Lynparza® (Olaparib) wird als Monotherapie für die Erhaltungstherapie von erwachse-nen Patientinnen mit einem Platin-sensitiven Rezidiv eines BRCA-mutierten (Keim-bahn und/oder somatisch) high-grade serösen epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms angewendet, die auf eine Platin-basierte Chemotherapie ansprechen (vollständiges oder partielles Ansprechen).

Bei Olaparib handelt es sich um ein Arzneimittel, das als Orphan Drug zugelassen wurde. Damit gilt der Zusatznutzen durch die Zulassung als belegt. Der G-BA bestimmt nur über dessen Ausmaß; dieses wurde vom G-BA als nicht quantifizierbar eingeschätzt.

Für die Bewertung wurde die Zulassungsstudie Studie D081C00019 (Studie 19) herangezogen. Es handelt sich um eine doppelblinde, placebokontrollierte Phase-II-Studie mit 265 Patientinnen, welche auf eine erneute Platin-basierte Chemotherapie ein vollständiges oder partielles Ansprechen gezeigt hatten. Nach erfolgreichem Abschluss der Platin-haltigen Vorbehandlung erhielten die Teilnehmerinnen zweimal täglich 400 mg Olaparib oder Placebo als Erhaltungstherapie. Primärer Endpunkt war das Progressionsfreie Überleben (PFS). Subgruppenanalysen zeigten vielversprechende Ergebnisse bei Patientinnen mit einer BRCA-Mutation. Die Erfassung dieser Mutation war keine Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie, wurde jedoch, soweit nicht bereits bekannt, nachträglich bestimmt. Aus den retrospektiven Ergebnissen zeigte sich bei Patientinnen mit einer entsprechenden Mutation ein Vorteil beim primären Endpunkt, dem PFS. Ein Vorteil in Bezug auf das Gesamtüberleben konnte bei der Subgruppe mit BRCA-Mutation nicht gezeigt werden. Retrospektiv wurde eine (Sub-)Subgruppe aus den Zentren gebildet bei denen keine Nachfolgetherapie mit einem PARP-Inhibitor angeboten wurde, die das Ergebnis verzerren könnte. In dieser Gruppe zeigte sich ein signifikanter Vorteil in Bezug auf das Gesamtüberleben. Allerdings ist diese Auswertung mit einer hohen Aussageunsicherheit behaftet und wurde daher nicht zur Ableitung eines Zusatznutzens herangezogen. Ergebnisse aus der Erfassung der Symptomatik waren nicht verwertbar, da die Instrumente nicht entsprechend validiert waren; bei der Le-bensqualität zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Olaparib und Placebo. Nebenwirkungen waren unter Olaparib häufiger, allerdings war auch die Behandlungsdauer länger. Insgesamt ist die Datenlage zu Olaparib begrenzt und mit starken Unsicherheiten behaftet und daher erschien die Quantifizierung des Zusatznutzens auf dieser Basis nicht möglich.

Für eine Behandlung mit Olaparib kommen ca. 200 - 600 Patientinnen in Frage; die Jahrestherapiekosten betragen ca. 106.000 €.

Lojuxta® (Lomitapid) wird angewendet begleitend zu einer fettarmen Diät und ande-ren lipidsenkenden Arzneimitteln mit oder ohne Low-Density-Lipoprotein-Apherese (LDL-Apherese) bei erwachsenen Patienten mit homozygoter familiärer Hypercholesterinämie (HoFH).

Der G-BA sieht den Zusatznutzen von Lomitapid als nicht belegt an. Lomitapid wurde bereits 2013 im Rahmen der frühen Nutzenbewertung vom G-BA bewertet. Bei der ho-mozygoten familiären Hypercholesterinämie handelt es sich um eine sehr seltene Er-krankung mit einer Prävalenz von 1:860.000 bis 1:1.000.000. Die Zulassung von Lo-mitapid (Lojuxta®) durch die EMA erfolgte unter besonderen Umständen (exceptional circumstances). Lomitapid hat keinen Orphan Drug-Status. Im ersten Verfahren wurden die erforderlichen Nachweise nicht vollständig vorgelegt; der Zusatznutzen galt daher als nicht belegt und der Beschluss wurde befristet. Lomitapid wurde von der Firma Aegerion zwischenzeitlich nicht auf dem deutschen Markt eingeführt; nach eigener Aussage werden jedoch einige Patienten bis zum Abschluss des laufenden Nutzenbewertungsverfahrens kostenlos versorgt. Der pharmazeutische Unternehmer hat nunmehr ein Dossier vorgelegt mit Auswertungen zu einer der vom G-BA definierten Patientengruppen, d. h. denjenigen Patienten, deren Lipidwerte trotz maximaler medikamentöser Therapie und zusätzlicher Lipidapherese nicht ausreichend gesenkt werden. Für Patienten ohne Apherese bzw. ohne Ausschöpfung der diätetischen und medikamentösen Therapie wurden keine Daten vorgelegt. Die im Dossier vorgelegten Daten stammen aus einer einarmigen multizentrischen Studie mit 29 Patienten, bei denen Vorher-Nachher-Vergleiche erfolgten, sowie aus Daten einer Registerstudie. Diese waren aufgrund der erheblichen methodischen Mängel nicht für die Bestimmung eines Zusatznutzens geeignet. Die im Stellungnahmeverfahren nachgereichten neuen Auswertungen wurden durch das IQWiG nachbewertet. Hier zeigten sich für den primären Endpunkt LDL-C-Senkung zum Zeitpunkt 26 Wochen statistisch signifikante Veränderungen. Zu einem späteren Zeitpunkt in der Studie war diese Senkung jedoch nicht mehr statistisch signifikant. Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, die langfristig mit einem Risiko für Herzkreislaufereignisse verbunden ist, ist der Wert einer nur kurzfristigen LDL-C-Senkung in Frage zu stellen. Zudem konnte das Gesamtausmaß der Lipidsenkung zwischen zwei Apheresen nicht abgeschätzt werden. Gemessen wurde nur jeweils am Tag vor der Durchführung der Lipidapherese; ein zweiter Messwert zu einem Zeitpunkt nach der Apherese wurde nicht erhoben. Schlussendlich resultierte auch bei der aktuellen Bewertung wieder das Ergebnis, dass der Zusatznutzen für alle von der Zulassung umfassten Patientengruppen nicht belegt ist.

