Glybera® (Alipogentiparvovec) wird angewendet bei Erwachsenen, bei denen eine familiäre Lipoproteinlipasedefizienz (LPLD) diagnostiziert wurde und bei denen schwere oder multiple Pankreatitis-Schübe trotz fettarmer Ernährung aufgetreten sind.

Alipogentiparvovec ist das erste in der EU zugelassene Gentherapeutikum und unter „Außergewöhnlichen Umständen“ zugelassen als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug). Der medizinische Zusatznutzen gilt somit gemäß § 35a Absatz 1 Satz 10 SGB V als belegt. 

Bereits in den Sitzungen des Plenums am 16. April 2015 und am 7. Mai 2015 wurde Alipogentiparvovec als Tagesordnungspunkt behandelt, die Beschlüsse wurden jeweils vorläufig ausgesetzt. (Siehe auch Rundschreiben Nr. 166/2015) Hintergrund war der Bericht des Rapporteurs der europäischen Zulassungsbehörde EMA, wonach nach Auswertung der Follow-Up-Daten aus dem Jahr 2014 ein negatives Nutzen-Risiko-Verhältnis für den Wirkstoff bestehe. Der G-BA wollte die Erkenntnisse und Maßnahmen der EMA zunächst abwarten. Das zuständige Beschlussgremium der EMA hat sich mittlerweile mit dem Rapporteursbericht befasst, jedoch bislang keine abschließende Entscheidung getroffen. Der G-BA attestiert nunmehr allein aufgrund der gesetzlichen Fiktion einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen. Es bleibt fraglich, ob es nach der Therapie mit Glybera zu einer Reduktion des Auftretens von Pankreasentzündungen kommt. Weiterhin fehlt der Nachweis einer dauerhaften Senkung der Triglyzeridwerte, dem ursprünglich gewählten primären Endpunkt der Interventionsstudien. Demgegenüber stehen die zum Teil auch langfristigen unerwünschten Wirkungen an den Applikationsstellen. Es bestehen umfangreiche Anforderungen an die qualitätsgesicherte Anwendung, die dem beigefügten Beschluss zu entnehmen sind. Eine valide und aussagekräftige Bewertung zur Quantifizierung des Zusatznutzens ist angesichts der Datenlage nicht möglich, der Beschluss wurde bis zum 1. Juni 2016 befristet.

Die Zielpopulation besteht aus ca. 17 bis 35 Patienten. Die Jahrestherapiekosten betragen ca. 1,3 Millionen €.

Galvus®/Jalra® /Xiliarx® (Vildagliptin) ist in Mono- oder Kombinationstherapie angezeigt zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2.

Bereits im Oktober 2013 war eine Nutzenbewertung durch den G-BA erfolgt, die im Ergebnis keinen Beleg für einen Zusatznutzen ergab. Nun hatte der pharmazeutische Unternehmer einen Antrag auf erneute Nutzenbewertung gemäß § 35a SGBV gestellt. Es handelt sich bei Vildagliptin um einen Vertreter der einzigen Wirkstoffgruppe (Gliptine), die von der ursprünglich durch das AMNOG vorgesehenen Nutzenbewertung des Bestandsmarkts erfasst wurde.

Die eingereichten Daten reichten nicht aus, um die vormalige Bewertung zu revidieren. Zwar ergab sich für Vildagliptin in einer oralen Zweifach-Kombinationstherapie mit einem Sulfonylharnstoff im Vergleich zu Humaninsulin in Kombination mit einem Sulfonylharnstoff der Vorteil einer Gewichtsreduzierung, es wurden jedoch keine signifikanten Unterschiede bei der Morbidität und den Nebenwirkungen festgestellt. Symptomatische, bestätigte Hypoglykämien traten im Insulin-Arm seltener auf, der Unterschied war jedoch nicht statistisch signifikant Zudem war die Blutzuckereinstellung im Vergleichsarm für die ausgewählte Studienpopulation zu straff, was das Auftreten von Unterzuckerungen begünstigt. Daher konnten die Ergebnisse für diesen Endpunkt nicht valide bewertet werden.

Die Zielpopulation besteht aus ca. 35.900 Patienten, die Jahrestherapiekosten für Vildagliptin können nicht angegeben werden, da es sich derzeit nicht auf dem deutschen Markt befindet.

Translarna® (Ataluren) ist angezeigt zur Behandlung der Duchenne-Muskeldystrophie infolge einer Nonsense-Mutation im Dystrophin-Gen bei gehfähigen Patienten im Alter ab 5 Jahren. Ataluren ist zugelassen als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug). Gemäß § 35a Absatz 1 Satz 10 gilt der medizinische Zusatznutzen durch die Zulassung als belegt, der G-BA bestimmt nur das Ausmaß des Zusatznutzens, dieser wird hier als gering eingeschätzt.

