Carfilzomib (Kyprolis®) ist in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason angezeigt zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit multiplem Myelom, die mindestens eine vorangegangene Therapie erhalten haben. Der G-BA sieht zum jetzigen Zeitpunkt für Carfilzomib einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.

Bei Carfilzomib handelt es sich um ein Orphan Drug, der Zusatznutzen ist gesetzlich fixiert, der G-BA legt nur dessen Ausmaß fest. Für die Nutzenbewertung lagen die Da-ten der Studie ASPIRE vor, in der Carfilzomib, Lenalidomid, Dexamethason im Ver-gleich zu Lenalidomid und Dexamethason bei Patienten mit rezidiviertem und/oder progredientem Multiplen Myelom untersucht wurde, die zuvor mindestens eine aber nicht mehr als drei Vortherapien erhalten hatten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Studie noch nicht abgeschlossen. Der Nutzenbewertung lag die Auswertung der zweiten Interimsanalyse vor. Bei den Ergebnissen zur Mortalität errechnet sich eine Hazard Ratio (HR) von 0,79; mit einem P-Wert von 0,0182. Dieses signifikante Ergebnis lässt einen Überlebensvorteil für Carfilzomib erkennen. Eine Angabe des Unterschieds in Monaten ist noch nicht möglich, da in beiden Armen der Median zur statistischen Auswertung nicht erreicht ist. Die finalen Ergebnisse zur Mortalität stehen noch aus. Für eine Behandlung mit Carfilzomib kommen ca. 4.700 – 7.000 Patienten in Frage, die Jahrestherapiekosten liegen bei etwa 122.000 €.

 

Blinatumomab (Blincyto®) wird angewendet zur Behandlung von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom negativer, rezidivierter oder refraktärer B-Vorläufer akuter lymphatischer Leukämie (ALL). Der G-BA erkannte auf Basis der vorgelegten Daten einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen an.

Bei Blinatumomab handelt es sich um ein Orphan Drug, für das die gesetzliche Fixie-rung des Zusatznutzens gilt, der G-BA legt nur dessen Ausmaß fest. Zur Bewertung lagen die Ergebnisse der Zulassungsstudie MT103-211 vor, eine einarmige multizentrische offene Studie der Phase II. Das mediane Gesamtüberleben lag bei 6,1 Monaten bei einer medianen Beobachtungszeit von 9,8 Monaten. Die Ein-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit betrug 27,9 %. Obwohl diese Ergebnisse und die Daten zu kompletten Remissionen (CR) und der MRD-Ansprechrate von den klinischen Experten im Stellungnahmeverfahren als positiv bewertet werden, ist eine Quantifizierung des Zusatznutzens nicht möglich.

Zur Beurteilung des Ausmaßes der Effekte wurde vom pharmazeutischen Unternehmer eine historische Kohorten-Vergleichsstudie zu Daten hämatologischer Remissionsraten und Gesamtüberleben von erwachsenen Patienten mit rezidivierter oder refraktärer B-Vorläufer ALL, die mit Chemotherapie behandelt wurden, herangezogen. Mit Ausnahme der Parameter Alter und Linie der Salvage-Therapie wurde für weitere mögliche Einflussgrößen, wie z. B. Region, Zeitraum der Diagnose (z. B. vor und nach 2000), Art der Salvage-Therapie und Schwere der Erkrankung nicht adjustiert. Damit ist die Aussagekraft des historischen Vergleichs limitiert und die Übertragbarkeit auf den heutigen Versorgungsstand unsicher. Auch die EMA fordert weitere Ergebnisse zu Gesamtüberleben, zum Ansprechen, zu Nebenwirkungen und zur Lebensqualität. Der pharmazeutische Unternehmer führt hierzu eine Phase III-Studie (TOWER-Studie) durch. Aussagefähige Ergebnisse sind Ende des Jahres zu erwarten, der Beschluss ist daher bis zum 31.12.2016 befristet. Für eine Therapie mit Blinatumomab kommen ca. 60 – 170 Patienten infrage, die Jahrestherapiekosten liegen bei ca. 452.000 €

 

Cobimetinib (Cotellic®) wird in Kombination mit Vemurafenib angewendet zur Be-handlung bei erwachsenen Patienten mit nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom mit einer BRAF-V600-Mutation. Für Cobimetinib liegt nach der Bewertung des G-BA ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen vor.

