Der G-BA hat am 4. April 2014 einen Beschluss zur frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln nach § 35a SGB V getroffen. Der Beschluss betrifft das Arzneimittel Dabrafenib (Tafinlar®) zur Behandlung des BRAF-V600-Mutation-positiven nicht reserzierbaren oder metastasierten Melanoms.

Die Beschlüsse des G-BA zur frühen Nutzenbewertung nach § 35a SGB V stellen den therapeutischen Stellenwert von neu zugelassenen Arzneimitteln fest und bestimmen damit, ob und unter welchen Vorgaben (u.a. personelle und strukturelle Anforderungen an Vertragsärzte und ermächtigte Ärzte und Einrichtungen) die bewerteten Arzneimittel für die Versorgung zur Verfügung stehen. Zudem bilden die Beschlüsse des G-BA die Grundlage für die Festsetzung von Erstattungsbeträgen. Diese Erstattungsbeträge besitzen unmittelbare Gültigkeit für die Arzneimittelversorgung im Rahmen der ambulanten Behandlung im Krankenhaus und entfalten zunehmende Bedeutung für die Vereinbarung von Zusatzentgelten und Entgelten für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden.

Dabrafenib (Tafinlar®) ist zugelassen zur Monotherapie von erwachsenen Patienten mit BRAF-V600-Mutation-positivem nicht-resezierbarem oder metastasiertem Melanom.

Der G-BA stellt mit seinem Beschluss vom 4. April 2014 fest, dass ein Zusatznutzen von Dabrafenib (Tafinlar®) gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Vemurafenib nicht belegt ist.

Im vorliegenden Fall hatte der G-BA sich dazu entschlossen im laufenden Bewertungsverfahren die zweckmäßige Vergleichstherapie von Dacarbazin zu Vemurafenib zu ändern. Der G-BA erkennt damit an, dass sich der Therapiestandard trotz der relativ kurzen Zeit der Verfügbarkeit von Vemurafenib geändert hat. Für Dacarbazin konnte in prospektiven randomisierten kontrollierten Studien eine Verlängerung des Gesamtüberlebens nicht sicher gezeigt werden. Vemurafenib führte dagegen in einer Studie gegenüber Dacarbazin zu einer signifikanten Verbesserung der Überlebensraten.

Zur Bewertung des Zusatznutzens von Dabrafenib gegenüber Vemurafenib wurde vom pharmazeutischen Unternehmer ein adjustierter indirekter Vergleich der Zulassungsstudien für Dabrafenib (BREAK-3) und Vemurafenib (BRIM 3) vorgelegt. Beide Studien wurden gegenüber Dacarbazin als Vergleichsbehandlung durchgeführt. Dacarbazin stellt damit den Brückenkomparator für den Vergleich zwischen Dabrafenib und Vemurafenib dar. Aus Sicht des G-BA führt der hohe Anteil an Crossover-Patienten in der Studie BREAK-3 und die Unterschiede hinsichtlich der Anteile der Crossover-Patienten zwischen beiden Studien zu einer Verzerrung der ITT-Auswertungen, deren Ausmaß nicht eingeschätzt werden kann. Darüber hinaus bestehen Unsicherheiten und Unterschiede in den Patientencharakteristika, die einen Einfluss auf die Prognose der Patienten und damit auf die Studienergebnisse haben können. Daher besteht bezüglich der Ähnlichkeiten der beiden Studien eine hohe Unsicherheit.

Auch innerhalb des indirekten Vergleichs sind die Ergebnisse der BREAK-3-Studie zum Endpunkt Gesamtüberleben wegen des frühen Crossovers wenig aussagekräftig, so dass daher für den Endpunkt „Gesamtüberleben“ keine aussagekräftigen Nachweise zur Bewertung des Zusatznutzens von Dabrafenib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vorliegen. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde in der BREAK-3-Studie mit anderen Instrumenten erhoben (EORTC QLQ C30, EQ-5D), als in der BRIM-3-Studie (FACT-M). Ein indirekter Vergleich hinsichtlich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurde vom pharmazeutischen Unternehmer nicht vorgelegt. Die Studienarme der vorgelegten Studien BREAK-3 und BRIM-3 unterscheiden sich deutlich hinsichtlich der jeweiligen Behandlungsdauer. Für die jeweilige Studie ist von einer Verzerrung der Ergebnisse für den Endpunkt „Unerwünschte Ereignisse“ zuungunsten des Verums auszugehen. Da die Verzerrung für die einzelnen Studien nicht bewertet werden kann, kann für den indirekten Vergleich zwischen Dabrafenib und Vemurafenib das Ausmaß des Zusatznutzens nicht beurteilt werden. Darüber hinaus wären Vorteile, die sich gegebenenfalls hinsichtlich der Nebenwirkungen zeigen, vor dem Hintergrund der beschriebenen Unsicherheiten und fehlenden Nachweise, insbesondere zur Mortalität, aber auch zur Morbidität in der Gesamtabwägung der Ergebnisse nicht für den Nachweis eines Zusatznutzens von Dabrafenib gegenüber Vemurafenib geeignet.

In der Gesamtbetrachtung der vorliegenden Ergebnisse zur Mortalität, der Morbidität und zu den Nebenwirkungen liegen zur Bewertung des Zusatznutzens für Dabrafenib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie keine aussagekräftigen Nachweise vor. Auf der Grundlage der vorgelegten Nachweise ist ein Zusatznutzen daher nicht belegt.

Da nach Einschätzung des G-BA die durch den pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Nachweise zur Beurteilung des Zusatznutzens von Dabrafenib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Vemurafenib nicht wirklich ausreichend sind, wird der Beschluss auf 3,5 Jahre befristet. In dieser Zeit sollen ausreichend aussagekräftige Daten zur Bewertung des Zusatznutzens hinsichtlich des Gesamtüberlebens, der patientenrelevanten Symptomatik (Morbidität) und der Nebenwirkungen, insbesondere direkte Vergleichsstudien gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie generiert werden. Neben einer Überlebensverlängerung und der Vermeidung von Nebenwirkungen sind Symptomkontrolle und Lebensqualität in der Palliativsituation im vorliegenden Anwendungsgebiet für die Patientinnen und Patienten von herausragender Bedeutung. Daten zur Beurteilung der Krankheitssymptome und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität sind ebenfalls gefordert.

Die für eine Behandlung mit Dabrafenib (Tafinlar®) infrage kommende Patientengruppe wird mit ca. 1.400 Patienten beziffert. Für die qualitätsgesicherte Anwendung wurde festgelegt, dass die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Dabrafenib nur durch einen in der Anwendung von antineoplastischen Arzneimitteln und in der Therapie von Patienten mit Melanomen erfahrenen Facharzt erfolgen soll (Facharzt/Fachärztin für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie, Facharzt/Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte aus anderen Fachgruppen). Die Jahrestherapiekosten von Dabrafenib belaufen sich aktuell auf ca. 98.000 Euro.

Den Beschluss des G-BA finden Sie beigefügt (Anlage). Weitere Dokumente, insbesondere die Tragenden Gründe und die vorausgegangen IQWiG-Berichte, können auf der Internetseite des G-BA (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/) abgerufen werden.