Vargatef® (Nintedanib) wird angewendet in Kombination mit Docetaxel zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem, metastasiertem oder lokal rezidiviertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit Adenokarzinom-Histologie nach Erstlinienchemotherapie.

Vom G-BA wird für Nintedanib ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen gesehen. Nintedanib wird als Zweitlinientherapie in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Docetaxel eingesetzt. Eingereicht vom pharmazeutischen Unternehmer wurde die Studie LUME-Lung 1 mit insgesamt 1314 Patienten. Von diesen Patienten wiesen 658 ein Adenokarzinom auf und waren somit für die für die Bewertung des Anwendungsgebietes relevante Teilpopulation. Der überwiegende Teil der Studienpatienten war nicht auf vorhandene Treibermutationen getestet. Verglichen wurde die Kombination aus Nintedanib und Docetaxel mit Placebo plus Docetaxel. Im Vergleich zur Placebogruppe zeigte sich für die Interventionsgruppe insgesamt ein Vorteil bei der medianen Überlebenszeit mit einer absoluten Differenz von 2,3 Monaten. Kein Vorteil zeigte sich bei der kleinen Gruppe der Patienten mit zu Behandlungsbeginn asymptomatischen Hirnmetastasen, zudem litten diese Patienten unter der Therapie signifikant mehr an Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Patienten mit symptomatischen Hirnmetastasen waren aus den Studien ausgeschlossen. Vorteile in der Gesamtpopulation zeigten sich beim Endpunkt Zeit bis zur Verschlechterung von Schmerzen im Bereich Arm/Schulter. Statistisch signifikante Unterschiede bei weiteren Nebenwirkungen und bei der Lebensqualität waren nicht feststellbar. Zum fraglichen Nutzen bei Patienten mit asymptomatischen bzw. den nicht vorhandenen Daten für Patienten mit symptomatischen Hirnmeta-stasen wurden entsprechende Hinweise im Abschnitt qualitätsgesicherte Anwendung aufgenommen.

Die Zielpopulation in der GKV besteht aus ca. 3.700 – 15.100 Patienten, die Jahrestherapiekosten liegen bei etwa 38.000 €.

Xtandi® (Enzalutamid) ist angezeigt zur Behandlung erwachsener Männer mit meta-stasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom mit asymptomatischem oder mild symptomatischem Verlauf nach Versagen der Androgenentzugstherapie, bei denen eine Chemotherapie klinisch noch nicht indiziert ist.

Für Enzalutamid liegt in dieser neuen Indikation gemäß der Bewertung des G-BA ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen vor. Für die Behandlung erwachsener Männer mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom, deren Erkran-kung während oder nach einer Chemotherapie mit Docetaxel fortschreitet erfolgte im Februar 2014 bereits eine Bewertung mit dem gleichen Ergebnis.

Vom pharmazeutischen Unternehmer wurden die Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten PREVAIL-Studie vorgelegt. Diese wurde an 207 Stu-dienzentren in Europa, Nordamerika, Australien und Asien mit insgesamt 1717 Männern mit Prostatakarzinom durchgeführt. Die Patienten wurden entweder dem Enzalutamid-Arm oder dem Studienarm mit beobachtendem Abwarten zugeteilt. In beiden Armen wurde zusätzlich eine medikamentöse Androgenentzugstherapie durchgeführt, sofern keine chirurgische Kastration vorlag. Die Behandlung mit der Studienmedikation wurde bis zur bestätigten radiografischen Progression oder dem Auftreten eines skelettbezogenen Ereignisses fortgesetzt. Für den Endpunkt Gesamtüberleben wurde ein signifikanter Unterschied zugunsten von Enzalutamid festgestellt, der bei einer absoluten Differenz von im Median 2,2 Monaten lag. Bei der „Zeit bis zur ersten skelettbezogenen Komplikation“ zeigten sich Vorteile für Enzalutamid, ebenso bei der Lebensqualität sowie bei den Abbrüchen wegen Nebenwirkungen sowie den schwerwiegenden Nebenwirkungen.

Für eine Behandlung mit Enzalutamid kommen ca. 15.000 bis 28.800 Patienten in Frage, die Jahrestherapiekosten liegen bei ca. 50.000 €.