Nach der kürzlich mit einem beträchtlichen Zusatznutzen bewerteten Kombination Dabrafenib/Trametinib liegt mit Cobimetinib ein neues Arzneimittel in dieser Indikation vor, das in Kombination verabreicht wird. Zweckmäßige Vergleichstherapie hier war Vemurafenib, dieses hatte bei der Nutzenbewertung im März 2014 vom G-BA einen beträchtlichen Zusatznutzen zuerkannt bekommen. Die mediane Überlebenszeit unter Cobimetinib und Vemurafenib lag bei 22,3 Monaten gegenüber 17,4 Monaten unter Vemurafenib und Placebo (Absolute Differenz: + 4,9 Monate). Es zeigten sich Vorteile bei den Symptomen Fatigue und Schmerzen und in einigen Domänen der Lebensqualität sowie bei den Nebenwirkungen u.a. in der Kategorie „gutartige, bösartige und unspezifische Neubildungen“. Nachteile bei den Nebenwirkungen zeigten sich u.a. beim Auftreten von Diarrhoen und serösen Retinopathien/Netzhautablösung. Insgesamt wurden die Nebenwirkungen als für die Patienten bedeutend, aber überwiegend als kontrollierbar und behandelbar eingestuft. Für eine Behandlung mit Cobimetinib kommen ca. 1.400 Patienten infrage, die Jahrestherapiekosten für Cobimetinib betragen etwa 88.000 €.

 

Secukinumab (Cosentyx®), allein oder in Kombination mit Methotrexat (MTX), ist an-gezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit aktiver Psoriasis-Arthritis (PsA), wenn das Ansprechen auf eine vorhergehende Therapie mit krankheitsmodi-fizierenden Antirheumatika (DMARD) unzureichend gewesen ist.

Secukinumab (Cosentyx®) ist angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit aktiver ankylosierender Spondylitis (AS; Morbus Bechterew), die auf eine konventionelle Therapie unzureichend angesprochen haben.

Der pharmazeutische Unternehmer hatte für die Zulassung dieser neuen Anwendungsgebiete placebokontrollierte Studien durchgeführt, aus diesen konnte kein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie abgeleitet werden. Andere Studien, die für einen Vergleich geeignet wären, wurden nicht identifiziert. Der Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie (TNF-alpha-Hemmer, bei der PsA ggf. in Kombination mit MTX) ist somit nicht belegt. Die Patientenzahlen liegen bei der Indikation Psoriasis-Arthritis bei ca. 18.400 - 43.400 Patienten, bei der ankylosierenden Spondylitis bei ca. 22.000 bis 98.200 Patienten. Die Jahrestherapiekosten betragen ca. 21.500 €.

 

Ivacaftor (Kalydeco® ist angezeigt zur Behandlung von Kindern mit zystischer Fibrose (CF, Mukoviszidose) ab 2 Jahren mit einem Körpergewicht von weniger als 25 kg, die eine der folgenden Gating-Mutationen (Klasse III) im CFTR-Gen aufweisen: G551D, G1244E, G1349D, G178R, G551S, S1251N, S1255P, S549N oder S549R [Erweiterung des bisherigen Anwendungsgebiets um den Altersbereich ab 2 bis einschließlich 5 Jahren].

Ivacaftor (Kalydeco®) ist außerdem angezeigt zur Behandlung von Patienten mit zysti-scher Fibrose (CF) ab 18 Jahren, bei denen eine R117H-Mutation im CFTR-Gen vor-liegt [Erweiterung des bisherigen Anwendungsgebiets um erwachsene Patienten mit einer R117H Mutation im CFTR Gen].

