Die Beschlüsse des G-BA zur frühen Nutzenbewertung nach § 35a SGB V stellen den therapeutischen Stellenwert von neu zugelassenen Arzneimitteln fest und bestimmen damit, ob und unter welchen Vorgaben (u.a. personelle und strukturelle Anforderungen an Vertragsärzte und ermächtigte Ärzte und Einrichtungen) die bewerteten Arzneimittel für die Versorgung zur Verfügung stehen. Zudem bilden die Beschlüsse des G-BA die Grundlage für die Festsetzung von Erstattungsbeträgen. Diese Erstattungsbeträge besitzen unmittelbare Gültigkeit für die Arzneimittelversorgung im Rahmen der ambulanten Behandlung im Krankenhaus und entfalten zunehmende Bedeutung für die Vereinbarung von Zusatzentgelten und Entgelten für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden.

Insulin degludec (Tresiba®) ist angezeigt zur Behandlung des Diabetes mellitus bei Erwachsenen.

Der G-BA stuft das Ausmaß des Zusatznutzens von Insulin degludec (Tresiba®) für alle im Anwendungsgebiet zu betrachtenden vier Subgruppen als nicht belegt ein.

Für die Nutzenbewertung von Insulin degludec wäre die Verwendung und Auswertung weiterer Angaben bzw. Daten zu Studienmethodik und -ergebnissen aus Dokumenten erforderlich gewesen, die vom pharmazeutischen Unternehmer für die Aussagen in den Modulen 2 - 4 des Dossiers herangezogen werden. Da die für die Nutzenbewertung relevanten Dokumente gemäß Angaben des pharmazeutischen Unternehmers Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse enthalten, hat er sie im nicht zu veröffentlichenden Modul 5 verortet. Auch auf mehrmalige Nachfragen des G-BA und im Rahmen der mündlichen Anhörung hat der pharmazeutische Unternehmer der Veröffentlichung von Daten aus diesen Dokumenten widersprochen. Damit entspricht das Dossier des pharmazeutischen Unternehmers den im 5. Kapitel § 9 Abs. 3 Satz 1 G-BA VerfO festgelegten Anforderungen nicht, wonach der pharmazeutische Unternehmer zu gewährleisten hat, dass alle Angaben zu Studienmethodik und -ergebnissen vollständig zur Veröffentlichung im Dossier in Modul 1 bis 4 zur Verfügung gestellt werden. Für die Bewertung eines Zusatznutzens von Insulin degludec lag damit insgesamt keine vollständige Datenbasis vor. Der Zusatznutzen von Insulin degludec ist daher nicht belegt.

Dimethylfumarat (Tecfidera®) ist zugelassen zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose.

Auch für Dimethylfumarat (Tecfidera®) ergibt sich nach Auffassung des G-BA, dass ein Zusatznutzen von Dimethylfumarat gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie (Interferon beta-1a oder Interferon beta-1b oder Glatirameracetat) nicht belegt ist.