Pasireotid (Signifor®) ist angezeigt zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit Akromegalie, bei denen eine chirurgische Behandlung nicht erfolgreich war oder nicht in Frage kommt, und die auf eine Behandlung mit einem anderen Somatostatin-Analogon nicht ausreichend angesprochen haben. Es handelt sich hier um ein neues Anwendungsgebiet, eine Bewertung für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit Morbus Cushing erfolgte bereits im Dezember 2012 mit dem Ergebnis, dass ein geringer Zusatznutzen vorhanden ist.

Bei Pasireotid handelt es sich um ein Arzneimittel, das als Orphan Drug zugelassen wurde, damit gilt der Zusatznutzen durch die Zulassung als belegt, der G-BA bestimmt nur über dessen Ausmaß. Dieser wird für Pasireotid im neuen Anwendungsgebiet ebenfalls als gering bewertet.

Bei der Therapie mit dem Somatostatin-Analogon handelt es sich in dieser Indikation um eine voraussichtlich lebenslange Therapie. Die Studiendauer betrug hier 24 Wo-chen. In dieser Zeit ließen sich keine Vorteile bezüglich der Mortalität nachweisen. Ein signifikanter Effekt zugunsten Pasireotid zeigte sich im Bereich der biochemischen Kontrolle, definiert als Reduktion des mittleren GH-Werts unter 2,5 μg/l und Normalisierung des alters- und geschlechtsadjustierten IGF-1-Werts. 15% der Patienten mit der niedrigeren bzw. 20 % mit der höheren Dosierung von Pasireotid erreichten die Zielwerte gegenüber 0 % in der Kontrollgruppe, bei denen die Behandlung mit den bereits vorher eingesetzten Somatostatin-Analoga Octreotid oder Lanreotid weitergeführt wurde. Der pharmazeutische Unternehmer postuliert auf Basis einer Metaanalyse aus dem Jahr 2008, dass der Surrogatparameter “Biochemische Kontrolle von GH- und IGF-1-Werten“ mit einer Normalisierung der Lebenserwartung assoziiert sei. Es traten jedoch unter der Therapie mit Pasireotid deutlich mehr Nebenwirkungen in Form von erhöhten Blutzuckerwerten und Diabetes mellitus auf. Dies stellt neben methodischen Schwächen die Zuverlässigkeit der Aussagekraft der biochemischen Marker in Bezug auf ein verlängertes Überleben in Frage.

Die Zielpopulation beträgt ca. 265 - 1.133 Patienten, die Jahrestherapiekosten betragen ca. 45.000 €.

Taptiqom® (Tafluprost/Timolol) wird zur Senkung des Augeninnendrucks (IOD) bei erwachsenen Patienten mit Offenwinkelglaukom oder okulärer Hypertension angewendet.

Ein Zusatznutzen ist gemäß Bewertung des G-BA nicht belegt. Es handelt sich um ein Kombinationspräparat, das bei Patienten eingesetzt wird, die mit einem Monopräparat unzureichend eingestellt sind und die von konservierungsmittelfreien Augentropfen profitieren. In der vorgelegten Studie wurde die konservierungsmittelfreie Fixkombination von Tafluprost und Timolol mit den konservierungsmittelfreien Einzelwirkstoffen Tafluprost und Timolol (als freie Kombination) verglichen, ein Zusatznutzen konnte hier nicht nachgewiesen werden. Die Daten waren nur sehr eingeschränkt verwertbar, u.a. weil nicht eindeutig zu bestimmen war, welcher Anteil der Studienpatienten für die Bewertung herangezogen werden konnte. Vorteile von konservierungsmittelfreien Augentropfen konnten durch dieses Studiendesign ebenfalls nicht nachgewiesen werden. Vergleichbare Kombinationspräparate, auch ohne Konservierungsmittel, sind bereits auf dem Markt.

Die Zielpopulation besteht aus ca. ca. 95.600 Patienten, die Jahrestherapiekosten betragen ca. 300 €.

Die oben genannten Beschlüsse finden sie beigefügt (Anlagen 1 bis 4). Weitere Dokumente, insbesondere die Tragenden Gründe und die vorausgegangenen IQWiG-Berichte, können auf der Internetseite des G-BA

http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung 

abgerufen werden.

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