Die Duchenne-Muskeldystrophie ist eine genetische Erkrankung, die nur Jungen betrifft und regelmäßig zum Verlust der Gehfähigkeit im Verlauf des jugendlichen Alters und zum Tode meist im jungen Erwachsenenalter führt. Ataluren ermöglicht ein korrektes Weiterlesen des betroffenen Gens und soll den Verlust der Gehfähigkeit verzögern. Gemessen wurde dies anhand des 6-Minuten-Gehtest (6MWT). Hier zeigte sich für Ataluren im Vergleich zu Placebo nur in einer nachträglich durchgeführten und damit weniger aussagekräftigen Analyse ein statistisch signifikanter Effekt. Ein geringer Zusatznutzen zeigte sich anhand der statistisch signifikant niedrigeren Rate von Patienten mit mindestens 10 % Verschlechterung der Gehstrecke sowie der längeren Zeit bis zur Verschlechterung im 6MWT. Die Lebensqualität verbesserte sich nicht messbar, das Nebenwirkungsprofil war zwischen der Ataluren- und der Placebogruppe vergleichbar, bei deren Häufigkeit zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.

Die Zielpopulation wird mit ca. 82 bis 110 Patienten angegeben, die Jahrestherapiekosten betragen 479.880,83 €.

Harvoni® (Ledipasvir/Sofosbuvir) wird bei Erwachsenen zur Behandlung der chronischen Hepatitis C (CHC) angewendet. Ledipasvir/Sofosbuvir ist eine weitere Therapieoption für die Behandlung der Hepatitis C, es handelt sich um eine Kombination aus dem sich bereits auf dem Markt befindlichen Sofosbuvir (Sovaldi®) und dem nicht als Monotherapie erhältlichen Ledipasvir.

Die Nutzenbewertung orientierte sich an den Patientengruppen für die in der Fachinformation konkrete Behandlungsempfehlungen gegeben werden. Es handelte sich hierbei um Patienten mit den Genotypen 1, 3 und 4. Gemäß den durchgeführten Studien wurde unterschieden, ob die Patienten therapieerfahren oder therapieerfahren waren, ob eine Zirrhose oder eine Koinfektion mit HIV vorlag (diffenzierte Darstellung siehe beigefügter Beschluss). Von den betrachteten Gruppen bekam lediglich die Gruppe der Patienten mit Genotyp 3 keinen Beleg für einen Zusatznutzen attestiert, bei den anderen Gruppen wurden Anhaltspunkte für einen Zusatznutzen im Ausmaß zwischen gering und beträchtlich gesehen.

Hervorzuheben ist, dass auch für die Gruppe der Patienten mit Genotyp 4 (therapienaiv und therapieerfahren) vor dem Hintergrund der hohen Viruseliminationsraten in den Studien (93,2 bzw. 95 %) ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen im Vergleich zur dualen Therapie mit Interferon und Ribavirin gesehen wurde sowie für Patienten mit Genotyp 1 mit dekompensierter Zirrhose ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen. Für Letztere stand bis zur Zulassung von Harvoni® keine zugelassene antivirale Therapie zur Verfügung.

Die Kosten für jeweils 12 Wochen Therapie mit Ledipasvir/Sofosbuvir betragen derzeit 62.973,18 €. Je nach Therapieregime dauert die Therapie 12-24 Wochen. Die Zielpopulation für die vom Anwendungsgebiet erfassten Gruppen beträgt insgesamt 74.100 Patienten.

Nuwiq® (Simoctocog alfa): Es handelt es sich um ein rekombinantes Faktor VIII-Präparat zur Behandlung und Prophylaxe von Blutungen bei Patienten mit Hämophilie A. Anders als die bereits auf dem Markt verfügbaren rekombinanten Präparate wird es aus einer humanen Zelllinie hergestellt. Der pharmazeutische Unternehmer sieht im Vergleich zu diesen Vorteile in Bezug auf die Bildung von inhibitorischen Antikörpern (Hemmkörpern), was theoretisch plausibel erscheint, jedoch nicht durch relevante vergleichende Untersuchungen mit entsprechender Dauer nachgewiesen ist. Die Zulassungsstudien im Vergleich zum rekombinanten Blutgerinnungsfaktor Octocog alfa sind als Phamakokinetik- und Bioäquivalenzstudien zu werten, die zwar den Anforderungen der Zulassung genügen, aus denen jedoch kein Zusatznutzen abgeleitet werden kann, dieser somit also nicht belegt ist.

Für die Behandlung kommen ca. 3.500 Patienten in Frage, die Jahrestherapiekosten liegen zwischen 87.090,92 und 899.337,03 € je nach Alter und Gewicht des zu behandelnden Patienten.

Die oben genannten Beschlüsse finden sie beigefügt (Anlage 1-5). Weitere Dokumente, insbesondere die Tragenden Gründe und die vorausgegangenen IQWiG-Berichte, können auf der Internetseite des G-BA (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/) abgerufen werden.