleichstherapie nicht korrekt umgesetzt, da Rituximab und nicht Best-Supportive-Care gewählt wurde.

Konsens bestand, dass für die Gruppe 2 (Fortsetzung der Therapie bei Patienten mit einer 17p-Deletion oder einer TP53-Mutation, die für eine Chemoimmuntherapie ungeeignet waren und bei denen bereits eine Erstlinientherapie mit Idelalisib initiiert wurde) kein Zusatznutzen belegt ist. Dies liegt in der neuen Formulierung des Anwendungsgebietes begründet.

Die Jahrestherapiekosten liegen bei ca. 55.500 Euro, die Zahl der Patienten mit rezidivierender oder refraktärer CLL liegt bei ca. 2.000 bis 5.500 Patienten und für die Gruppe 2 bei ca. 200 bis 300 Patienten.

 

Therapiehinweis zu Alemtuzumab (Anlage IV der Arzneimittel-Richtlinie):

Alemtuzumab war bereits zugelassen als MabCampath zur Behandlung der Chronischen Lymphatischen Leukämie, es erfolgte eine komplette Marktrücknahme in dieser Indikation, das Medikament wird nur noch im Rahmen eines Named-Patient-Programmes zur Verfügung gestellt. Alemtuzumab wurde als Lemtrada ® neu auf den Markt gebracht zu einem wesentlich höheren Preis pro Milligramm. Eine Bewertung im Rahmen der Nutzenbewertung erfolgte nicht, da es sich nicht um einen neuen Wirkstoff handelte. Im Therapiehinweis wird der Stellenwert des Präparates in der jeweiligen Therapiesituation vor dem Hintergrund der Datenlage dargestellt und Empfehlungen zur wirtschaftlichen Verordnungsweise gegeben.

Die Kosten für den zweijährigen Therapiezyklus betragen ca. 85.000 Euro, Patientenzahlen liegen nicht vor. In Kraft tritt der Beschluss erst nach der Nichtbeanstandung des G-BA und der Veröffentlichung im Bundesanzeiger.

 

Weitere Informationen, auch zu den Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung, sind den beigefügten Beschlüssen zu entnehmen (Anlagen). Zusätzliche Dokumente, insbesondere die Tragenden Gründe und die vorausgegangenen IQWiG-Berichte, können auf der Internetseite des G-BA ( http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/ ) abgerufen werden.

Wir bitten Sie, die Ihnen angeschlossenen Krankenhäuser zu informieren.