Der pharmazeutische Unternehmer hat für den Nachweis des Zusatznutzens von Dimethylfumarat aus den festgelegten Alternativen der zweckmäßigen Vergleichstherapie (Interferon beta-1a oder Interferon beta-1b oder Glatirameracetat) den Wirkstoff Interferon beta-1a (IFN β-1a) gewählt. Obwohl eine direkte Vergleichsstudie gegenüber Glatirameracetat vorliegt (Studie 109MS302 (CONFIRM)), führt der pharmazeutische Unternehmer den Nachweis des Zusatznutzens über einen indirekten Vergleich mittels einer Netzwerk-Metaanalyse gegenüber Interferon ß-1 a durch. Bei der Darstellung der Ergebnisse zum Nachweis des Zusatznutzens von Dimethylfumarat gegenüber IFN β-1a werden im Dossier des pharmazeutischen Unternehmers ausschließlich Studien zum Vergleich gegenüber IFN ß-1 a in der Dosierung 44 μg subkutan (s.c.) (Rebif®) herangezogen. Für einen vollständigen indirekten Vergleich von Dimethylfumarat gegenüber dem Wirkstoff IFN ß-1 a hätten, aufgrund der Festlegung der zweckmäßigen Vergleichstherapie, ebenso die Studien zu anderen Darreichungsformen (Avonex®, 30 μg intramuskulär (i.m.)) mit einbezogen werden müssen. Der im Dossier dargelegte indirekte Vergleich ist somit als unvollständig anzusehen. Weiterhin ist z.B. das statistische Modell, welches im Dossier des pharmazeutischen Unternehmers verwendet wurde, nicht geeignet, valide Aussagen zum Vergleich von Dimethylfumarat gegenüber Interferon beta-1a zu treffen. Im Rahmen des Stellungnahmeverfahrens hat der pharmazeutische Unternehmer zwar zusätzliche Analysen vorgelegt, in denen sowohl IFN β-1a 30 μg i.m. als auch IFN β-1a 44 μg s.c. einbezogen wurden, allerdings wurden vom pharmazeutischen Unternehmer immer noch nicht alle patientenrelevanten Endpunkte berücksichtigt bzw. nur unvollständig berücksichtigt und es bestand weiterhin Kritik am verwendeten statistischen Modell. So dass in der Gesamtschau der vorgelegte indirekte Vergleich nicht für den Nachweis eines Zusatznutzens geeignet war.

Riociguat (Adempas®) ist zugelassen für die Behandlung erwachsener Patienten mit chronischer thromboembolischer pulmonaler Hypertonie (CTEPH) der WHO Funktionsklassen (FK) II bis III und zur Behandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH).

Da es sich bei Riociguat (Adempas®) um ein sogenanntes „Orphan Drug“ zur Behandlung seltener Erkrankungen handelt, gilt nach § 35a Abs. 7 Satz 10 SGB V der Zusatznutzen als belegt, der G-BA hat somit nur das Ausmaß des Zusatznutzens zu bewerten. Der G-BA spricht Riociguat (Adempas®) sowohl bei der CTEPH als auch bei der PAH einen geringen Zusatznutzen zu.

In der Gesamtbetrachtung werden bei Patienten mit CTEPH und auch bei PAH die Ergebnisse zur Morbidität (Veränderung der 6MWD und der Veränderung der Dyspnoe und des Ermüdungsempfindens auf der Borg-Skala) als eine bisher nicht erreichte moderate und nicht nur geringfügige Verbesserung des therapierelevanten Nutzens bewertet.

Die Zielpopulation wird für Patienten mit CTEPH mit zwischen 920 und 5460 Patienten und für Patienten mit PAH mit ca. 580 bis 7850 Patienten angegeben und die Jahrestherapiekosten/Patient belaufen sich aktuell (vor Vereinbarung eines Erstattungsbetrages) auf 47.079,92 €.

Die oben genannten Beschlüsse finden sie beigefügt (Anlage 1-3). Weitere Dokumente, insbesondere die Tragenden Gründe und die vorausgegangen IQWiG-Berichte, können auf der Internetseite des G-BA (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/) abgerufen werden.

Weiterhin hat der G-BA am 16. Oktober 2014 beschlossen den Therapiehinweis zu Strontiumranelat (z.B. Protelos®, Osseor®) aufzuheben. Da die EMA aufgrund von Sicherheitsbedenken eine weitgehende Einschränkung der Zulassung von Strontiumranelat, auf den Einsatz für Patienten, für die keine alternative Pharmakotherapie zur Verfügung steht, vorgenommen hat, besteht aus Sicht des G-BA kein Regelungsbedarf mehr zur wirtschaftlichen Verordnungsweise Strontiumranelat-haltigen Arzneimitteln. Der Therapiehinweis wird daher vollständig aufgehoben.