Crizotinib (Xalkori®) wird angewendet bei Erwachsenen zur Erstlinienbehandlung des Anaplastische-Lymphom-Kinase (ALK)-positiven, fortgeschrittenen nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms (non small cell lung cancer, NSCLC). Es liegt ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen in diesem neuen Anwendungsgebiet vor. Zur Bewertung lag die PROFILE 1014-Studie vor, eine randomisierte, kontrollierte Studie zum direkten Vergleich von Crizotinib gegenüber einer Platin-basierten Chemotherapie (Cisplatin oder Carboplatin in Kombination mit Pemetrexed). Im Vergleich zur Chemotherapie zeigte sich für Crizotinib ein Vorteil beim progressionsfreien Überleben (PFS) von + 3,9 Monaten sowie signifikante Vorteile bei der Symptomatik (Schmerzen, Schlaflosigkeit, Appetitverlust, Dyspnoe). Auch bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigten sich Vorteile für Crizotinib, die insgesamt als eine deutliche Verbesserung in im Vergleich zur Platin-basierten Chemotherapie bewertet werden Für eine Behandlung mit Crizotinib kommen ca. 300 bis 900 Patienten in Frage, die Jahrestherapiekosten liegen bei etwa 74.000 €.

Sacubitril/Valsartan (Entresto®) wird bei erwachsenen Patienten zur Behandlung einer symptomatischen, chronischen Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion angewendet. Bei Sacubitril/Valsartan handelt es sich um eine neues Wirkprinzip bei der Behandlung der Herzinsuffizienz. Die Zulassungsstudie PARADIGM-HF untersuchte Sacubitril/Valsartan im Vergleich zu einer Behandlung mit Enalapril jeweils in Kombination mit einem Betablocker. In die Studienarme wurde nur Patienten randomisiert, die trotz einer Standardbehandlung ihrer Herzinsuffizienz noch symptomatisch waren und bei denen zuvor in einer Run-In-Phase die Verträglichkeit sowohl von Enalapril als auch von Sacubitril/Valsartan getestet wurde. Die Studie wurde vorzeitig - nach 51 Monaten - beendet, es zeigte sich zu diesem Zeitpunkt ein statistisch signifikanter Vorteil beim Gesamtüberleben. Durch die Run-In-Phase ergab sich eine eingeschränkte Aussagekraft der Studie, weiterhin zeigten die Daten einen weniger ausgeprägten Zusatznutzen bei den Diabetikern. Das Ergebnis der Nutzenbewertung „Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen“ für Patienten ohne Diabetes mellitus bzw. „Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen“ bei Patienten mit Diabetes mellitus spiegelt dies wieder. Für eine Behandlung mit Sacubitril/Valsartan kommen ca. 546.000 bis 135.000 Patienten in Frage, die Jahrestherapiekosten betragen etwa 2.400 €.

Efmoroctocog alfa (Elocta®) ist angezeigt zur Behandlung und Prophylaxe von Blutungen bei Patienten mit Hämophilie A (angeborener Faktor VIII-Mangel). Es handelt sich um ein rekombinantes Faktor VIII-Präparat. Ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie wurde nicht belegt. Der pharmazeutische Unternehmer legte keine direkt vergleichenden Studien für die Bewertung des Zusatznutzens von Efmoroctocog alfa vor und der durchgeführte historische Vergleich war unvollständig und damit nicht geeignet, mögliche patientenrelevante Vorteile belegen zu können. Für eine Behandlung mit Efmoroctocog alfa kommen ca. 3.300 Patienten in Frage, die Jahrestherapiekosten liegen je nach Alter der Behandelten bei etwa 59.000 bis 1.080.000 €.

Elvitegravir/Cobicistat/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid (Genvoya®) wird zur Behandlung von Erwachsenen und Jugendlichen angewendet, die mit dem humanen Immundefizienz-Virus 1 (HIV-1) infiziert sind. Für die Population der therapienaiven sowie der vorbehandelten Erwachsenen ließen sich aus den vorgelegten Daten keine eindeutigen Belege für einen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ableiten. Für die therapieerfahrenen und die therapienaiven und Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren lagen keine bzw. für letztere nur eine einarmige Studie vor, die eine Ableitung eines Zusatznutzens nicht zuließ. Für eine Behandlung mit Elvitegravir/Cobicistat/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid kommen insgesamt ca. 48.600 Patienten in Frage, die Jahrestherapiekosten betragen ca. 13.000°€.

Rilpivirin (Edurant®) ist in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln indiziert für die Behandlung von Infektionen mit dem humanen Immundefizienz-Virus Typ 1 (HIV-1) bei antiretroviral nicht vorbehandelten Patienten mit einer Viruslast von ≤ 100.000 HIV-1-RNA-Kopien/ml. Es handelt sich um die Erweiterung des bisherigen Anwendungsgebiets um den Altersbereich von 12 bis einschließlich 17 Jahren. Der Zusatznutzen in diesem neuen Anwendungsgebiet wurde nicht belegt. Der Nutzenbewertung lag die einarmige Phase-II-Zulassungsstudie vor. Ein Vergleich gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie wurde nicht durchgeführt. Ein indirekter Vergleich von Rilpivirin mit Efavirenz wurde aufgrund erheblicher methodischer Defizite (u. a. ungleiche Studienpopulationen, fehlende Übereinstimmung mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie in der Backbone-Basistherapie.) nicht für die Bewertung berücksichtigt. Für eine Behandlung kommen ca. 10 Patienten in dieser Altersgruppe in Frage, die Jahrestherapiekosten betragen ca. 5.100 €.

Die Beschlüsse zu den Hepatitis-C-Medikamenten Ombitasvir/Paritaprevir/Ritonavir (Viekirax®) und Dasabuvir (Exviera®) wurden geändert. Hier wurde der Hinweis ergänzt, dass diese Arzneimittel bei Patienten mit mittelschwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh Grad B) nicht empfohlen werden. Hintergrund ist das Risiko für das Auftreten von Leberdekompensation und Leberversagen meist bei Patienten mit bereits bei Therapiebeginn bestehenden Anzeichen einer fortgeschrittenen oder dekompensierten Leberzirrhose.

Weitere Informationen, auch zu den Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung, sind den beigefügten Beschlüssen zu entnehmen (7 Anlagen). Zusätzliche Dokumente, insbesondere die Tragenden Gründe und die vorausgegangenen IQWiG-Berichte, können auf der Internetseite des G-BA (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/) abgerufen werden.