Für die Gruppe der Kinder liegt ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen vor, für die Erwachsenen liegt ein geringer Zusatznutzen vor.

Bei Ivacaftor handelt es sich um ein Orphan Drug, der Zusatznutzen ist daher gesetz-lich fixiert, der G-BA legt nur dessen Ausmaß fest. Für die Gruppe der Kinder ab 2 bis einschließlich 5 Jahren lag eine einarmige Studie vor. In dieser zeigten sich Verbesse-rungen in Bezug auf das Körpergewicht gemessen am BMI im Vergleich zur Baseline. Diese sowie die Ergebnisse zu Exazerbationen (akuten Verschlechterungen) ließen sich aufgrund der fehlenden Kontrolle nicht interpretieren.

Bei den Erwachsenen unterschied sich Häufigkeit pulmonaler Exazerbationen gegen-über Placebo geringfügig zugunsten von Ivacaftor. Die Differenz war nicht statistisch signifikant. Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigten sich in der Mehrzahl der Domänen des krankheitsspezifischen Lebensqualitätsinstruments statistisch signifikante Unterschiede zugunsten von Ivacaftor. Für beide Anwendungsgebiete zusammen liegt die Zahl der in Frage kommenden Patienten bei ca. 60. Die Jahrestherapiekosten liegen bei etwa 269.000 €

 

Lumacaftor/Ivacaftor (Orkambi®) ist angezeigt zur Behandlung der zystischen Fibro-se (CF, Mukoviszidose) bei Patienten ab 12 Jahren, die homozygot für die F508del-Mutation im CFTR-Gen sind. Für das Kombinationsarzneimittel liegt gemäß Bewertung des G-BA ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen vor.

Obwohl es sich um eine seltene Erkrankung handelt, hat das Arzneimittel keinen Or-phan Drug Status, der pharmazeutische Unternehmer hatte gegenüber der EMA auf diesen verzichtet. Lumacaftor/Ivacaftor zeigte im Vergleich zu Best-Supportive-Care als zweckmäßige Vergleichstherapie deutliche Vorteile. In den beiden durchgeführten Studien war die Anzahl der pulmonalen Exazerbationen, die Anzahl der erforderlichen Hospitalisierungen aufgrund von Exazerbationen sowie die Anzahl von notwendigen i.v.-Antibiotikatherapien für die Lumacaftor/Ivacaftor-Gruppe statistisch signifikant ge-genüber der BSC-Vergleichsgruppe erniedrigt. Es kommen ca. 2.600 Patienten für eine Behandlung infrage, die Jahrestherapiekosten betragen ca. 196.000 €.

Evolocumab (Repatha®): Der G-BA hat weiterhin einen Beschluss zu einer Änderung der Arzneimittel-Richtlinie Anlage III zu dem PCSK9-Hemmer getroffen. Dieser sieht eine eingeschränkte Verordnungsfähigkeit für Hochrisikopatienten vor, für die alternativ eine Lipidapherese in Frage käme. Verordnungsfähig soll Evolocumab bei Patienten mit familiärer, homozygoter Hypercholesterinämie sein, bei denen medikamentöse und diätetische Optionen zur Lipidsenkung ausgeschöpft worden sind bzw. bei Patienten mit heterozygot familiärer oder nicht‐familiärer Hypercholesterinämie oder gemischter Dyslipidämie bei therapierefraktären Verläufen. Die weiteren Voraussetzungen, auch an die Qualifikation der behandelnden Ärzte, entnehmen Sie dem beigefügten Beschluss. Dieser unterliegt dem Vorbehalt der Prüfung durch das BMG und tritt erst nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

 

Weitere Informationen, auch zu den Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung, sind den beigefügten Beschlüssen zu entnehmen (Anlagen). Zusätzliche Dokumente, insbesondere die Tragenden Gründe und die vorausgegangenen IQWiG-Berichte, können auf der Internetseite des G-BA (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/) abgerufen werden.