Ungewöhnlich ist, dass unterhalb des Titels der sonst übliche Verweis auf die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim RKI fehlt. Ungewöhnlich ist weiter, dass am Ende der Hinweis erfolgt, dass die Empfehlung durch die Arbeitsgruppe vorbereitet und nach ausführlicher Diskussion in der Kommission abgestimmt wurde.

Auf eine entsprechende Anfrage an die KRINKO hat das RKI jedoch bestätigt, dass es sich „um eine offizielle Empfehlung KRINKO gemäß § 23 IfSG“ handelt und das Fehlen des Zusatzes „Empfehlung der KRINKO beim RKI“ lediglich einen redaktionellen Unterschied darstellt.

Im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf sind zwar deutliche Änderungen erfolgt, aber dennoch bleibt die Empfehlung aus Sicht der DKG-Geschäftsstelle kritisch, weil sie das Aufgabenspektrum der curricular fortgebildeten Krankenhaushygieniker beschränkt und somit deren Gleichwertigkeit gegenüber den Fachärzten für Hygiene und Umweltmedizin bzw. für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie bestreitet. Dies wird nicht dazu beitragen, die Attraktivität der Fortbildung zu befördern, obwohl curricular fortgebildete Krankenhaushygieniker dringend gebraucht werden.

Bzgl. der Qualifikation und der Aufgaben des Krankenhaushygienikers enthält die Empfehlung folgende Vorgaben:

•    Die KRINKO-Empfehlung „Personelle und organisatorische Voraussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen“ wird dahingehend ergänzt, dass hinsichtlich der Qualifikation des Krankenhaushygienikers nun zwischen der „Facharzt-Qualifikation“ (Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin bzw. für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie) und der „curricularen Fortbildung Krankenhaushygiene“ unterschieden wird.

•    Curricular Fortgebildete sind befähigt, wesentliche Teile der Aufgaben als Krankenhaushygieniker unbefristet wahrzunehmen.

•    Folgende Aufgaben bleiben den „Fachärzten“ vorgehalten, d. h. dürfen – laut Empfehlung – nicht von den curricular fortgebildeten Krankenhaushygienikern übernommen werden:

o    Leitung krankenhaushygienischer bzw. mikrobiologischer Labore mit fachärztlicher Bewertung der Untersuchungsergebnisse,

o    Weiterbildung von Ärzten zum Facharzt mit o. a. Qualifikation,

o    Fortbildung von Ärzten zur Erlangung der curricularen Fortbildung Krankenhaushygiene in fachspezifischen Inhalten,

o    fachärztliche Supervision und Beratung curricular fortgebildeter Ärzte hinsichtlich besonderer Fragestellungen (z. B. technische Hygiene, spezielle Fragen der Wasser-, Luft-, Lebensmittel- und Bauhygiene, komplexe Bauvorhaben, Ausbruchsmanagement mit komplexen Probenahme-, Interventions- oder Typisierungsanforderungen u. a.).

•    Kliniken der Maximalversorgung müssen ihre krankenhaushygienische Versorgung einschließlich des Stellvertreters durch einen Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin bzw. für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie sicherstellen.

•    Sonstige Kliniken und andere medizinische Einrichtungen haben – in Abhängigkeit vom Risikoprofil – eine konsiliarische Beratung durch einen Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin bzw. für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie für besondere Fragestellungen (s. o.) vorzuhalten.

•    Die KRINKO hält es für erforderlich, dass der Krankenhaushygieniker mit den Bedingungen und Gegebenheiten der Einrichtung, die er betreut, vertraut ist. Ob seine Leistung hausintern oder von extern erfolgt, obliegt – abgesehen von länderspezifischen Regelungen – der Verantwortung der Einrichtungen.

Ergänzend geben wir Ihnen noch ein Editorial aus dem Bundesgesundheitsblatt Nr. 9/2016 zu dieser Thematik zur Kenntnis (Anlage 2).

Im zweiten Teil der Empfehlung geht es um die Personalbedarfsermittlung für Krankenhaushygieniker. Deren Bedarf und Betreuungsumfang ist wesentlich vom Risikoprofil sowie der Größe und Komplexität der zu betreuenden Einrichtung abhängig.

Die Bedarfsermittlung soll (analog der Berechnung des HFK-Bedarfs) anhand des Leistungsprofils der Einrichtung und dem Risikoprofil der dort vorrangig behandelten Patienten erfolgen (Zuordnung zu einer der drei Risikostufen: niedrig = C, mittel = B oder hoch = A). Der Bedarf einer Vollkraft (VK) eines Krankenhaushygienikers (KHH) berechnet sich dann anhand der Anzahl der den jeweiligen Risikostufen zuzuordnenden stationären Betten:

•    Risikostufe A (hoch): 1 VK KHH/1.000 Betten

•    Risikostufe B (mittel): 1 VK KHH/2.000 Betten

•    Risikostufe C (niedrig): 1 VK KHH/5.000 Betten

Zusätzlich wird ein fixer Beratungsbedarf von jeweils 0,01 VK je Abteilung vorgegeben.

Bei Einrichtungen mit mehr als 400 Betten ist darüber hinaus noch ein „Komplexitätszuschlag“ zu berücksichtigen. Dieser richtet sich nach der Gesamtzahl der stationären Betten:

•    Einrichtungen mit >400 bis 800 Betten: 0,05 VK KHH/100 Betten

•    Einrichtungen mit >800 Betten: 0,1 VK KHH/100 Betten

Ferner wird für Universitätskliniken bzw. größere akademische Lehrkrankenhäuser der Tertiärversorgung zusätzlicher Bedarf durch Lehre, Forschung etc. gesehen, der allerdings nicht Gegenstand der vorliegenden Empfehlung ist und separater Berücksichtigung und Berechnung bedarf.

Abschließend wird darauf hingewiesen, dass Ärzte in der Weiterbildung in die Stellenkalkulation einzubeziehen sind.

Wir bitten Sie, die Ihnen angeschlossenen Krankenhäuser zu informieren und verbleiben