Für eine Behandlung kommen in Deutschland 60 - 70 erwachsene Patienten in Frage; als Jahrestherapiekosten werden 342.708,15 € - 1.028 124,44 € angegeben.

Cosentyx® (Secukinumab) ist angezeigt für die Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die für eine systemische Therapie in Frage kommen.

Der G-BA hat für die Nutzenbewertung eine Aufteilung der Patientengruppen in Abhängigkeit von der Vortherapie vorgenommen. Für die Patientengruppe A, d. h. Patienten, die für eine systemische Therapie (Fumarsäureester, Ciclosporin oder MTX) und/oder PUVA infrage kommen, hat der pharmazeutische Unternehmer einen indirekten Vergleich durchgeführt. Die ausgewählte zweckmäßige Therapie (zVT) MTX kommt jedoch nur für einen Teil der Patientenpopulation in Frage und die Vergleichsstudien waren zu kurz. Daher ist für Population A der Zusatznutzen nicht belegt.

Für die Patientenpopulation B (Patienten, die auf eine systemische Therapie – Fumar-säureester, Ciclosporin oder MTX – oder PUVA nicht angesprochen haben oder für die diese kontraindiziert ist) wurde eine direkt vergleichende Studie zur Ustekinumab vorgelegt, welches als eine mögliche zVT vom G-BA festgelegt wurde. Im Dossier lagen Daten zu Woche 24 der CLEAR-Studie vor; es wurden jedoch nicht alle Endpunkte zu diesem Zeitpunkt erhoben. Im Rahmen des Stellungnahmeverfahrens wurden Daten zum Zeitpunkt 52 Wochen zu allen Endpunkten nachgereicht, die eine Bewertung des Zusatznutzens ermöglichten. Hierbei zeigte sich ein Unterschied zwischen den Patienten innerhalb der Gruppe B, die als Vortherapie bereits eine Therapie mit biologisch wirkenden Arzneimitteln, z.B. TNF-Alpha-Blockern, erhalten hatten (B1) und solchen ohne eine solche Vortherapie (B2). Bei den Ersteren zeigte sich in den patientenberichteten Endpunkten Schmerz, Juckreiz und Schuppung statistisch signifikante und relevante Vorteile, diese konnten in der Gruppe ohne Vortherapie nicht festgestellt werden. Für die gesamte Gruppe B bestanden jedoch Vorteile bei der Verbesserung des PASI in den Endpunkten PASI 75, PASI 90 und beim kumulativen Anteil der Patienten mit PASI 100 sowie in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (DLQI-Responder). Hieraus resultierte die differenzierte Bewertung: Für die Patientengruppe B1 (mit Biologika-Vorbehandlung) wurde ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen festgestellt; für die Gruppe B1 ohne entsprechende Vorbehandlung eine Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen.

Für eine Behandlung mit Secukinumab kommen insgesamt in der Patientenpopulation A ca. ca. 19.800 - 137.300 Patienten in Frage, in der Population B1 ca. ca. 5.400 - 16.300 und in der Gruppe B2 ca. ca. 27.000 - 80.800. Die Jahrestherapiekosten betragen ca. 22.500 €.

Soolantra® (Ivermectin) wird angewendet bei erwachsenen Patienten zur topischen Behandlung von entzündlichen Läsionen der (papulopustulösen) Rosazea.

Ivermectin ist ein Wirkstoff, der in der Tiermedizin gegen Ektoparasiten eingesetzt wird; für die Anwendung bei Parasitenerkrankungen des Menschen war er bisher nicht in Deutschland zugelassen, wohl aber in anderen europäischen Ländern. Da der Wirkstoff bereits in anderen europäischen Ländern zugelassen war, sah der pharmazeutische Unternehmer Galderma keine Notwendigkeit, ein Dossier einzureichen. Folglich lagen keine Unterlagen für die Bewertung vor; der Zusatznutzen gilt daher als nicht belegt. Der pharmazeutische Unternehmer hat zum Verfahren eine andere Rechtsauffassung. Eine isolierte Klage gegen das Verfahren der Nutzenbewertung ist im Gesetz nicht vorgesehen, diese kann erst nach Abschluss des gesamten Verfahrens einschließlich der Preisverhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband erfolgen. Die Jahrestherapiekosten für Ivermectin betragen ca. 69 - 274 €; für eine Behandlung in Frage kommen ca. 309.000 - 703.000 Patienten.

Weitere Informationen, auch zu den Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung, sind den beigefügten Beschlüssen zu entnehmen (Anlage 1-4). Zusätzliche Dokumente, insbesondere die Tragenden Gründe und die vorausgegangenen IQWiG-Berichte, können auf der Internetseite des G-BA (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/) abgerufen werden.