Zu 1.:

Die Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Stämmen (MRSA) in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen (Anlage 1) sind Bundesgesundheitsblatt Nr. 6/2014 bekanntgemacht worden. Sie ersetzen die „alte“ Empfehlung aus dem Jahre 1999 sowie den dazu veröffentlichten Kommentar aus 2008.

In Teil I wird die Mikrobiologie und Epidemiologie von Staphylococcus aureus und MRSA sowie deren Übertragungsweg mit Fokus auf verschiedene Einrichtungen bzw. spezifische Personen erläutert. Teil II beschreibt Maßnahmen zur Erkennung, Vermeidung und Bekämpfung von MRSA. Teil III enthält Empfehlungen für die ärztliche Risikoanalyse und allgemeine und spezielle Empfehlungen zur Erkennung, Vermeidung und Bekämpfung von MRSA. Dabei wird zwischen allgemeinen Empfehlungen für alle Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Wohlfahrtspflege und zusätzlichen speziellen Empfehlungen für verschiedene Einrichtungen und Personengruppen unterschieden.

Als Maßnahmen zur Vermeidung und Bekämpfung von MRSA (sh. Teil II) werden folgende Instrumente empfohlen:

1. eine gut etablierte und konsequent durchgeführte Basishygiene einschließlich Schulung und Information des Personals;

2. die ärztliche Risikoanalyse zur Umsetzung der im Teil III aufgeführten allgemeinen und speziellen Empfehlungen, insbesondere

a. die gezielte Anamnese und risikobasierte Reihenuntersuchung (Screening) zur Identifikation von MRSA-Trägern,

b. die Anwendung von über die Basishygiene hinausgehenden Barrieremaßnahmen (Isolierung der Patienten, Tragen zusätzlicher Schutzkleidung),

c. die Prüfung der Indikation zur Dekolonisierung und ggf. eine Dekolonisierungsbehandlung;

3. ein rationaler Umgang mit Antibiotika (sh. Empfehlungen der Kommission ART);

4. die einrichtungsübergreifende Koordination (sh. Aktivitäten der entsprechenden regionalen Netzwerke).

Für folgende Patienten sieht die KRINKO ein erhöhtes Risiko für das Vorliegen einer MRSA-Kolonisation bei Aufnahme in ein Krankenhaus als gegeben an („Risikogruppen“):

1. Patienten mit bekannter MRSA-Anamnese,

2. Patienten aus Regionen/Einrichtungen mit bekannt hoher MRSA-Prävalenz (z. B. Einrichtungen in Ländern mit hoher MRSA-Prävalenz oder Einrichtungen mit bekannt hoher MRSA-Prävalenz in Deutschland),

3. Dialysepatienten,

4. Patienten mit einem stationären Krankenhausaufenthalt (> 3 Tage) in den zurückliegenden 12 Monaten (in einem Krankenhaus in Deutschland oder in anderen Ländern),

5. Patienten, die regelmäßig (beruflich) direkten Kontakt zu MRSA haben, wie z. B. Personen mit Kontakt zu landwirtschaftlichen Nutztieren (Schweine, Rinder, Geflügel),

6. Patienten, die während eines stationären Aufenthaltes Kontakt zu MRSA-Trägern hatten (z. B. bei Unterbringung im gleichen Zimmer),

7. Patienten mit chronischen Hautläsionen (z. B. Ulkus, chronische Wunden, tiefe Weichgewebeinfektionen),

8. Patienten mit chronischer Pflegebedürftigkeit (z. B. Immobilität, Störungen bei der Nahrungsaufnahme/Schluckstörungen, Inkontinenz, Pflegestufe) und einem der nachfolgenden Risikofaktoren:

• Antibiotikatherapie in den zurückliegenden 6 Monaten,

• liegende Katheter (z. B. Harnblasenkatheter, PEG-Sonde, Trachealkanüle).

Als diagnostische Basis des MRSA-Screenings sieht die KRINKO weiterhin den kulturellen Erregernachweis. Nur dieses Verfahren ermögliche den Nachweis aus allen sinnvollen Untersuchungsmaterialien, die notwendige Charakterisierung des Erregers (Identifizierung und Empfindlichkeitsbestimmung gegenüber relevanten Antibiotika) und weitergehende Untersuchungen wie Typisierungen für epidemiologische Untersuchungen und ggf. Untersuchungen zur Ausstattung mit und Expression von Virulenzfaktoren. PCR-basierte MRSA-Screeningverfahren sollen laut KRINKO derzeit nicht zum Nachweis von MRSA-Infektionen eingesetzt werden. Auch eigneten sie sich nicht zur Kontrolle von MRSA-Sanierungsmaßnahmen.

Neu ist der Hinweis, dass „die Verlagerung des MRSA-Screenings auf einen Zeitpunkt vor der Hospitalisierung z. B. als prästationäre bzw. als vorgelagerte ambulante Diagnostik sinnvoll [erscheint]“.

Zu 2.:

Die Ergänzung zu den „Hygienemaßnahmen bei Infektion oder Besiedelung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen“ (2012) (Anlage 2) ist im Epidemiologischen Bulletin Nr. 21/2014 vom 26.05.2014 erschienen. Die Ergänzung erfolgt im Rahmen der Anpassung an die epidemiologische Situation.

Die KRINKO regt an, neben den bisher zu screenenden Patienten mit folgenden bereits beschriebenen Risikofaktoren für eine 4MRGN-Besiedlung:

• Kontakt zum Gesundheitssystem in Ländern mit endemischem Auftreten von 4MRGN in den letzten 12 Monaten

• Kontakt zu Patienten, für die eine Besiedlung mit 4MRGN nachgewiesen wurde (Pflege im gleichen Zimmer)

auch folgende Patienten auf eine Besiedlung zu screenen:

• Patienten mit einem stationären Krankenhausaufenthalt (> 3 Tage) in den zurückliegenden 12 Monaten in einer Region mit erhöhter 4MRGN-Prävalenz.

Als pragmatisches Vorgehen empfiehlt die KRINKO, ein Screening bei entsprechender (Auslands-)Anamnese mit Krankenhausaufenthalt unabhängig vom Ort des Aufenthalts.

Die weiteren Details entnehmen Sie bitte den Anlagen.