Giotrof® (Afatinib) als Monotherapie wird angewendet zur Behandlung von EGFR-TKI-naiven erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem und/oder metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit aktivierenden EGFR-Mutationen.

Afatinib wurde im Mai 2014 zum ersten Mal im Rahmen der frühen Nutzenbewertung vom G-BA bewertet. Beim aktuellen Beschlussentwurf geht es um den Ablauf der im ersten Beschluss ausgesprochenen Befristung. Diese wurde ausgesprochen, weil zum Zeitpunkt der ersten Nutzenbewertung nur Daten aus einer Interimsanalyse der damals noch laufenden Studie Lux-Lung 3 vorlagen. Nun liegen die Daten aus der finalen Auswertung zum Gesamtüberleben vor und bilden die Basis der vorliegenden Nutzenbewertung. In Abhängigkeit des körperlichen Zustands und der Vorbehandlung erfolgte die Einteilung der Patienten in die folgenden Subgruppen:

1) Nicht vorbehandelte Patienten mit ECOG-Performance-Status 0 oder 1

2) Nicht vorbehandelte Patienten mit ECOG-Performance-Status 2

3) Patienten nach Vorbehandlung mit einer Platin-basierten Chemotherapie

Für die Patienten der Gruppen 2) und 3) wurden keine, bzw. keine geeigneten Daten vorgelegt, die für die Bewertung des Zusatznutzens gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie geeignet gewesen wären. Die Gruppe 1) wurde entsprechend des Vorliegens von bestimmten Mutationen nochmals unterteilt in drei Patientengruppen:

-    Patientengruppe mit EGFR-Mutation DEL19
-    Patientengruppe mit EGFR-Mutation L858R
-    Patientengruppe mit anderen EGFR-Mutationen

Für die Patienten mit einer EGFR-Mutation DEL19 wird ein erheblicher Zusatznutzen gesehen; das Gesamtüberleben in dieser Gruppe liegt um 12,2 Monate höher als in der Kontrollgruppe, die mit Chemotherapie (Cisplatin + Pemetrexed) behandelt wurde. Im ersten Beschluss wurde noch ein beträchtlicher Zusatznutzen gesehen, der Überlebensvorteil betrug zum Zeitpunkt der Interimsanalyse 10,5 Monate.

Für die Patienten mit EGFR-Mutation L858R sieht der G-BA keinen Zusatznutzen. Im ersten Beschluss wurde auf Basis gewisser Vorteile bei den Symptomen hier noch ein geringer Zusatznutzen gesehen. Aus der finalen Analyse lässt sich nun jedoch mit hinreichender Sicherheit ableiten, dass für diese Gruppe kein positiver Effekt von Afatinib im Vergleich zu Cisplatin + Pemetrexed in Bezug auf das Gesamtüberleben vorliegt (medianes Überleben 27,6 Monaten unter Afatinib versus 40,3 Monate unter Cisplatin + Pemetrexed). Der Unterschied ist statistisch nicht signifikant (HR: 1,30, KI: 0,80; 2,11, p-Wert = 0,292). Bei der Symptomatik, der Lebensqualität und den Nebenwirkungen zeigte sich insgesamt kein eindeutiger Vorteil, um trotz der fehlenden Effekte beim Gesamtüberleben in der Gesamtbewertung einen Zusatznutzen ableiten zu können.

Auch für die als Subgruppe zusammengefassten Patienten mit (verschiedenen) weite-ren EGFR-Mutationen lässt sich kein höherer oder geringerer Zusatznutzen aus den vorgelegten Daten ableiten, da die Unterschiede bei der finalen Analyse in Bezug auf das Gesamtüberleben nicht (mehr) signifikant sind und somit auch der im ersten Be-schluss ausgesprochene geringere Nutzen nicht mehr festzustellen ist. Damit ist auch für diese Patientengruppe ein Zusatznutzen nicht belegt.

Es handelt sich beim vorliegenden Beschluss um das erste onkologische Arzneimittel, bei dem vom G-BA ein erheblicher Zusatznutzen für eine Patientengruppe gesehen wird und das zweite Arzneimittel überhaupt, das (für eine Subgruppe) diese Bewertung erhält. Ausschlaggebend ist die erstmals überschrittene Grenze von 12 Monaten bei der Verlängerung des Gesamtüberlebens.

Für eine Behandlung mit Afatinib kommen insgesamt ca. 3.670 - 8.600 Patienten in Frage; die Bewertung mit erheblichem Zusatznutzen betrifft ca. 1.530 - 3.590 Patien-ten. Die Jahrestherapiekosten liegen bei etwa 34.400 €.

Safinamid (Xadago®) ist indiziert für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit idiopathischer Parkinson-Krankheit (PK) als Zusatztherapie zu einer stabilen Dosis Levodopa (als Monotherapie oder in Kombination mit anderen Parkinson-Arzneimitteln) bei Patienten im mittleren bis Spätstadium mit Fluktuationen. Der G-BA hatte mehrere zweckmäßige Vergleichstherapien festgelegt, die in diesem Krankheitsstadium des Morbus Parkinson als Zusatztherapie zum Einsatz kommen. Der pharmazeutische Unternehmer hat Entacapon, einen COMT-Hemmer, ausgewählt und einen indirekten Vergleich mit Placebo als Brückenkomparator durchgeführt. Dieser ermöglichte eine vergleichende Bewertung der beiden Studien auf der Safinamid-Seite und der vier Studien auf der Entacapon-Seite.

In Bezug auf die Beeinflussung von „on“-Zeiten und „off“-Zeiten ergaben sich aus die-sem Vergleich keine statistisch signifikanten Unterschiede. Für den Endpunkt Dyskinesien, welcher zu den häufigsten Komplikationen der Parkinsontherapie zählt, konnten auf der vorliegenden Datenbasis keine vergleichenden Aussagen getroffen werden. Für die Beurteilung des parkinsonspezifischen (Langzeit-)Krankheitsverlaufs wurde die Unified Parkinson’s Disease Rating Scale (UPDRS) herangezogen; statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen zeigten sich in keiner der Einzelskalen I-III. Auch eine Unterlegenheit von Safinamid gegenüber Entacapon ließ sich nicht sicher ausschließen. Bei den Nebenwirkungen gab es beim Auftreten von Diarrhoen Vorteile gegenüber Entacapon. Jedoch lagen für die Entacapon-Seite keine umfassenden und vollständigen Informationen zu allen unerwünschten Ereignissen vor, insbesondere zu jenen, die für Safinamid spezifisch wären. Insgesamt konnte kein Beleg für einen Zusatznutzen abgeleitet werden.

Für eine Therapie mit Safinamid kommen ca. 45.200 - 61.100 Patienten in Frage, die Jahrestherapiekosten liegen bei ca. 2.500 €.

Weitere Informationen, auch zu den Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung, sind den beigefügten Beschlüssen zu entnehmen (Anlage 1-2). Zusätzliche Dokumente, insbesondere die Tragenden Gründe und die vorausgegangenen IQWiG-Berichte, können auf der Internetseite des G-BA (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/) abgerufen werden.